Lauf der Woche

Hitzelauf - Es ist zum verrückt werden

Ursprünglich wollte Dieter Baumann den Rekord im Hitze-Dauerlauf aufstellen. Zu seiner Enttäuschung reichten die 38 Grad dafür nicht aus. Trotzdem trieben ihn die Temperaturen beinah zum Wahnsinn.

Sonne

Bei Hitze zu laufen ist nicht für jeden was.

Bild: iStockphoto.com / loongar

Lauf der Woche
Samstag, 27.07.2013
Ort: Spitzberg
Geplant: Rekord im Hitze-Dauerlaufen


Ich melde mich vom Dauerlaufen – trotz und gerade wegen des (verpassten) Rekordhitzewochenendes. Ich frage Sie, liebe Freunde der Laufkunst, wann sonst sollten wir laufen gehen, wenn nicht bei dieser Hitze? Ja, sind wir doch einmal ehrlich, bei Regen oder Schnee kann doch jeder laufen. Also, wirklich jeder kann das, aber bei Hitze?

Doch eines vorweg: Ich war enttäuscht. Das Thermometer kletterte nur auf 38 Grad. Und ohne Hitzerekord auch kein Rekordhitzedauerlauf. Ausgerechnet Martin G. hatte ich diesen Rekord in meinem Blog angekündigt. „Wenn es über 40 Grad ist, brech’ ich auf“, schrieb ich, „zum Dauerlaufen“. Im Grunde wusste also die ganze Welt davon. Nicht, dass ich so viele Klicker, äh Leser, hätte. Ehrlich gesagt habe ich nur zwei, aber zumindest wusste es die NSA, und da hocken immerhin 40.000 Mitarbeiter. Klar waren die enttäuscht, dass es mit dem Rekord nichts wurde. Die sind doch immer so verrückt nach Rekorden, die Amerikaner.

Trotzdem lief ich am Nachmittag (bei größter Hitze!) los. Kaum war ich oben am Spitzberg, begegnete mir ein Spaziergänger. „Ja Baumann, Menschenskind, bist du verrückt! Bei dieser Hitze laufen!“ Er wollte sich gar nicht mehr beruhigen und auch mein Einwand, dass es doch immer auf den Trainingszustand ankomme – will sagen, je besser trainiert, desto weniger Hitze (zumindest gefühlt) – nutzte nichts. „Verrückt! Verbieten müsste man das! Gefährlich! Einsperren, bei der Unvernunft!“ All das und vieles mehr schrie er. Jede Unterhaltung, jedes Argument meinerseits wurde von ihm niedergeschrien, so dass mir am Ende nichts weiter blieb als weiterzulaufen.

Die Luft stand, Backofenhitze und der Schweiß rann an mir in Sturzbächen hinunter. Bald hatte ich mein Laufshirt ausgezogen, da hörte ich Stimmen. Ja wirklich, Stimmen. „Schaut“, riefen sie, „da ist der Baumann! Nackig!“ Hallo? Ich war nicht nackig, nur oben ohne, alles andere war noch dran, also die Schuhe. Ich erkannte Menschen, schemenhaft, die Hitze, der Schweiß, das schnelle Tempo … Und dann hörte ich nichts mehr. Nur noch das Zirpen der Grillen.

Dieter Baumann – Brot und Spiele

Bild: Ulrich Metz

Hatte ich geträumt? Waren Menschen im Wald? War ich nackig gelaufen oder verrückt? Hätte ich mich begutachten lassen, also psychologisch, ach, es hätte schlimme Folgen haben können. Verrückt ist der Baumann, es musste so kommen mit der Lauferei. Dann sein Eifer: Alle will er zum Laufen bringen. Egal ob bei Regen, Schnee und - viel schlimmer - bei Hitze. Der Mann ist gefährlich, gemeingefährlich, so ähnlich hätte es der Gutachter geschrieben. Einsperren. So ähnlich und noch viel schlimmer hat es ein Gutachter über Gustl Mollath geschrieben und ein Richter hat ihn eingesperrt. Er braucht unsere Unterstützung. Deshalb unter www.gustl-for-help.de eine Unterschrift für Gustl Mollath.

Übrigens: Die Menschen im Wald gab es am Samstag tatsächlich. Die Stadtwerke Tübingen hatten Betriebsausflug.

Die Internetseite unseres Kolumnisten Dieter Baumann finden Sie hier:
www.dieterbaumann.de

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