Marvin Running

Guten Morgen, Schweinehund!

Was passiert, wenn mentaler Kasernendrill auf schwaches Fleisch trifft? Genau: Nichts Gutes.

Wecker 4:15 Uhr

Perfekte Zeit zum Aufstehen.

Bild: Marvin

Um halb neun möchte Herrchen wie üblich im Büro sein. Vorher möchte er laufen. 30 – in Worten: Dreißig – Kilometer.

Gestern waren wir auf einer Geburtstagsfeier und es wurde etwas später. Mit dem Rotwein haben wir uns nicht gerade zurückgehalten.

Der Wecker klingelt um 4:15 Uhr. Viertel! Nach! Vier! Warum nur? Warum? Ich leide doch schon an Liebesentzug. Muss es jetzt auch noch Schlafentzug sein? Meine Verzweiflung ist zu groß für Wut. Guantanamo Bay wäre für mich wie ein Ferienclub.

Beim Aufrichten im Bett macht sich eine Menge Restalkohol bemerkbar. Genauer gesagt, der Kopf fühlt sich wie die Base-Drum bei einem Speed-Metal-Mania Festival. Und unser Bewegungsapparat schlackert wie das Fußpedal dazu.

Er torkelt los und stößt sich im Dunklen den Zeh am Kinderbett der kleinen Linea. Zum Glück sind wir noch nicht wirklich schmerzempfindlich.

»Was war denn dieses Darmgrummeln eben?«, murmelt er auf dem Weg ins Bad.

»Das war ich.«, antworte ich. »Wollte mal probieren, ob man sich an einer Darmschlinge erhängen kann.«

»Aha.«

»Geht aber nicht.«

»Und jetzt?«

»Jetzt gehe ich Verdauungsgase inhalieren, bis ich das Bewusstsein verliere.«

»Uh, tu’ das nicht. Wir haben gestern Zwiebeln gegessen. Und Aioli.«

»Dann geht es wenigstens schneller.«

»Och Marvin, reiß dich mal zusammen.«

An den Aufenthalt im Bad habe ich nur vernebelte Erinnerungen. Es gab wohl keine größeren Unfälle. Als er trotz eingeschränkten Farbsehvermögens schon das zur Hose passende Sakko gefunden hat, suche ich noch vergeblich den Freitod.

Meine Chancen auf ein gewaltsames Ableben erhöhen sich wieder, als wir ins Freie treten. Nur war Erfrieren nicht gerade mein Lieblingsabgang. Feuchtkalter Nebel wabert zwischen den Bäumen.

Ich wimmere. »Keiner fragt, wie es mir geht.«

»Wie geht es dir?«, fragt er.

»Grauenvoll.«

»Aha.« Pause. »Und was jetzt?«

»Keiner kümmert sich um mich.«

»Stimmt. Geht es dir jetzt besser?«

»Nein.«

»Denk einfach, es ist wie Choco Crossies.«

»Was bitte?«

»Nur umgekehrt: Jetzt denken wir, es wäre die falsche Entscheidung gewesen, aber hinterher kommt es uns genau richtig vor. Beim Genuss einer Packung Choco Crossies ist es doch genauso. Nur umgekehrt.«

Soviel zu Lebenshilfe für Schweinehunde.

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