Sänger, Songwriter, Marathonläufer

Interview mit Sänger Tim Bendzko

Tim Bendzko ist durch seine Hits ("Nur noch kurz die Welt retten") einer der bekanntesten Sänger Deutschlands. Außerdem ist er Marathonläufer. Das große Interview.

Tim Bendzko

Tim Bendzko war schon immer sehr sportlich.

Bild: Lars Pillmann

Im Interview mit RUNNER’S WORLD verrät Tim Bendzko nicht nur, wie er sich auf den Berlin-Marathon vorbereitet, sondern auch, was seine Lieblings-Trainingseinheit (nicht) ist, wie er es zu seinem Idealgewicht geschafft hat (75 Kilo), und warum er sich vegan ernährt.

RUNNER'S WORLD:In diesem Jahr bist Du unter Anderem den Berliner- und den Hamburger-Halbmarathon mitgelaufen. Jetzt willst Du beim Berlin-Marathon die vier Stunden knacken: Eine spontane Idee, oder läufst Du schon länger?

Tim Bendzko: Ja, das fing genau genommen vor zehn Jahren an: Mein bester Freund und ich, wir wollten uns schon immer gemeinsame sportliche Herausforderungen suchen. Mit ihm hatte ich auch davor Fußball gespielt, und er singt bei mir in den Background Vocals. So entstand unser Plan, dass wir mal zusammen laufen. Dann haben wir uns vor zehn Jahren, das war 2005, für den Halbmarathon angemeldet – ich bin dann auch mitgelaufen, er war aber leider verletzt.

Derzeit scheinst Du gut in Form zu sein? Es gab kürzlich sogar einen Facebook-Post, wo ein Fan von Dir schrieb, Du sähest so dünn aus und „könntest mal wieder eine Pizza essen!“

Ja, stimmt! Könnte ich wirklich mal wieder! Pizza habe ich schon lange keine mehr gegessen! - Aber im Ernst, das mit dem Gewicht ist schon interessant. Bei mir gab es tatsächlich eine Diskussion bei Instagram, weil ich vor ein paar Wochen zu jemandem gesagt hatte, dass ich seit Monaten das gleiche wiege. Einer hat dann gepostet und uns aufgeklärt, dass Muskeln ja doppelt so schwer sind wie Fett! Ich sehe gerade also schon irgendwie dünner aus – wiege aber seit Monaten das gleiche, so um die 75 Kilogramm. Allerdings: Vor einem Jahr, da habe ich noch zehn Kilo mehr gewogen.

Wolltest Du bewusst abnehmen? Oder hat das das Laufen einfach mit sich gebracht?

Naja, ich hatte schon so ein kleines Bäuchlein. Aber ich wollte vor allem einfach fit sein, weil mich das nervt, immer gesundheitlich an der Grenze zu sein. Also wenn man mal einen Tag zehn Stunden arbeitet und dann gleich das Gefühl hat, eine Erkältung zu kriegen, das nervt mich. Je fitter man ist, desto leichter fällt alles. Man steckt einfach mehr weg. Es geht für mich vor allem darum, besser zu regenerieren. Und das gelingt mir heute: Wenn ich jetzt aufhöre zu laufen, ist mein Puls innerhalb einer Minute wieder auf Normalniveau.

Nach Deinem Halbmarathon im Frühjahr in Berlin hast Du Dich dann in Hamburg auf 1:48:36 Stunden gesteigert. Seit Juni verfolgst Du einen Trainingsplan für den Marathon: Bist Du auf Kurs für den Marathon unter vier Stunden? Oder sogar schneller?

Das längste, was ich bis dahin, also bis zu meiner Planung, im Training gelaufen war, waren 19 Kilometer. Im Marathon-Trainingsplan standen nach einer Woche dann schon 20 Kilometer an. Nach drei Wochen waren es dann schon 30. Ich bekomme jetzt erst mal ein Gefühl für die langen Strecken.

Also läufst Du streng nach Trainingsplan?

Ja, ich habe einen Coach, er macht den Trainingsplan, wir laufen einmal die Woche zusammen und machen auch Stabi-Übungen. Sehr wichtig, wie ich gemerkt habe.

Gelingt Dir das, den Trainingsplan einzuhalten? Du bist Künstler – denen sagt man ja sonst ein gewisses Phlegma nach?

Ja, ich halte mich exakt an den Trainingsplan! Und ich bin alles, aber kein Künstler. Dafür bin ich viel zu sehr gut in den Dingen, die Künstler eigentlich nicht sind. Ich bin gerne pünktlich, ich arbeite viel.

Du hast schon früher viel Sport getrieben, und Du hast sogar eine leistungssportliche Vergangenheit?

Ja, sogar bis zurück bis in die Grundschule – da brüste ich mich heute noch mit, dass ich damals mehrere Jahre hintereinander einen Crosslauf gewonnen habe, meistens im Endspurt!

Also ist Sport wirklich ein durchgängiges und für Dich wichtiges Element in Deinem Lebenslauf?

Ja, in jedem Fall. Mein älterer Bruder hat auch immer Fußball gespielt, schon vor mir. Meine Mutter war früher Handballerin, auch mit Sportschule und allem drum und dran. Und mir war immer klar: Ich muss Sport machen. Mein Bruder war wie ich auch auf der Sportschule. Rudern, Kanu, Windsurfen – bei uns gehörte das alles dazu. Und durch Union Berlin hatten wir auch den Fußballzweig. Am Sport-Internat hatten wir dann einfach einmal mehr Sport in der Woche – übrigens war zum Beispiel Robert Huth bei mir in der Klasse, der später ja Fußballprofi geworden ist und sogar Nationalspieler. So gut wie er war ich allerdigs nie.

Wie bist du zum Laufen gekommen?

Ich habe während der Schulzeit schon mit dem Fußball aufgehört – weil ich einfach immer zu k.o. war, denn ich wollte auch gut in der Schule sein und auch noch Musik machen. Aber es war auch irgendwie doof, gar keinen Sport mehr zu machen. Und dann haben mein bester Freund Philipp und ich im tiefsten Winter beschlossen, Halbmarathon zu laufen.

Ungewöhnlich, damals, mit kaum zwanzig Jahren, so einen Entschluss zu fällen?

Ja, das liegt vielleicht auch ein bisschen an meinem größeren Bruder. In unserer Freizeit haben wir immer Fußball gespielt – aus Spaß, und nicht verbissen. Aber dadurch habe ich das schon als Kind gehabt, dass ich Spaß habe an so einem freundschaftlichen Wettbewerb.

Die Freude am Wettbewerb ist bei Dir geblieben?

Auf jeden Fall. Das ist doch auch bei einem Marathon oder Halbmarathon so witzig. Wenn man das auf so einem Hobby-Niveau macht, da geht es ja um überhaupt nix, gar nix. Aber auch die Amateure, die den Halbmarathon in zweieinhalb Stunden laufen, die laufen sich warm, nehmen das ernst. Und unsereins kommt dann genauso dahin. Das ist bei mir selbst beim Bowling so: Wenn ich anfange so etwas zu machen, dann fange ich an, das zu professionalisieren. Das geht mir auch so beim Kanufahren oder Golfspielen.

Tatsächlich spielst Du auch mit viel Freude und Enthusiasmus Golf?

Ja, stimmt! Ich glaube, das fing vor zwei Jahren so im August an. Da lag ich im Bett, abends, und denke so Geistesblitz-mäßig: Ich muss golfen. Am nächsten Tag habe ich im Golfladen gestanden, habe komplett vom Schuh bis zum Schläger alles gekauft – bis zum dazu passenden Handtuch.

Weiterlesen

Seite 1 von 4
Lesen Sie auf der nächsten Seite:
Kein Fan vom Intervalltraining

Ultra-Läufer Scott Jurek im Interview

Ultra-Läufer sind wie die Hippies

12012015 Scott Jurek im Interview
Scott Jurek ist einer der erfolgreichsten Ultra-Marathon-Läufer der... mehr

Sabrina Mockenhaupt im Interview

Der Marathon Hamburg ist eine Herzensangelegenheit für Mocki

Sabrina Mockenhaupt
Sabrina Mockenhaupt startet am kommenden Sonntag beim Marathon Hamburg... mehr

Frankfurt-Marathon 2015

Hohe Qualität auch ohne Titelsponsor

Jo Schindler
Der bisherige Titelsponsor ist weg, aber Jo Schindler sieht den Erfolg... mehr

Hunderte Kilometer durch Wüsten

Extremläufer Rafael Fuchsgruber im Interview

Extremläufer Rafael Fuchsgruber im Interview
RUNNER’S-WORLD-Redakteur sprach mit Rafael Fuchsgruber. Der... mehr

Porträt über Jana Sussmann

Mit guter Laune in die Laufsaison

Jana Sussmann 2015
Jana Sussmann zählt trotz langer Verletzungspause zu Deutschlands... mehr

Nach dem Sieg beim Transvulcania

Emelie Forsberg im Interview

Emelie Forsberg im Ziel des Transvulcania
Die Schwedin Emelie Forsberg gewann 2014 die Weltmeisterschaft im... mehr