Lauf der Woche

Kein Knast für Marco Reus

30 Minuten lief Dieter Baumann durch Ostfriesland und dachte dabei über Marco Reus nach. Im Knast will er ihn nicht sehen.

Marco Reuss

Marco Reus

Bild: PUMA

Lauf der Woche
Mittwoch 07.01.2015
Wiesmoor
Im Schleichschritt mit Marco Reus


Ich melde mich vom Dauerlaufen: 30 Minuten in Wiesmoor (Ostfriesland). Es war herrlich flach. Kein Hügel, kein Nix. 15 Minuten eine Richtung, 15 Minuten zurück. Gut liebe Freunde der Laufkunst, früher hätte ich das „Geschleiche“ nicht als Laufen durchgehen lassen. Früher haben wir jeden Lauf der weniger als eine Stunde war gar nicht aufgeschrieben. Und von Laufen haben wir nur gesprochen, wenn jeder – wirklich jeder ! - Kilometer schneller als 4 Minuten war.

Heute zähle ich jeden Schritt (mit und ohne Flugphase)

Ach ja, die gute alte Zeit, Tempoläufe, Intervalle, der „weiße Kenianer“ – alles vorbei, Geschichte. Übrigens: In Wiesmoor gab es damals einen „weißen Yeboah“. Anthony Yeboah, der Fußballer, hatte sich damals jünger gemacht und ein junger Nachwuchskicker aus Wiesmoor hat es bei einer Passkontrolle vor einem Spiel auch gemacht. Sich im Jahrgang vertan. „Ausversehen“, wie er sagte. Das trug ihm den Spitznamen „weißer Yeboah“ ein.

Ja, Fußballer können sich auch mit Pass jünger machen, sie können aber auch ohne Führerschein Auto fahren.

Damit bin ich bei Marco Reus. Ja, liebe Freunde der Laufkunst, haben Sie diese Überleitung bemerkt? Wahnsinn.

Reus hat für das Fahren ohne Führerschein eine Strafe von 90 Tagessätzen und über 500.000 Euro bekommen. Nun kommen Stimmen auf, ob das alles mit rechten Dingen zugegangen ist. „Vor dem Gesetz sind alle gleich“, und so. Ja, er ist nicht nur ohne Führerschein gefahren, sondern hat der Polizei auch anscheinend einen holländischen Führerschein gezeigt. Also Dokumentenfälschung. „Darauf steht doch ein Haftstrafe“, rufen die Stimmen. Offensichtlich will man die Stars dann doch hängen sehen. Oder zumindest leiden. Aber, so frage ich mich: Wem hilft das denn, wenn wir Marco Reus einsperren?

Und weiter gefragt: Hilft denn die Gefängnisstrafe überhaupt? Wird aus den Gefangenen dort im Knast bessere Menschen, oder ist es nicht vielmehr so, dass es danach oft nur noch schlimmer ist. Und warum ist das so? Ja, die Haftstrafe beruhigt unser Gerechtigkeitsgefühl, ist aber am Ende doch sehr wirkungslos. Zumindest im Sinne einer Resozialisierung? Und dies nicht, weil im Knast nur schlechte Menschen einsitzen. Ja doch, die gibt es dort auch, aber eben nicht nur.

Warum also Marco Reuss einsperren? Ganz ehrlich, ich halte nichts vom Knast. Und deshalb, lasst ihn die Strafe zahlen. Gerne auch noch mehr. Lasst es uns zweckgebunden für bessere Haftbedingungen einsetzten. Mehr Personal zur Betreuung im Knast (vor allem am Wochenende), mehr Personal zur Betreuung von entlassenen Gefangenen, und klar, mehr Betreuung von Opfern von Straftaten.

P.S. Bald starten wir wieder mit unserem Laufprojekt in den Jugendstrafvollzugsanstalten. Im April ist Projektphase und dann wird gelaufen, gelaufen, gelaufen. Richtig gelaufen: 4 Minuten und schneller pro Kilometer.

Bild: privat

Dieter Baumann, die Götter und Olympia - Termine 2014

• 13. Januar 2015 Balingen - 20:00 Uhr
• 15. Januar 2015 Münsingen - 19:30 Uhr
• 19. Januar 2015 Heilbronn - 19:00 Uhr
• 6. März 2015 Stockach - Raithaslach - 20:00 Uhr
• 21. März 2015 Freiburg / Vorderhaus, 20:00 Uhr
• 18. April 2015 Allmendingen / 20:00 Uhr

Dieter Baumann: Lauf der Woche:

Eine neue Tradition hat begonnen