Eckart von Hirschhausen

Laufen, Glück, Gesundheit

Dr. med. Eckart von Hirschhausen

Seine Oma sagte bei Liebeskummer: "Mach einen Waldlauf."

Bild: Ralf Graner

Warum müssen wir Menschen uns so anstrengen, um glücklich zu sein?

Wir strengen uns einzig an, um dazuzulernen. Also, das ganze Glückssystem ist ein Lernsystem. Und hier wird klar: Wir müssen uns schnell an Dinge gewöhnen. Wir müssen offen sein für neue Erfahrungen. Deswegen ist permanentes Glück praktisch gar nicht möglich. Jeder Weg permanent glücklich zu sein, ist ein künstlicher. Ich habe gesagt, Laufen kann eine Droge sein. Aber ich weiß auch, dass in der Marathon-Community und auch erst recht bei den 100 Kilometern und anderen Disziplinen ziemlich viele Leute dabei sind, die das weniger aus Freude machen. Die machen es mit der Haltung, sich selbst etwas zu beweisen bis hin sich auch selbst damit zu zerstören. Die machen das verbissen.

Und da glaube ich, kehrt sich der Gesundheitseffekt um. Man kann das am Immunsystem ganz gut sehen. Man sollte so laufen, dass man sich entweder gut unterhalten kann oder zumindest innerlich noch Freude hat. Bei einer bestimmten Geschwindigkeit ist das natürlich auch nicht mehr der Fall, dass man noch reden kann – das muss man auch nicht. Es geht einfach darum, ob ich noch ein Lächeln auf dem Gesicht habe, oder ob ich einfach verbissen bin. Machen die Leute sehr gestresst Sport, dann sind sie danach infektanfälliger. Wenn sie entspannt Sport machen, sind sie danach sozusagen aufgeladen und resistenter gegen Erkältungen.

Die Verbindung von Laufen und Medizin, bzw den physiologischen und psychischen Auswirkungen: Wussten Sie das schon als Mediziner – oder haben Sie das erst beim Laufen gelernt, sozusagen als Selbsterfahrung?

Das Traurige ist, dass die Ärzte ganz wenig lernen über Prävention, über normale Physiologie und über das, was uns gesund hält. Im Medizinstudium habe ich über diese Sachen überhaupt nichts gehört. Ich habe dann während der Recherche für mein Glücks-Buch geguckt: was sind denn die Sachen, die unmittelbar funktionieren? Und lustigerweise bestätigt sich da etwas, was auch meine Oma immer schon gesagt hatte. Die sagte bei Liebeskummer: Mach einen Waldlauf. Oder: Sitz nicht zu Hause! Jammer nicht, sondern tu etwas, wo du unmittelbar erfährst, dass du etwas an deiner Situation verändern kannst. Psychologisch ist das entscheidende Wort hier „Selbstwirksamkeit“. Es ist ein Unterschied, ob ich die gleiche Strecke mit dem Auto gefahren bin, oder gelaufen bin. Auch da wieder: Im Nachhinein freue ich mich, dass ich aus eigener Kraft an meiner Situation etwas verändern konnte. Das macht uns nachhaltig viel zufriedener als Drogen, Alkohol, Sex und was es sonst alles gibt.

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