Baumanns Lauf der Woche

Laufen als Sendeauftrag im Fernsehen

Wo bleibt das Laufen in der Fernseh-Berichterstattung? Der Volkssport überhaupt im Kampf gegen den härtesten Gegner - den inneren Schweinehund?

Lauf der Woche_Nicht gesendet

Gesendet wird was im Vertrag steht.

Bild: Petra Bork / pixelio.de

Lauf der Woche
Samstag 23.03.2013
Ort: Schönbuch
Neuer (ungesendeter) Jahresrekord! 2:33 Stunden gelaufen!


Ich melde mich vom Dauerlaufen und beanspruche damit, also mit dem Laufen und diesen Zeilen, Ihr Gehör. Dies ist ein offener Brief – nein, genauer gesagt ein offener Lauf - an die Sportredaktionen der Fernsehgestalten von ARD und ZDF.

In der vergangenen Woche meldeten sich die Basketballer zu Wort, dass sie zu wenig gesendet würden. Daraufhin sagten auch die Volleyballer, auch sie würden zu wenig gesendet. Sogleich schrien die Eishockeyspieler: „zu wenig gesendet!“ Im Grunde schrien alle das Gleiche. Am Ende geht es immer darum, ins Fernsehen zu kommen. Für die Sportart, für die Athleten. Komisch ist nur, dass keiner schreit: „Ich möchte ins Fernsehen!“ Sie verweisen technokratisch und verlogen auf den „öffentlichen Sendeauftrag“.

Die Anstalten „verwahrten“ sich gegen das Geschrei. Natürlich kämen sie ihrem „öffentlichen Sendeauftrag“ nach. Es ist ja geradezu eine Beleidigung und tatsächlich senden sie, was die Verträge eben hergeben: Beispielsweise wird Fußball gesendet. Dann kommt Fußball und da ist noch Fußball zu nennen. An der 4. Stelle dann kommt die „Sportart“ Formel 1. Sogleich geht es weiter mit Fußball und sogar Fußball ist dabei. Ganz am Ende dieser vielfältigen Berichterstattung kommt „Wintersport“.

Und damit sind wir beim Bobfahren. Die Bobfahrer machten es besser. Sie haben einen Brief geschrieben. Einen „offenen“ dazu. An die Sportredaktionen der Anstalten. Warum sie an die Sportredaktionen geschrieben haben, ist für mich nicht nachvollziehbar, denn Bob und Schlittenfahren haben ja nur bedingt etwas mit Sport zu tun. Es sind ausgebildete Bundesgrenzschützer, Polizisten oder Soldaten, die im Nebenberuf Schlosser oder Schreiner sind, um an ihren Gefährten zu feilen und zu basteln. Am Ende dieser Bastelei essen sie drei Steaks, damit sie die nötige Schwerkraft aufbringen können, um schnell den Hang hinunter zu rasen. Die Bobfahrer schrieben also, dass sie zwar gesendet würden, es aber mehr sein könnte.

Damit haben sie Recht. Beim Bobfahren können wir uns wenigsten auf Medaillen verlassen. Immer gleich im Dreierpack. Gold, Silber, Bronze. Kein Land kann uns im Rodeln schlagen, nur der Grippevirus scheint ein ernsthafter Gegner.Gold, Silber, Bronze. Rekordschlachten.

Ich war also unterwegs im Schönbuch und dachte, wie schön es doch wäre, wenn die Anstalten Dauerläufe senden würden. Rekorddauerläufe! Am Samstag beispielsweise war es ein ganz besonderer Rekord: längster Lauf 2013! Wo waren die Kameras der Anstalten? Und diese Bilder! Graupelschauerschneegestöber, Temperaturen um den Gefrierpunkt. Der Wald lag da wie eine erstarrte Leiche. Die Tümpel zugefroren, alles nackt, kahl und tot. So trabte ich durch diese erstarrte Landschaft und schrie: „Sendet diese schaurigen Bilder! Übertragt den ewigen Kampf des Läufers gegen seinen Schweinehund! Zoomt den Schweißtropfen ins Wohnzimmer, wie er von der Stirn am Ohr vorbei tropft und am Knie anfriert“. „Öffentliche Anstalten“, schrie ich, „Sendet, sendet, sendet mich!“ Aber nur wegen des „Sendeauftrages“.

Dieter Baumann – Brot und Spiele

Bild: Ulrich Metz

Laufen Sie mit Dieter Baumann bei den KKH-Läufen 2013:
Sa. 13.04. – Mönchengladbach
Sa. 20.04. – Berlin
Sa. 27.04. – Chemnitz
So. 28.04. – Leipzig
Sa. 11.05. – Stuttgart
So. 12.05. – München
So. 26.05. – Kassel
So. 02.06. – Köln
Sa. 08.06. – Schwerin
So. 09.06. – Hamburg
So. 16.06. – Regensburg
So. 23.06. – Hannover

www.dieterbaumann.de

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