Lauf der Woche

Maistreten gegen die Verletzung

Statt auf seine Wade zu hören, lief Dieter weiter und weiter. Jetzt ist er verletzt - und schwört auf Maistreten. Mit Video.

Maistreten gegen die Verletzung

Dieters Blackroll ist das Maistreten.

Bild: privat

Lauf der Woche
Mittwoch, 23.07.2014
Tübingen
Dauermaistreten


Ich melde mich vom Dauerlaufen – genauer: vom Maistreten. Nun schauen Sie nicht so ungläubig! Liebe Freunde der Laufkunst, Sie kennen doch Maistreten? Oder etwa nicht? Also wirklich, da kugeln und schlängeln Sie sich jeden Abend stundenlang auf Ihrer Blackroll rum, dass es schon an Sado-Maso grenzt, aber kennen kein Maistreten.

Also aufgepasst: vergangenen Samstag war ich Rügheim. Rügheim befindet sich im Frankenland, Mitten in Haßbergen. Gut, es sind nur ein paar kleine Erhebungen, aber die Franken müssen ja „seit immer schon“ gegen die Oberbayern und ihre Berge ankämpfen und bezeichnen deshalb auch den kleinsten Hügel als Berg. Jetzt aber sind die Franken den Oberbayern weit voraus, denn nun es gibt es im Frankenland das Laufparadies Haßberge – Maintal - Steigerwald.

845 km lang ist die Strecke! Und bei der Eröffnung durfte ich mit dabei sein. Gut, wir sind nicht die ganze Strecke abgelaufen, aber doch einen großen Teil. Um genau zu sein: 11,3 Kilometer, sagte die Karte. Es wurde sogar etwas länger, weil wir ein Schild übersehen hatten. Bei unserem Tempo konnte das schon passieren. Zum Glück fanden wir wieder zurück auf die Runde, sonst wären wir bestimmt die ganzen 845 km gelaufen. Wie auch immer, meiner Wade haben die 13 km schon gereicht, denn anschließend ging nichts mehr. Verletzt! Von der Achillessehe strahlte der Schmerz ins Sprunggelenk, in Mittelfuß und in die Wade – einfach überall hin.

Überraschend war das nicht. Schon lange hatte sich meine Wade zu Wort gemeldet. Ja meine Wade spricht mit mir. Sie werden jetzt korrekterweise einwenden, dass bei normalen Menschen das Sprachzentrum im Gehirn fürs Sprechen zuständig ist, bei mir ist das nicht so. Bei mir spricht die Wade und grundsätzlich höre ich auf dieses Körperteil. Aus diesem Grunde verordnete ich mir nach meinen Marathon im Frühjahr in Hannover eine Laufpause – zwei Tage wurden es, länger ging es beim besten Willen nicht, schließlich musste in beim Stadtlauf in München laufen. Danach, so versprach ich meiner Wade, mache ich Pause. Doch während der 10 Kilometer in München hörte ich von der Wade kein Wort und schon tauchte vor meinen Augen ein Geist aus früheren Zeiten auf, der mir zurief: Bestzeit beim Halbmarathon in Ulm! Ich lief weiter: Tempodauerlauf, langer Lauf, Intervalltraining. Eben das volle Programm. Doch dann schrie wieder die Wade und ich wurde vernünftig. Dieses Mal dauerte die Laufpause fünf Tage. Ja, dann kam das Laufparadies in den Haßbergen. Wunderschön ist es da, wirklich! Fahren Sie hin, laufen Sie, dann werden Sie es erleben, aber sprechen Sie vorher mit Ihrer Wade.

Sie ahnen es bereits: Die Geschichte hat kein Happy End. Zwar ist die Wade still, stattdessen die Sehne dick. Vor langer Zeit hatte ich schon einmal nicht auf meine Wade gehört, im letzten Jahrtausend war das. Die Folge: 10 Monate Laufpause. Ja, liebe Freunde der Laufkunst, ich weiß: Wer zweimal den gleichen Fehler begeht, muss dumm sein. Wenigstens war ich damals so schlau und habe eine ungewöhnliche Therapie entwickelt: das Maistreten. Und was war noch gleich die Blackroll?

Dieter baumann spielt Kabarett

Bild: Privat

Dieter Baumann, die Götter und Olympia - Termine 2014

• 19. September 2014 Maulbronn / Stadthalle 20:00 Uhr
• 25. September 2014 Ulm
• 26. September 2014 Schwäbisch Gmünd / 20:00 Uhr
• 11. Oktober 2014 Bräunlingen

Dieter Baumann: Lauf der Woche:

Alptraumhafter 10-Kilometer-Lauf