20 Kilo runter, Laune rauf

Mein Lauf in ein neues Leben

Früher übergewichtig mit ungesundem Lebensstil, heute attraktiver Läufer: Heiko erzählt von seinem Lebenswandel.

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Geschafft: Mit Laufen hat Heiko ein neues Hobby für sich entdeckt und sein Leben komplett verändert.

Bis 2004 war Heikos liebstes Hobby Motorradfahren. „Jedes Wochenende traf ich mich mit meinen Motorrad-Kumpels. Wir fuhren zu Treffen in ganz Deutschland“, sagt der 36-Jährige. Bei diesen Treffen wurde ordentlich ins Glas geschaut. Nach der Heimkehr von seinen Ausflügen fühlte sich Heiko ausgebrannt und hatte mächtig Appetit. „Ich leerte dann den ganzen Kühlschrank, so einen Heißhunger hatte ich.“ Allmählich entwickelte sich der Zeiger der Waage zu Heikos Erzfeind. 2004 wog der 1,80 Meter große Mann um die 100 Kilo. Langsam aber sicher geriet sein Leben außer Kontrolle – allem voran sein Körper.

Heiko hat mit 78 Kilo gut lachen: Noch vor wenigen Jahren wog der attraktive Läufer 20 Kilo mehr und führte ein ungesundes Leben. Doch diese Zeiten sind nun vorbei.

Bild: Irina Strohecker

Eines Tages blickte er zu tief ins Glas

„Ich lebte total ungesund und hatte außer Motorradfahren und Party machen keine Hobbys.“
Eines Tages im März 2004 blickte er zu tief ins Glas. „Ich landete im Krankenhaus. Kein Wunder, denn ich hatte zwölf Weizen und 21 Kümmerlinge getrunken.“ Von seiner Krankenkasse bekam er eine Ernährungsberaterin zur Seite, die ihm einen neuen Ernährungsstil sowie maßvollen Umgang mit Alkohol vermittelte.
Doch das Entscheidende für Heikos Lebenswandel: Er suchte nach einer neuen Freizeitbeschäftigung. Da er abnehmen wollte und gelesen hatte, dass beim Laufen die überschüssigen Pfunde am schnellsten schmelzen, nahm er sich vor: Ich werde Läufer. „Die ersten Schritte waren hart. Mit 100 Kilo zu laufen ist eine Qual.“ Bei seinem ersten Lauf schaffte er ganze 500 Meter. Vier Monate später meisterte er den ersten 10-km-Traininglauf. „Ich bin am Anfang ohne Pulsuhr und Trainingplan einfach so drauflos gelaufen, habe mir aber gleich ein GPS-Gerät gekauft. So konnte ich meine Strecken kontrollieren und ausbauen.“ Nach ein paar Monaten tat nichts mehr weh, es lief wie von allein. 20 Kilometer-Läufe am Wochenende waren das höchste der Gefühle für Heiko. Nicht mehr mit Speed über die Autobahn rauschen, sondern mit zehn Stundenkilometer den Waldpfad entlang: „Das gab mir jetzt ein gutes Gefühl.“ Sein neues Hobby brachte den gewünschten Erfolg: Sechs Monate nach dem Laufeinstieg wog Heiko 85 Kilo.

Heute ernährt sich Heiko sehr bewusst

Die Ernährungsberaterin hatte gute Arbeit geleistet: „Ich weiß heute genau, was wie viele Vitamine, Kalorien, Fett, Mineralien, Kohlenhydrate und andere Nährwerte besitzt.“ Heiko halbierte seine Portionen und vermied Pommes mit Schnitzel sowie Steaks; er stellte auf Gemüse und Obst in Verbindung mit Kohlenhydraten um. Nudeln mit Gemüse wurde sein Leibgericht. „Es war ganz einfach: Was ich früher viel aß, reduzierte ich auf ein Minimum. Was früher überhaupt nicht auf meinem Speiseplan stand, wie zum Beispiel Grünzeug, verzehrte ich ab sofort jeden Tag.“
Zur anfänglichen blinden Laufleidenschaft kam mit der Zeit das Bedürfnis, sich besser über sein neues Hobby zu informieren. „2004 kaufte ich mir die RUNNER’S WORLD-Oktober-Ausgabe und las den von Urs Weber geschriebenen Lauftipp Big Sur Marathon in Kalifornien.“ Heiko war so motiviert von dem Artikel, dass er sich sofort für den Lauf anmeldete. Sein erster Marathon sollte in einem außergewöhnlichen Ambiente stattfinden: dem wunderschönen Küstenstreifen, wo der legendäre Highway No.1 verläuft.

Mit 77 Kilo überquerte er 2005 nach 4:18 Stunden die Ziellinie. Wie so viele Marathondebütanten hatte er zuvor zu wenig lange Läufe absolviert: „Ich habe nur ein paar 25-km-Läufe gemacht. Das habe ich ab Kilometer 33 hart bezahlt.“ Seither nimmt sich Heiko auch die Trainingsseiten der RUNNER’S WORLD zu Herzen. Während des Marathons trug er ein Schild auf dem Rücken mit der Aufschrift: „This is my first marathon. Please help me.“ Es half: Heiko wurde wild angefeuert, an Abbrechen war trotz der Schmerzen keine Sekunde zu denken. Nach Big Sur folgten viele Läufe: Seine Bestzeit im Marathon steht nun bei 3:32 Stunden, seine Halbmarathonbestzeit bei 1:36; zehn Kilometer läuft er in 41 und die Fünf in 19:38 Minuten. Auch seine Frau Tamara hat er mit dem Laufvirus infiziert. Gemeinsam joggen sie kurze Strecken durch das wunderschöne Naturschutzgebiet Taubergießen in der Nähe von Kappel bei Rust, wo die beiden wohnen. Während Tamara Strecken bis maximal fünf Kilometer bevorzugt, hat Heiko sich ganz auf lange Strecken ab 30 Kilometern eingeschossen.
„Das Laufen hat mir viel gegeben. Es hat mich nicht nur 20 Kilo leichter gemacht. Es hat mir ein neues Lebensgefühl vermittelt. Nun möchte ich mit dem Laufen etwas zurückgeben.“ Deshalb engagiert er sich für Spendenläufe. Heiko unterstützt den Spendenläufer Georg Thoma (www.gthoma.de) bei dessen Läufen zugunsten epilepsiekranker Kinder. Das ist seine Art Danke zu sagen. Danke an eine Sportart, die ihn zu dem gemacht hat, was er heute ist: ein zufriedener Mensch mit einem gesunden Hobby.“

5 Riesenschritte in ein gesundes Läufer-Leben

1. Schritt: Eine Ernährungsberaterin zu Rate ziehen: „Gewohnheiten sitzen fest. Mir hat die Beraterin geholfen, von meinen 100 Kilo runterzukommen“
2. Schritt: Mit dem Laufen kam ein neues Leben. Fortan gab es keinen Tropfen Alkohol – dafür aber jeden Tag ein Läufchen
3. Schritt: Heiko leistete sich ein gutes GPS-Gerät: „So konnte ich meine Strecken nach und nach optimal ausbauen“
4. Schritt: Einen lang gehegten Traum erfüllen: „Mein erstes großes Laufziel, den Big Sur Marathon, habe ich mit einem Urlaub in Amerika verbunden. Das war mein Traum“
5. Schritt: Die Leidenschaft für lange Läufe hilft ihm sein Gewicht von mittlerweile 78 Kilo spielend zu halten. Heute wirkt er am liebsten bei Spendenläufen mit. Hierfür sucht er noch Mitstreiter und freut sich über Mails an: heiko-marsc@gmx.de