Siegertyp

Höhen und Tiefen

2007 wurde Lagat, mittlerweile US-Bürger, Doppelweltmeister. Doch immer wieder musste er auch Niederlagen verkraften.

Bernard Lagat Track

Selbstfindung: An großen Niederlagen wuchs Lagat mehr als an großen Siegen.

Bild: Michael Darter

Am 7. Mai 2004 nahm Bernard Kipchirchir Lagat, der Nandi, neben der kenianischen auch die amerikanische Staatsbürgerschaft an. Doch Bernard behielt es für sich, denn er hatte Angst, kenianische Funktionäre könnten ihm bei der Qualifikation für die Olympischen Spiele von Athen Steine in den Weg legen. Und dabei war es sein größter Wunsch, noch ein letztes Mal für seine alte Heimat eine Medaille zu holen. Nichts sollte den Showdown mit seinem größten Rivalen Hicham El Guerrouj gefährden. 18 Tage vor den Spielen rang Bernard den marokkanischen Weltrekordler in einem sagenhaften Finale in Zürich nieder und siegte in 3:27.40 Minuten. El Guerrouj wurde Zweiter, 24 Hundertstel zurück. Athen konnte kommen.

Die beiden Topfavoriten liefen durch die olympischen Vor- und Zwischenläufe, ohne auch nur den geringsten Zweifel an ihrer Klasse aufkommen zu lassen. Doch die Kontrahenten wussten: Nur einer konnte Gold gewinnen. Im Endlauf wurde nicht lange gefackelt, das Tempo war von Beginn an hoch, Lagat klebte förmlich an El Guerroujs Schulter. In der letzten Kurve schob sich Lagat neben den Marokkaner, doch der forcierte noch einmal und zog Zentimeter für Zentimeter davon. Am Schluss war es ein knapper Meter, der die beiden trennte – oder zwölf Hundertstel: 3:34.18 zu 3:34.30 Minuten. Lagat war der Erste, der dem Goldmedaillengewinner gratulierte. „Ich glaube, dass Kip auch mit Silber zufrieden war“, meinte Li bei der Rennanalyse, „aber er hätte gewinnen können, wenn er mit seinem Spurt ein bisschen länger gewartet hätte.“ Hätte James Li damals schon gewusst, wie viele Gelegenheiten sich seinem Athleten noch eröffnen sollten, dann wäre er vermutlich nicht so kritisch gewesen.

Bei den Weltmeisterschaften 2005 war Lagat wegen des Wechsels der Staatsbürgerschaft gesperrt, aber dafür feierte er zwei Jahre später einen triumphalen Auftritt bei den Weltmeisterschaften in Osaka (Japan): Er gewann dort sowohl über 1.500 als auch über 5000 Meter. Dies waren seine ersten internationalen Titel, und es waren auch die ersten für einen US-Amerikaner über diese Distanzen. Nur ein Jahr später, bei den Olympischen Spielen in Peking, schied der Doppel-Weltmeister dann aber völlig überraschend im 1.500-Meter-Halbfinale aus und wurde über 5.000 Meter nur Neunter.

„Das mag viele überrascht haben, uns aber nicht“, behauptet Li. Woran lag’s also? „Im Training ist alles schiefgelaufen. Eine Woche nach der Olympiaausscheidung wartete ich auf einem Parkplatz im Wald bei Tübingen auf Kip. Er kam zurück, zeigte auf seine Füße und meinte nur: ,Die Achillessehne!‘ Wir mussten das Training komplett zurückfahren, und dann reichte es nicht mehr bis Peking. “Bedeutete das das Aus? Natürlich nicht, Lagat lief weiter.

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