Dieter Baumann

Im Regen durch die Eifel

Dieter sehnt sich nach einem Dauerlauf ohne Regen. Doch Manderscheid in der Eifel war im November nicht der richtige Ort dafür.

Im Regen durch die Eifel

Dieter Baumann mit der Läufergruppe bei Manderscheid.

Lauf der Woche
Samstag, 13. November 2010
Manderscheid
Dauerlauf, 1:10 Stunden, gesteigert


Nieselregen überall. Nur weil ich in dieser Rubrik vor wenigen Tagen meine Freude am Novembernieselregen ausdrückte, heißt das nicht, dass es immer so weiter regnen soll. Und vor allem heißt es nicht, dass ich immer Freude und Glück dabei empfinde. Letzten Samstag zum Beispiel in Manderscheid. Ich sage ihnen, ein Regen, unglaublich.

Manderscheid – zur kurzen Erklärung – ist ein Dorf mit 1.200 Einwohnern, hat aber, das ist ganz wichtig: Stadtrechte! Es ist ein Dorf als Stadt, sozusagen. Über eine längst vergessene geschichtliche Erwähnung bekam Manderscheid erst 1998 die Stadtrechte wieder zurück. Übrigens waren die Stadtrechte ein Geschenk vom bayrischen König. Daraus sollten sie nicht den Schluss ziehen, Manderscheid liege in Bayern, nein, Manderscheid liegt in der Vulkaneifel.

Und dort, in der Vulkaneifel, da geht bei Regen die Welt unter. Übrigens regnet es sehr viel dort. Die Eifel befindet sich im Regendurchschnitt weit oben auf der deutschen Wetterskala. Auch am vergangenen Samstag regnete es. Und trotzdem, ich verstand es nicht, kamen zum verabredeten Lauf tatsächlich Menschen, um gemeinsam zu laufen. Tief in meinem Herzen hatte ich gehofft, es fällt aus. Doch zehn Mann und drei Damen liefen los. Nach nur fünf Minuten war ich bis aufs Hemd nass. Die Schuhe und Socken sowieso. Pfützen auf der Straße, Matsch im Wald. Aber wir liefen. Nach 40 Minuten über Höhen und Tiefen der Eifel dann die Entscheidung: auf direktem Wege nach Hause oder Verlängerung.

Was eine Frage! Natürlich Verlängerung. Weiter, immer weiter und weiter. Und das Schönste dabei, wir wurden schneller, immer schneller. Und bei diesem hohen Tempo fiel mir der Regen auch nicht mehr auf. Und noch schöner war das Gefühl, als ich von den steilen Vulkaneifelberge zurück war und vor dem Ortsbrunnen Manderscheids stand. Endlich rum das Ding, dachte ich. Nass und müde las ich die Inschrift von Fontane am Brunnen: Gott, was ist Glück? Ein Griessüppchen, eine Schlafstelle und keine körperlichen Schmerzen – das ist schon viel.

Ein Dauerlauf ohne Regen – könnte ich hinzufügen.

Dieter Baumann: Lauf der Woche:

November-Nieselregen-Lauf