Dieter Baumann

Genießen oder Tempo machen

Dieter Baumann erlebte am Wochenende den Kontrast zwischen Landschaftslauf und Stadtlauf.

Dieter Baumann Königslauf 2010

Aus einem Landschaftslauf kann schnell eine Autogrammstunde werden.

Bild: Jens Lott

Lauf der Woche
Samstag und Sonntag, 18. und 19. September 2010
Bad Elster / Tübingen
Landschaftslauf für Genießer / Stadtlauf, 7,5 km


Laufen ist nicht gleich Laufen. Dies habe ich mal wieder in der vergangenen Woche erlebt. Am letzten Samstag lief ich beim 1. Königslauf in Bad Elster durch das Vogtland. Wunderschöne Wälder – wie im Schwarzwald, herrliche Wiesen – wie im Allgäu, und verschlafene Dörfer – wie auf der Schwäbischen Alb. Allein der Start: Ein Naturtheater wie aus dem Bilderbuch, dazu ein herrlich restauriertes Cafehaus mitten im Wald und ein klassisches Streichquartett (Hallo, liebe Laufveranstalter, das wäre doch mal eine neue Idee!). Es war einfach bezaubernd. Kein Geplärr aus irgendwelchen Boxen, keiner heizte im Vorfeld das (Lauf-)Tempo an. Es herrschte eine einfache und tolle Stimmung unter den Teilnehmern. Ein Lauf für Genießer und so wurde es auch. Allein die herzliche Stimmung an der Verpflegungsstelle mitten im Wald war einfach herrlich. Und auf den letzten Kilometern durch den Weiler Bärenloh. Ein Traum – wie auf der Alb eben.

Dieter Baumann mit "Zischbier".

Bild: Jens Lott

Keine 24 Stunden später stand ich beim Tübinger Stadtlauf an der Startlinie und ein Lauf für Genießer ist das auf seine Art natürlich auch. Nochmals – das ist absolutes läuferisches Kontrastprogramm. Verpflegungsstellen gibt es dort nicht (sehen wir einmal von den vielen Weinständen entlang der Strecke ab), das Aufheizen der Teilnehmer vor dem Start durch den Sprecher wurde in Tübingen bis zum Kult getrieben und klar, geht es ums Tempo. Allein die kenianischen Läufer – ein Augenschmaus, wie leichtfüßig sie um die engen Kurven der Altstadt ziehen, dann die deutschen Stars – von Arne Gabius bis zu Carsten Schlangen, dem Silbermedaillengewinner der Europameisterschaft über 1500 Meter. Alle waren sie gekommen.

Als ich nach langer Fahrt von Bad Elster etwas zerzaust und unausgeschlafen am Start stand, lagen drei harte Runden je 2,5 Kilometer Länge vor mir. In jeder Runde ein steiler Anstieg. Doch als Kompensation herrschte in der Altstadt ausgelassene Stimmung – 20 000 Zuschauer, ein Fest also.

Dieter Baumann beim Tübinger Stadtlauf

Bild: Ulrich Metz

Dieter Baumann beim Tübinger Stadtlauf.

Den ersten Kilometer lief ich vermeintlich verhalten an. 3:06 Minuten. Schlangen noch auf Sichtweite – alle andern waren weg. Aber egal, die hole ich alle noch ein, dachte ich. Schließlich laufe ich mit viel Erfahrung. Die erste Runde acht Minuten. Ein Wahnsinn.

Der Wahnsinn war auch der zweite Berg in der zweiten Runde. Oben wollte ich gehen, wie in Bad Elster bei der Verpflegungsstelle, dort allerdings lud die Stimmung dazu ein, in Tübingen war wegen der Stimmung der Zuschauer an Gehen nicht zu denken. Im engen Spalier trieben sie mich an und immer weiter. Zweite Runde – wieder acht Minuten. Was sage ich: Erfahrung! Die dritte Runde kürze ich jetzt etwas ab. Nur so viel: es ging so. Schlussspurt, Siegestaumel oder Geldprämie – keine Spur. So viel zur Erfahrung. Ach egal, aber ein tolles Laufkontrastwochenende, das hatte ich allemal.

Dieter Baumann: Lauf der Woche:

Training im Maxizyklus