Dieter Baumann

Laufen ohne Rolex

Andy Brehme wurde seine 20.000-Euro-Rolex geklaut. Kein Problem, meint Dieter Baumann: Laufen kann man auch ohne Uhr.

Rolex

Die gute Nachricht für Andy Brehme: Laufen kann man auch ohne Uhr.

Bild: Brandon Chase / iStockphoto.com

Lauf der Woche
Montag, 17. Okotber 2011
Tübingen
ungefähr 12 km Dauerlauf: ohne Zeit


Ich melde mich vom Dauerlaufen, ziel- und zeitlos, einfach entspannend. Ja, so war das am Montag. Der letzte warme Tag, kurze Hose, T-Shirt, denn ich wusste, ab Dienstag wird es kalt. Voller Freude bin ich los. Viele andere Läufer hatten dieselbe Information vom hereinbrechenden Winter, denn es waren viele Menschen im Wald unterwegs. Von wegen Läufer sterben aus. Sehr lange wollte ich nicht laufen, nur eine kurze Runde, maximal acht Kilometer! Nur langsam traben. Einfach zum Entspannen.

Wahrscheinlich ging es Andreas Brehme genauso. Nein, soweit ich weiß, lief Andreas Brehme nicht. Hätte er es nur getan! Wahrscheinlich war es so, dass er die letzten Sonnenstrahlen in Mailand ausnutzen wollte, den letzten schönen Tag, bevor der Winter einbricht. Ja, auch in Mailand gibt es einen Winter. Alles ist relativ. Ziel- und zeitlos fuhr er wahrscheinlich mit seinem Auto durch die Straßen von Mailand. Einfach zum Entspannen, wie man eben so Auto fährt. Natürlich waren viele andere Menschen in der Stadt. Auch sie hatten vom bevorstehenden Winter gehört und wollten das Wetter nutzen.

Ich lief also auf meiner Runde, es war warm, tolle Stimmung im Wald, da konnte ich einfach nicht gleich wieder nach Hause laufen. Ich lief eine Zusatzschleife. Ohne Zeit und Uhr, einfach nach Gefühl. Ich wurde schneller, die Stimmung stieg – das macht den Unterschied aus. Es ging wie von allein. Bog in meine drei Kilometer lange Tempolaufrunde ein und zog das Tempo an. Es war wie ein Reflex. Keine Uhr, keine Kontrolle. Aber das Gefühl, das war prächtig. Nach dem ersten Kilometer – keine Ahnung wie schnell – zog ich abermals das Tempo an – der Schritt, ohne zu übertreiben: einfach genial! Bis hin zur nächsten Marke hielt ich die Geschwindigkeit, keine Zeit, da keine Uhr – schade eigentlich! Weiter fast im Sprint bis zum Ziel. Wie schnell? Keine Ahnung.

Sehr wahrscheinlich wäre Andy Brehme froh gewesen, ohne Uhr in Mailand unterwegs gewesen zu sein. Bei einem kleinen Unfall wurde der Außenspiegel seines Autos umgeknickt. Er wollte ihn neu einrichten, da rissen ihm Diebe die Rolex-Uhr vom Handgelenk. Der Schaden: 20.000 Euro. Das ist schade für Brehme, aber als gute Nachricht für ihn: Laufen kann er immer noch. Auch ohne Uhr. Einfach nach Gefühl und manchmal läuft es sich dabei sogar noch schneller und länger als geplant.

Dieter Baumann: Lauf der Woche:

Im Stimmungsloch durch Klitschko