Dieter Baumann

Gut Ding will Weile haben

Seine schönsten Läufe erlebt Dieter Baumann, wenn er sich einmal richtig Zeit dafür nehmen kann.

Nicht nur Schuhe an und raus: Auf einen Genußlauf bereitet sich Dieter Baumann ausgiebig vor.

Nicht nur Schuhe an und raus: Auf einen Genußlauf bereitet sich Dieter Baumann ausgiebig vor.

Bild: privat

Lauf der Woche
Sonntag, 27. Juni 2010
Tübingen
langer Dauerlauf (22 Kilometer)


Für die gefühlt schönsten Läufe brauche ich Zeit. Nicht die Zeit fürs Laufen, die schneide ich mir immer irgendwie und irgendwo aus den Rippen. Sprich ich entdecke eine Lücke im Tagesstundenplan. Dann gehe ich eben mal schnell raus, drehe eine Runde im Wald und zack geht es weiter im Tagesprogramm. Doch bei den schönsten Läufen ist das ganz anders.

Ein schöner Lauf beginnt schon mit dem Aufstehen. Vor meinem geistigen Auge laufe ich die Runde vorab. Ich stelle mir vor, wie ich durch den Wald trabe, den ersten kleinen Berg mit kurzen Schritten hinauflaufe, welcher Geruch mich erwartet – jetzt im Sommer die frische Morgenkühle - wie leicht und locker ich mich nach den ersten 10 Einlaufminuten fühle und wir gut ich mich nach dem Lauf fühlen werde. All dies gehört zum Ritual des gefühlt schönsten Laufes. Es ist eben nicht nur die Schuhe an und raus.

Am Sonntag war wieder einmal so eine Gelegenheit. Ich hatte Zeit. Vom Frühstück an dachte ich an die Laufrunde. Schon zu meiner Aktivenzeit hundertfach gelaufen – ein Streckenprofil vom Feinsten – über 400 Höhenmeter und ein landschaftlicher Leckerbissen – einmal rund um die Wurmlinger Kapelle.

Ich trabte los, die Luft im Schatten des Waldes perfekt: leichte Kühle. An einer Wegkreuzung fiel mir Wolfram Müller ein, der junge 1.500-m-Läufer aus Pirna. Für vier Jahre hatte er in Tübingen trainiert. Mit dabei natürlich der Lokalmatador Filmon Ghirmai, der Hindernisläufer. In wenigen Wochen wird er hoffentlich bei der Europameisterschaft mit dabei sein. Auf diese Strecke fochten wir manches Trainingsduell aus und die hügelige Strecke verlangte uns alles ab. Das unrhythmische Laufen am Berg, die Tempowechsel der damals noch jungen Athleten, um den Alten zu prüfen.

Heute laufe ich diese Runde immer noch sehr gerne und doch ist sie eine andere geworden. Nicht dass die Berge weniger steil wären oder die Runde kürzer geworden ist. Nein, heute kann ich kaum glauben, dass ich diese Berge so schnell hinauf gelaufen bin. Oder dass wir, kaum waren wir oben angekommen, im flacheren Teilstück sofort und ohne durchzuschnaufen zur nächsten „Attacke“ geblasen haben. Am vergangenen Sonntag beispielsweise war ich 20 Minuten langsamer – gefühlt war es viel schöner, als jemals davor.

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