Marvin Running

Kinderüberraschung

Ist es denn die Möglichkeit? Herrchens Kinder gehen zum Vergnügen nicht auf den Spiel- sondern auf den Sportplatz.

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Herrchens Kinder sind sich einig: Laufen macht Spaß!

Bild: Privat

"Papa, ist morgen frei?", fragt die dreijährige Linea.

"Ja, morgen haben wir frei."

"Toll! Können wir auf den Sportplatz?"

In diesem Moment weiß ich, dass in meinem Schweinehundeleben eine neue Frustrationsquelle sprudelt wie ein Deepwater-Horizon-Blowout. Ein dreijähriges Mädchen! Sie könnte in den Zoo wollen, auf den Spielplatz oder – viel besser – einfach nur fernsehen. Aber sie will auf den Sportplatz. Und was sagen ihre Geschwister dazu? Sie sagen: "Oh ja!" Bis auf Levi. Der ist erst vier Monate alt, der kann noch nichts sagen. Aber glucksend lachen, das kann er.

Am nächsten Samstagmorgen gehen wir also mit sechs Mann, zwei Kinderrädern, einem Laufrad, einem Fußball und einem Kinderwagen die anderthalb Kilometer zum nachbarschaftlichen Sportplatz. Und schon bald spielen sich entsetzliche Szenen ab: Ein Mädchen mit 96 Zentimetern Körpergröße rennt mit wehenden, blonden Haaren auf der 100-Meter-Sprintstrecke hin und her. Zwischen ihren Sprints stellt sie sich in eine Startposition, die sie wahrscheinlich Jerry, der Zeichentrick-Maus, abgeschaut hat. "Und los!", brüllt sie dann und stürmt los. Das muss doch fürchterlich langweilig sein, was findet sie nur daran? Ihre Mutter veranstaltet dazu eine Art Baby-Intervalltraining: Neben Linea läuft sie mit dem kleinen Levi im Kinderwagen die Sprints mit. Levi lacht und gluckst. Wie kann sie den Kleinen nur in diesem zarten Alter schon derart verderben?

Der älteste Sohn Thilo (sieben Jahre) liefert sich mit seinem Vater auf der 400-Meter-Runde ein Wettrennen: Er fährt Rad und Herrchen rennt. Thilo gewinnt regelmäßig mit einem Schlussspurt in der letzten Kurve. Herrchen ist bald völlig alle. Das kann einfach keinen Spaß machen.

Julian, Sohn Nummer 2 (fünf Jahre) läuft indessen in langsamerem Tempo Runde um Runde. Immer wenn er bei Mama Kirsten vorbeikommt, lacht er. "Was?", ruft sie. "Noch eine?" Er läuft und läuft. In einem regelmäßigen Tempo, wie ein Uhrwerk. Erst nach fünf Runden hört er auf, "weil ich jetzt Fußball spielen möchte." Also bolzen alle im Anschluss mehr oder weniger regellos herum. Bis auf Levi. Der lacht und gluckst.

Im Namen aller betroffenen Schweinehunde kann ich nur sagen: So nicht! Ich meine, wo kommen wir denn da hin? Gebt uns mehr Flatscreen, mehr Nintendo, mehr Kinderkanal. Sonst geht’s mit unserer Gesellschaft bald schneller bergab, als man "Teletubbie" sagen kann.

Bekenntnisse eines Schweinehunds:

Alternativtraining