Marvin Running

Laufen reloaded

Krieg sei die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln, sagte Clausewitz. Es gibt auch eine Fortsetzung des Laufens.

Onlysports

Nach der Onlysports-Trainingseinheit bleibt gerade noch genug Energie übrig, um dem Fotografen ein Lächeln zu schenken.

Bild: Marvin Running

„Papa, sind das Idioten?“, fragt der kleine Bengel, als wir uns vor ihm im ‚Spiderman-Gang‘ über den Boden kriechen.

„Ja!“, rufe ich, aber natürlich hört mich keiner.

Wir sind eine Gruppe von dreizehn … was eigentlich? Sportlern…? Masochisten…? Freizeit-Fremdenlegionären? Zwei davon sind Frauen. Und alle schleifen im Spinnengang durch den Dreck.

Macht nix, den können wir gleich auf einer nahen Wiese wieder abwischen, wenn wir übers Gras rutschen.

Dieser ganze Spaß heißt ‚Onlysports‘ und wird von einer Hamburger Gruppe von Quälgeistern angeboten, die damit ein wahres Kunststück fertiggebracht haben: Nämlich ein scheinbar gesellschaftlich akzeptiertes Ventil zu finden, finsterste Aggressionsphantasien ausleben können.

Und alle freuen sich auch noch darüber.

Drei verschiedene Trainingsstufen bietet die Gruppe an: ‚Technik‘ ist am wenigsten anstrengend, ‚Regulär‘ ist der Mittelweg, Herrchen hat sich natürlich für die harte ‚Speed‘-Variante entschieden. Eine Stunde lang scheuchen uns die beiden Personal-Trainer Chris und Ingo durch die Hafencity.

Manche Menschen zweckentfremden ihren Körper. Läufer beispielsweise, wenn sie ihn durch Laufrunde um Laufrunde quälen. Chris und Ingo gehen noch weiter, sie benutzen die architektonischen Gegebenheiten auf Arten und Weisen, die kaum ein Stadtplaner je im Sinn hatte: Unter den staunenden Blicken der Passanten rennen die Onlysports-Jünger gnadenlos gutgelaunt über Stufen, sprinten Brücken hinauf, machen Klimmzüge an Geländern, Dips und Liegestütze an Bänken und Kniebeugen an Kübeln. Auf einer Wiese malträtieren wir Bauch-, Rücken- und Schultermuskeln, bis sie brennen. Zwischendrin wird immer mal wieder gerannt.

„Wer hat sich das nur ausgedacht?“, keuche ich.

„Die Wurzeln liegen irgendwo beim Militär“, meint Herrchen, während er bäuchlings Trockenschwimm-Übungen auf der Wiese macht.

„Danke, das macht es für mich viel erträglicher.“

„Was?“

„Dass hier offenbar alle Anwesenden ihre Schweinehunde mit kriegerischen Mitteln unterjochen“, seufze ich.

„Marvin, da geht’s uns beiden doch viel besser, oder?“, säuselt er.

Klar. Wenn man asymmetrische Bedrohung für ein erfüllendes Partnerschaftsmodell hält. GSG9, rettet mich!

Bekenntnisse eines Schweinehunds:

Ich so: keuch! Und er so: stratz!