Marvin Running

Laufen, Lust und Freud

Was ist Laufkultur? Schweinehund Marvin ergründet die läuferischen Triebe der Selbstverwirklichung.

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Selbstverwirklichen beim Laufen? Quatsch, meint Marvin.

Bild: Gerd Altmann / pixelio.de

Wenn das Laufen zum Tourismus in die Terra Incognita der Seelenwelt wird, dann fangen die echten Probleme an.

Siegmund Freud sagte, Kultur sei das Ergebnis umgewandelter Triebe. Mehr Menschen denn je treibt es heute vor die Tür, um zu laufen, um dort anzukommen, wo sie vorher schon waren. Nur verschwitzter, erschöpfter und auf andere Weisen unerklärlich verändert. Klar ist: Wir haben heute eine Laufkultur. Die Frage ist: Wo kommt sie her – und wo geht sie hin?

Antworten darauf habe ich als Schweinehund eigentlich keine. Natürlich, Gründe für das Laufen findet man auf dieser Seite genug, da sind die üblichen Verdächtigen wie Abnehmen, Kondition verbessern, Grenzen kennenlernen, Glückshormone ausschütten, Harmonie mit sich und der Natur erleben, ladadie-ladada.

Aber wer glaubt schon an diese versimpelnde Formel: peinliches Outfit anlegen + losstapfen = selbstverwirklichen? Ich meine, es wäre doch verrückt, wenn es so einfach wäre.

Und dann kommt der Punkt, wo es gefährlich wird: Gewissermaßen wie Kolumbus bricht der Läufer zu neuen Gestaden auf, nur geleitet vom Kompass seines Willens, seiner Intuition. Er segelt durch einen Ozean der Qual, weit und breit ist kein Land in Sicht. Trotzdem segelt er weiter. Die Mannschaft meutert schon, doch er hält Kurs. Und dann ist Land in Sicht. Die Terra Incognita der Seelenwelt. Was man dort findet, wäre besser unentdeckt geblieben. Hier ist der Punkt, wo es haarig wird.

Jedenfalls für uns Schweinehunde.

Denn nun gibt es keine Umkehr mehr. Das unbekannte Land will erforscht werden. Schätze warten darauf, gehoben zu werden. Und das ist verdammt anstrengend, kann ich euch sagen.

Ich meine, was für eine Art von Kultur ist das? Wie kann man darin einen Ausdruck von Kunst sehen?

Herrchen sagt dazu: „Michelangelo meinte, er befreie seine Figuren aus einem Marmorblock. Doch die höchste Kunst ist es, die Schönheit des Tages aus seinen 24 Stunden zu befreien. Und in dieser Kunst übt sich der Läufer.“

Ich seufze: „Was die Entdeckung der Künste angeht, bist du wahrlich mit Kolumbus auf Augenhöhe. Schon der wusste weder, wo er hinfuhr, noch, wo er eigentlich gewesen war.“

Ist doch wahr.

Bekenntnisse eines Schweinehunds:

Die drei Runden der Shaolin

Besser laufen und gut fühlen

Achtung: Das Gehirn läuft mit

Denkmuster beim Laufen
Was Ihnen beim Laufen durch den Kopf geht, trägt dazu bei, dass Sie... mehr