Beeindruckendes Comeback

Isabella Ochichi: Laufen als Erfolgs-Diät

Nach ihrem letzten internationalen Rennen 2006 feierte Isabella Ochichi beim Halbmarathon in Prag ein beeindruckendes Comeback mit Platz drei in 69:21 Minuten.

Ochichi

Isabella Ochichi bei ihrem Comeback beim Halbmarathon in Prag.

Bild: Wenning/marathonfoto.tv

Es war vielleicht das beste Comeback, das es im internationalen Frauen-Langstreckenlauf bisher gegeben hat. Als Isabella Ochichi Anfang April beim Halbmarathon in Prag ins Ziel kam, stand sie allerdings nicht im Mittelpunkt. Denn die Kenianerin hatte gut zweieinhalb Minuten hinter der Siegerin die Ziellinie überquert. Doch auch als Dritte hatte sich die 33-Jährige mit einer Zeit von 69:21 Minuten in glänzender Manier zurückgemeldet. Im Jahr 2006 war die Kenianerin zuletzt außerhalb ihres Heimatlandes gestartet. Ein Marathon-Debüt ist nun das nächste große Ziel für Isabella Ochichi.

Ihren größten Erfolg hatte die Kenianerin bei den Olympischen Spielen in Athen 2004 gefeiert. Damals platzierte sie sich im 5000-m-Finale zwischen den beiden äthiopischen Stars Meseret Defar, die Gold gewann, und Tirunesh Dibaba. 2006 lief Isabella Ochichi eine weitere gute Bahnsaison, die sie in Stuttgart mit einem dritten Platz im 5000-m-Finale des World Athletics Finals abschloss. Sie konnte damals nicht ahnen, dass dies ihr letztes Rennen außerhalb Kenias für lange Zeit gewesen sein sollte – bis zum 6. April 2013.

Eine schwere Achillessehnenverletzung stoppte die Karriere von Isabella Ochichi. 2006 wurde sie operiert, 2007 wollte sie zurückkommen. Doch daraus wurde nichts, die Sehne im linken Fuß machte ihr weiter zu schaffen. „2008 musste ich mich in Kenia einer zweiten Operation unterziehen. Danach dauerte es lange, bis die Sehne ausgeheilt war“, erzählte Isabella Ochichi. Sie nutzte die Zwangspause, um eine Familie zu gründen. 2010 wurde ihr inzwischen zweieinhalbjähriger Sohn Bernard geboren.

Danach fing Isabella Ochichi wieder an zu laufen. „Aber als ich damals anfing, hatte ich alles andere als ein Comeback im Kopf. Es ging nur um meine allgemeine Fitness.” Nach der Schwangerschaft wollte sie ihr Gewicht reduzieren. „Ich hatte ungefähr 17 Kilogramm zugenommen. Um abzunehmen habe ich keine Diät gemacht sondern bin einfach nur gelaufen. Ich habe langsam angefangen und bin dann Schritt für Schritt immer ein bisschen länger gelaufen. Es war hart, aber es ging voran und ich wurde immer besser und besser.“

Anfang des vergangenen Jahres dachte Isabella Ochichi erstmals an ein Comeback. Im Februar startete sie dann bei einem Crossrennen in Kenia. Neun Monate später fühlte sie sich bereit für einen Test über die Halbmarathondistanz. Sie lief bei einem Rennen in der Stadt Nakuru, die nicht so weit entfernt ist von ihrer Heimat in Ngong in der Nähe von Nairobi. In der leistungsmindernden Höhenluft war sie nach 72:16 Minuten als Dritte im Ziel.

Danach entschied sie sich, in diesem Frühjahr in die internationale Szene zurückzukehren. „Ich wusste, dass sie es ernst meinte, denn Isabella ist eine sehr professionelle Athletin“, sagte ihr Manager Zane Branson. Er berichtet auch, dass die Läuferin in den Ngong-Hügeln in der Trainingsgruppe des Marathon-Weltrekordlers Patrick Makau (2:03:38) trainiert.

„Ich wollte in Prag sehen, was ich mit meinem bisherigen Training erreichen kann. Ich war mir vorher nicht so sicher“, sagte Isabella Ochichi, die dann nach dem Lauf mit 69:21 Minuten sehr zufrieden war. Ihre Landsfrau Gladys Cherono gewann mit einem Streckenrekord von 66:48 vor Worknesh Degefa (Äthiopien/68:12). „Nach all diesen Jahren bin ich sehr froh, wieder hier zu sein. Ich hatte erwartet gut zu laufen, aber einen dritten Platz hatte ich nicht für möglich gehalten“, erklärte Isabella Ochichi, die in Prag die drittbeste Halbmarathonzeit ihrer Karriere lief und nicht so weit entfernt von ihrer zwölf Jahre alten Bestzeit (68:38) war. Gut einen Monat später bestätigte sie ihre gute Form mit einem Sieg beim Göteborg-Halbmarathon in 71:29 Minuten. Im Juni wurde sie Dritte beim 5-km-Frauenlauf in Albany (USA).

Mit 33 Jahren kann Isabella Ochichi im zweiten Abschnitt ihrer Karriere vor allem im Marathon noch einige sehr gute Jahre vor sich haben. „Ich bin nicht mehr so schnell wie früher, aber ich habe noch eine gute Geschwindigkeit. Mein nächstes Ziel ist nun mein Debüt im Marathon.“ Wenn Isabella Ochichi über ihr Training spricht, wird klar, dass sie bereit ist für den Marathon: „Ich bin im Training bereits 38 Kilometer am Stück gelaufen.“ Es ist durchaus möglich, dass die Kenianerin im Herbst ihr Debüt über die 42,195 km läuft.

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