Marvin Running

Laufen als Karrierefalle

Arbeitstage laufen anders ab, wenn man morgens um 4:15 Uhr aufgestanden und zweieinhalb Stunden herumgerannt ist.

Marvin Running – Laufen als Karrierefalle

Herrchen schwört auf die entspannende Wirkung von vier Alsterrunden vor wichtigen Präsentationen. Schweinehund Marvin hält das für Meuchelmord.

Bild: Hermann Kruse / pixelio.de

„Können wir nicht irgendwie anders die Zeit totschlagen?“, winsele ich.

„Mit Zeittotschlagen drehst du dir selber den Strick, an dem irgendwann deine Seele baumelt“, entgegnet Herrchen gewohnt unsentimental.

„Aber müssen wir wirklich vier Alsterrunden vor der Arbeit laufen? Das hatten wir doch schon letzte Woche! Das ist schlimmer als Zeit-Totschlag, das ist Meuchelmord!“

„Schnauze, Marvin!“, bellt er und ich habe mal wieder das Nachsehen. Wieder sind wir um 4:15 aufgestanden und vier Mal um die Alster gerannt. Was habe ich nicht schon alles probiert, um ihn von diesem wöchentlichen Wahnsinn abzubringen! Aber er bleibt dabei, trotz zweifelhafter Folgen:

Zum Beispiel ist er auch in den stressigsten Situationen geisterhaft entspannt. Damit keiner glaubt, er sei auf Droge, heuchelt er sogar schon Anzeichen von Stress. Schüttelt einfach den Kopf und stöhnt: „Mann, Mann, Mann.“ Hoffentlich passiert ihm das nicht mal, wenn Vorgesetzte ihm eine tolle, neue Idee unterbreiteten.

Das geht so weit, dass er vor wichtigen Präsentationen gerne um die 30 Kilometer läuft. Dann sei alles Adrenalin aus dem Körper gespült, und er werde von der sanften Welle der Glückshormone wie von selbst durch den Vortrag surfen. Was er leider außer Acht lässt: Beim reden gurgelt er in einer halben Stunde so viel Wasser weg, dass alle denken, er habe mindestens drei Ecstasy intus.

Und dass er vor dem Lauf nichts frühstückt und unterwegs nur ein Tütchen Rosinen oder Ähnliches verdrückt, ist auch nicht gerade clever: Denn seinen Kollegen in der Kantine bleibt regelmäßig das morgendliche Plunderteilchen im Hals stecken, wenn er kommt und nach und nach die Auslage leerfuttert. „Bei allen Kollegen stets sehr geschätzt und beliebt“ – das können wir wohl vergessen.

Oh, und dann dieser Berater heute, der ihm sagte, welche „Benchmarks“ zukünftig für seine Arbeit zu erfüllen sind. Er wirkte jung und körperlich etwas verzärtelt. Herrchen lächelte und fragte: „Können wir das nicht morgen früh beim gemeinsamen Jogging besprechen? 32 Minuten pro Alsterrunde sind ein guter Benchmark.“ Dass eine Runde siebeneinhalb Kilometer sind, setzte Herrchen als bekannt voraus.

Mr. „An-Der-Präsi-Folie-Kann-Er-Alles“ willigte auch noch ein. Herrchen lächelte breiter. Oh-oh. Das wird unabsehbare Karrierefolgen haben.

Ich werde berichten.

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Bekenntnisse eines Schweinehunds:

Fit durch Schlafen