Dieter Baumann

Haile als Sportminister!

Dieter Baumann fordert einen Sportminister, der sich in seinem Metier auskennt. Sein Vorschlag: Haile Gebrselassie.

Haile Gebrselassie

Haile Gebrselassie, hier bei seinem Sieg beim Berlin-Marathon 2009, sollte nach Baumanns Meinung neuer Sportminister werden.

Bild: Norbert Wilhelmi

Lauf der Woche:
Samstag, 18. Dezember 2010
Tübingen
langer Dauerlauf im Schnee, 22 Kilometer - 1:34 Stunden


Seit der vergangenen Woche sind Streusalz und Schneeschippen ausverkauft. Die Fluglinien empfehlen auf die Bahn umzusteigen, die Bahn empfiehlt, zu Hause zu bleiben. Busse und U-Bahnen blieben liegen, und auf den Straßen geht ohne Schneeketten nichts mehr.

Allerlei Minister und Politiker melden sich empört zu Wort, die Verantwortlichen hätten sich nicht sorgsam vorbereitet. Was heißt hier vorbereitet? Die Politik ist nicht vorbereitet. Die eigentliche Sauerei sind doch nicht der Winter oder die Verkehrsmittel. Die eigentliche Sauerei sind doch die Ministerien. Was wir in solch einer Notsituation wirklich brauchen ist nicht so ein Mischmasch-(nicht Matsch)-Minister. Um Herr des Winters zu werden fordere ich einen lupenreinen Sportminister, der etwas von der Sache versteht. Minister, die keine Ahnung von ihrem Ressort haben, haben wir genug.

Dazu fällt mir eine Geschichte ein. In meinen jungen Jahren war ich mit dem Auto in Italien unterwegs. Es war Sonntag und meine Benzinanzeige blinkte auf Reserve. Was ich nicht wusste, war, dass sonntags alle Tankstellen in Italien geschlossen sind. Schweißgebadet saß ich mit der bangen Frage in meinen Wagen, ob das Benzin wohl reichen würde. Rund 20 Kilometer vor dem Zielort entspannte ich mich. Von jetzt ab, dachte ich, kann ich laufen. Aus diesem Grund bin ich bis heute ein Läufer geblieben. Viele Kilometer bevor ich mein Ziel erreiche, lehne ich mich zurück und weiß: jetzt kann mir nichts mehr passieren. Das Beste ist, die Strecken haben sich (im wahrsten Sinne des Wortes) im Lauf der Jahre verlängert. Jetzt, da ich in der Vorbereitung auf Biel stecke, gibt es keine Limits mehr. Bus verpasst, Flug annulliert, Auto in den Schneemassen gefangen, alles kein Problem. Ich laufe den Rest.

Und genau aus diesem Grund brauchen wir einen Sportminister, der die Bevölkerung auf diese Notsituation vorbereitet. Immer und an jedem Tag, in jeder Stunde, das ganze Jahr. Nicht die ewigen Wortbrüche. Der eine verspricht „mehr netto vom brutto“, der andere Terrorangriffe und was passiert? Nichts! Deshalb brauchen wir einen Sportminister, der zu seinem Wort steht. Kandidaten gäbe es ja viele. Magdalena Neuner, Biathlon, beispielsweise – leider keine Ganzjahressportart (mit Blick aus dem Fenster Gott sei Dank). Sebastian Vettel, unser Autoweltmeister, wäre auch ein guter Mann, aber gerade er bleibt ja in den Schneemassen stecken. Alles läuft (wieder dieses Sinnwort) auf einen einzig geeigneten Kandidaten hinaus. Ein Läufer muss es sein, der weiterläuft, auch wenn er anderes verspricht: Haile Gebrselassie.

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