Dieter Baumann

Laktatpufferprogramm im Knast

Mit den Jungs im Knast ist nicht zu spaßen. Deshalb musste Dieter mächtig reinhauen beim Laktatpufferprogramm hinter Gittern.

Dieter Baumann: Lauf der Woche

Laufen macht auch hinter Gefängnismauern Spaß. Unser Foto stammt vom Halbmarathon 2010 in der JVA Hahnöfersand.

Bild: privat

Lauf der Woche
Montag, 02. Mai 2011
Laufen – Lebenau
Lockerer Lauf plus Rasenläufe mit langem Schritt


Ich melde mich vom Dauerlaufen. Diesmal richtig, wie aus dem Lehrbuch. Einlaufen, dann Tempo, auslaufen plus Dehnen! Na, was sagen Sie jetzt? Vor wenigen Tagen erfuhr ich, dass es beim 100-Kilometer-Lauf in Biel eine Sprintwertung gibt. Bei Kilometer 16,9! Wenn das kein Grund ist Tempoläufe zu machen: Das Programm am Montag: Zweimal 300 Meter und zweimal 120 Meter – lange Pause und alles nochmal.

Aber um ehrlich zu sein, das Programm war mehr auf 20 Jugendliche zugeschnitten. Auch in diesem Jahr bereiten sich wieder 23 Jugendstrafvollzugsanstalten mit den Gefangenen auf eine Halbmarathonstaffel vor, die im Juli ausgetragen wird. Deshalb also zunächst 25 Minuten locker leichtes Einlaufen – auf einer 1 Kilometerrunde, wir waren ja im Knast.

Nach 25 Minuten ging es erst richtig los, auch für die Jugendlichen waren die 25 Minuten nur zum Warmlaufen. Seit sechs Jahren begleite ich dieses Laufprojekt und am Anfang, ja da war der Fitnesszustand der Jungs – wie soll ich sagen – grauenhaft. Wir liefen zwei Minuten und machten eine Gehpause von vier Minuten. Heute ist Laufen im Knast eine Ganzjahresgeschichte. Nur Laufen und Gehen, das machen die Jungs nicht mit. Sie wollen einmal richtig schnell sein, schwere Beine bekommen und das Laktat auf der Zunge spüren. Zudem sollen sie bei der Halbmarathonstaffel vier Kilometer laufen. Das bedeutet Mittelstrecke. Deshalb Rasenläufe, 2 x 300 Meter plus 2 x Diagonalsprint, Laktatpufferprogramm!

Gut, dass ich nicht allein war. Mit den Jungs im Knast ist nicht zu spaßen, die hauen rein, also vom Tempo her! Mit dabei am Montag waren die Laufpaten der Anstalt. Sie sorgen dafür, dass die Jungs motiviert bleiben, das ganze Jahr! In Laufen-Lebenau hatte ich zwei ehemalige Topathleten mit dabei: der Holzner Stefan und die Trost Eva (wie man auf gut bayrisch sagen würde. Der eine war ehemals ein Weltklasse-Triathlet und Eva eine 800-Meter-Dame mit Bestzeit von 2:04 Minuten. Ich machte beim Einlaufen Druck, der Holzner Stefan bei den 300-Meter-Läufen (gut, dass er nicht Biel läuft, sonst wäre meine Sprintprämie weg.) und die Trost Eva sprintet den Jungs bei den Diagonalläufen auf und davon. Allerdings nur bei der ersten Serie. Dann war Schluss mit lustig und die laufstärksten Jugendlichen übernahmen beim zweiten Durchgang das Zepter. Noch nie war eine Truppe zu Beginn des Trainings so stark. Ich bin gespannt, was im Juni und Juli bei den Wettkämpfen geboten wird.

Ab sofort: Dieter Baumann und Martin Grüning, Stellvertretender Chefredakteur von RUNNER'S WORLD, bloggen zum 100-km-Lauf in Biel, den beide in diesem Jahr laufen wollen.

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