Marvin Running

Ist fit das bessere reich?

Körperliche Bewegung oder Kontobewegung, das ist hier die Frage.

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"Fit oder reich?" Das ist hier die Frage.

Bild: Bernd Wachtmeister / pixelio

„Wie ungerecht!“, rufe ich entrüstet. „Die Reichen werden immer reicher!“ So steht es in dem Artikel, den wir gerade lesen.

„Aha“, meint Herrchen. „Und wir werden immer fitter.“

Äh... was will er mir jetzt damit sagen? „Du meinst, fit sei das neue reich?“

„Naja. Denk mal nach: Geldgier auf der einen Seite, ein gesunder Geist in einem gesunden Körper, ´anima sana in corpore sano‘ auf der anderen. Was wäre dir lieber?“

„Ist das jetzt eine Fangfrage?“

„Ich persönlich finde ´Fitness-Reichtum‘ wesentlich erstrebenswerter als ein dickes Konto.“

„Wie dämlich ist das denn?“, frage ich.

Er missversteht mich: „Dämlich ist es, den Sinn auf Erden an den Maßstäben des Reichtums auszurichten."

„Das meinte ich nicht mit dämlich.“

„Aber es ist dämlich“, bekräftigt er. „Hochgradig unintelligent. Warum einen Status anstreben, der auf Abgrenzung und Selbstüberhöhung ausgelegt ist, der uns sozial isoliert und schlimmstenfalls in eine Spirale führt, die von Angst und Gier angetrieben wird? Und einem als Sahnehäubchen auch noch zwanzig Kilo Übergewicht aufdrückt, weil gesunder Geist und gesunder Körper bei dem ganzen Quatsch auf der Strecke bleiben? Und dann stehen wir da mit ´anima schizo in corpore bankrotto‘. Das ist doch nicht clever, das ist psycho.“

„Aber jeder Mensch braucht seinen Status.“

„Wenn man schon einen Status braucht, warum kann das dann keiner sein, bei dem Gemeinschaft, Gesundheit, Fitness und gute Ernährung gefördert und nicht zerstört werden?“

„Wer sagt denn“, triumphiere ich, „dass man sich durch diesen Fitness-Wahn nicht genauso abschottet wie mit Reichtum? Oder dass man die Welt einteilt in die Fitten und die Unfitten? Da machst du im Prinzip das Gleiche, was du hier anprangerst: dich abgrenzen und selbst erhöhen.“

„Darum geht es nun wirklich nicht“, kontert er. „Denn Bewegen ist fast immer etwas Gemeinsames. Das gilt selbst fürs Laufen. Aber gemeinsam glücklich nach Reichtum streben, das geht schief. Denn da heißt die Devise: Du-Oder-Ich. Aber ist es nicht viel schöner, sich im Sinne des Du-Und-Ich durch die Welt zu bewegen?“

„Du-Und-Ich? Nie und nimmer“, grummele ich. „Nie und nimmer.“

Bekenntnisse eines Schweinehunds:

400 Wochenkilometer