Dieter Baumann

Harmloses Restrisiko

Das Restrisiko für Läufer auf dem weichen Boden ist gering – ganz im Gegensatz zum Risiko bei der Ski-WM in Garmisch.

Dieter Baumann liebt weiche Waldböden.

Dieter Baumanns Strecken sind weich.

Bild: silke / pixelio.de

Lauf der Woche
Mittwoch, 09. Februar 2011
Tübingen
langer Dauerlauf - 2:23 Stunden


Ja, was soll ich sagen? Es läuft. Langer Lauf, natürlich wieder zu schnell. Allerdings nicht zu Beginn. In der ersten Stunde konnte ich mich noch einbremsen, doch nach einer Stunde und zwanzig Minuten ging der Mittelstreckler mit mir durch. Eine lange Gerade, dazu Rückenwind. Ja da lief es rund und ich wurde schneller. Zurückhalten? Wofür? Und endlich wieder ohne Schnee und Eisplatten. Herrlich.

Ohne Eisplatten, ja das hätten die Skifahrer in Garmisch auch gerne. Bei der Ski-WM soll ja der Abfahrthang eine einzige Eisplatte sein. Von oben bis unten. Extra dafür gemacht, damit die Damen und Herren schneller sind.

Von dieser Stelle wünsche ich den Skifahrern einen Hangpräparator Baumann. Meine Strecken sind zwar langsam, dafür ist der Boden weich, butterweich. Das ist im Moment überhaupt das Schönste: der Boden. Wie ein nasser Schwamm fühlt es sich beim Laufen an. Es quietscht bei jedem Schritt, dämpft und federt nach. Ein Gedicht für unsere Knochen.

Ja, liebe Rennläufer auf Skiern, passt auf eure Knochen auf. So eine Eisplatte ist hart und tut weh. Eine Erkenntnis, die offensichtlich nicht viel zählt. Weil es bei euch immerfort um Tempo geht, um Spektakel und um den Nervenkitzel des Zuschauers, verbunden mit der bangen Frage: kommt er durch? Wie hieß er noch, der Junge vor wenigen Wochen? Im Koma? Oder die Dame vor nicht langer Zeit? Gestorben? Wo?

Liebe Funktionäre, alles schon vergessen? „Wir tun alles für die Sicherheit“, hört man allenthalber. Die Fangzäune werden erhöht und „ein Restrisiko bleibt“.

Nach zwei Stunden kam die Entscheidung: rechts rum und nach Hause, oder links rum und nochmals 30 Minuten. Ich dachte an Garmisch und die Eisplatten, an Spektakel und volles Risiko. Links rum. Beim Anstieg ging nichts mehr, mein Zwischenspurt nach einer Stunde zwanzig hatte zuviel Kraft gekostet. Ich musste gehen. Der Boden quietschte immer noch, ich hatte Durst und Hunger – bei uns sehr harmlos, das Restrisiko.

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