Porträt über Jana Sussmann

Mit guter Laune in die Laufsaison

Jana Sussmann zählt trotz langer Verletzungspause zu Deutschlands besten Hindernisläuferinnen. Wir haben die 24-Jährige getroffen und sie zu ihrem Training und ihrer Motivation befragt.

Cover-Shooting mit Jana Sussmann
Jana Sussmann 2015 Bild 1

Jana Sussmann gehört zu Deutschlands besten Hindernisläuferinnen.

Bild: Lars Schneider

Es war gar nicht so einfach, ein Treffen mit Jana Sussmann zu bekommen. Denn die 24-Jährige befindet sich grad mitten im Praktikum in einer Sport-Redaktion, arbeitet also jeden Tag acht Stunden. Vorher oder nachher steht Training auf dem Programm. So sieht der Alltag einer Leichtathletin aus, die neben den sportlichen Zielen auch berufliche Pläne verfolgt. Wir treffen die junge Athletin in ihrer Heimatstadt Hamburg. Treffpunkt ist ihre Lieblings-Kaffee-Kette, die Campus Suite. Da es ihre Mittagspause ist und sie ihr Training schon hinter sich hat, müssen vor dem Interview noch schnell die Kohlenhydratspeicher aufgefüllt werden. Heute ist es nicht der obligatorische Walnuss-Muffin, sondern eine belegte Laugenstange. Der Snack ist rasch verputzt. Dann steht uns das norddeutsche Lauftalent Rede und Antwort und wundert sich am Ende, dass das Interview so schnell vorbei ist.

Der Spaß am Laufen bringt Jana Sussmann nach vorne

2013 wurde bei Jana Sussmann ein Knochen-Ödem festgestellt, im letzten Winter erlitt sie einen Knochenbruch am Kreuzbein. „Das hat mich etwa zweieinhalb Monate gekostet. Seit April kann ich aber wieder laufen“, sagt sie und ein breites Grinsen huscht ihr bei dem Wort „Laufen“ über das ohnehin schon lächelnde Gesicht.

Anders als viele ihrer Kollegen trainiert Jana Sussmann nur einmal am Tag.

Bild: Lars Schneider

Was eine Hindernisläuferin wohl macht, wenn sie nicht laufen kann? „Fahrrad fahren“, lautet die simple Antwort. Bereits bei ihrer ersten heftigen Verletzung 2013 wurde der Weg ins Fitnessstudio und die Fahrt auf dem Ergometer zum täglichen Ritual. Bei gutem Wetter setzt sich die begeisterte Draußen-Sportlerin aber auch gerne aufs Rennrad. Was bei Jana Sussmann auffällt und gleichzeitig beeindruckt: Selbst wenn sie von einer langwierigen Verletzungsphase spricht, strahlt und lacht sie beim Erzählen, als ob sie über einen Sieg berichtet. Von Verbissenheit keine Spur.

Wahrscheinlich braucht es diese positive Energie, um ein Training abseits der Laufbahn so lange durchziehen zu können. Geduld und Durchhaltevermögen haben sich jedenfalls bezahlt gemacht. Ohne ein optimales Wintertraining blieb Jana im letzten Jahr nur zwei Zehntel unter ihrer persönlichen Bestzeit und wurde zur Belohnung für die Europameisterschaften nominiert. „Ich weiß immer noch nicht, wie ich das gemacht habe“, erinnert sie sich zurück und lacht.

Einmal Training am Tag reicht für Jana Sussmann

Bei solchen Erfolgen kommt man nur schwer umhin, sich auszumalen, was die talentierte Läuferin wohl ohne Verletzungspause leisten könnte. Sie selbst wirkt etwas verwundert über solche Frage. „Ich denke sogar eher, dass es für mich gar nicht so schlecht ist, wenn ich nicht so eine lange Saison wie andere Sportler habe. Aufgrund meines zarten Körperbaus – das höre ich immer öfter – ist ein kurzer Trainingsaufbau auf einen Höhepunkt hin eventuell der bessere Weg für mich.“ Ihr Optimismus schwebt in jedem Wort mit. Verletzungsbedingter Trainingsausfall als Schutz vor Überlastung? Positiver ließen sich Verletzungspausen wohl kaum deuten. „Immerhin bin ich auf diese Weise überraschend nah an meine Bestzeit ran gekommen. Irgendwas scheine ich richtig gemacht zu haben“.

Jana Sussmann 2015 Bild 3

Bild: Lars Schneider

Warten auf Kaffee und Kuchen: Jana Sussmann während der Pause beim Cover-Shooting.

Auch wenn ihr eine sehr gute Trainerin zur Seite steht, die einen gezielten und kontrollierten Saisonaufbau betreibt, ist ein Wintertraining mit Hallenwettkämpfen und Cross-Läufen auch enorm anstrengend für den Körper. „Dadurch, dass ich die letzten Winter gezwungener Maßen Radfahren musste, habe ich Ausdauer und Muskeln trainiert, jedoch meine empfindliche Stelle im Bereich der Hüfte geschont. Das war offenbar gut für mich“, resümiert sie fröhlich. Anders als viele andere Leistungssportler kommt die zierliche Athletin mit einmal Training am Tag aus. „Ich habe es auch mal mit zweimal am Tag probiert, aber dann ist es schnell zum negativen Stress umgeschlagen, und negativer Stress macht sich eben auch körperlich bemerkbar. Ich werde öfter gefragt, was wohl wäre, wenn ich mehr trainieren würde. Ich glaube aber nicht, dass ich dann besser wäre“.

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