Philes Ongori

Kraft aus schweren Zeiten

Die kenianische Spitzenläuferin Philes Ongori musste den Tod von Bruder und Vater verkraften. Nach einer Oberschenkel-Verletzung meldete sich 2013 erfolgreich zurück.

Philes Ongori

Philes Ongori beim Zieleinlauf in Rotterdam.

Bild: photorun.net

Zum zweiten Mal binnen weniger Jahre hatte der Tod eines Familienmitglieds Philes Ongori aus der Bahn geworfen. Eine Oberschenkelverletzung folgte im Herbst 2012, so dass die Kenianerin in der zweiten Jahreshälfte insgesamt vier Monate nicht laufen konnte. Doch in diesem Frühjahr kam die 27-Jährige eindrucksvoll zurück und überzeugte mit zweiten Plätzen beim Berliner Halbmarathon (68:01 Minuten) sowie beim Prag-Marathon (2:28:53), bei dem warmes Wetter schnellere Zeiten verhinderte.

Philes Ongori hat als kenianische Läuferin eine ungewöhnliche Entwicklung gemacht: Aufgrund eines Stipendiums lebte sie mehrere Jahre in Japan und spricht die Sprache fließend. 2006 startete sie dort in Matsue als 19-Jährige erstmals bei einem Halbmarathon. Dieses Rennen gewann sie in 1:11:18 Stunden. Schon ein Jahr später blieb sie unter 70 Minuten (69:50), doch größeren Erfolg hatte sie 2007 über 10.000 m. Hier gelang ihr die Qualifikation für die Weltmeisterschaften. Im Finale in Osaka kam sie dann auf Rang acht. Mit einer flotten 10.000-m-Bestzeit von 31:18,85 Minuten verfügt Philes Ongori über eine sehr gute Grundschnelligkeit für den Halbmarathon beziehungsweise den Marathon.

Über die klassische Distanz traut sie sich zu, Weltklassezeiten um 2:20 Stunden zu erreichen. Die bisher beste Leistung ihrer Karriere zeigte sie aber bei einem Halbmarathon: Bei den Weltmeisterschaften 2009 in Brimingham gewann Philes Ongori die Silbermedaille. Mit einer persönlichen Bestzeit von 67:38 setzte sie sich im Kampf um Platz zwei mit einer Sekunde Vorsprung vor der Äthiopierin Aberu Kebede durch. Schneller war damals nur Ongoris Landsfrau Mary Keitany, die inzwischen Weltrekordlerin über die Halbmarathondistanz ist.

Philes Ongori hatte nicht nur im vergangenen Jahr, nach dem Tod ihres Vaters, eine schwere Zeit. Früher trainierte sie mit ihrem älteren Bruder Peter, der vor gut drei Jahren auf tragische Weise ums Leben kam. Nach einem 5.000-m-Rennen in Nairobi brach er zusammen und verstarb. Es dauerte, bis sich Philes Ongori von diesem traumatischen Ereignis erholt hatte. 2011 meldete sie sich damals mit Topleistungen zurück. Nach einem zweiten Rang beim Paris-Halbmarathon in 68:32 Minuten gewann sie ihr Marathon-Debüt in Rotterdam mit guten 2:24:20 Stunden. In der Zwischenzeit hatte ihr jüngerer Bruder Nathan die Rolle als Trainingspartner übernommen.

2012 folgte ein Sieg beim Berliner Halbmarathon. Als dann jedoch kurz vor dem Berlin-Marathon ihr Vater verstarb, wurde aus dem zweiten Start in der deutschen Hauptstadt zunächst einmal nichts. „Das war eine schwere Zeit für mich“, erzählt Philes Ongori. „Wenn ich heute bei einem Rennen an den Start gehe, dann denke ich immer an meinen Vater und meinen verstorbenen Bruder. Das gibt mir Kraft, und ich laufe auch für sie.“

Die großen Comebacks 2013:

Isabella Ochichi: Laufen als Erfo...