Marathon-Favoriten

Gelingt Ryan Hall die Olympia-Sensation?

Der schnelle US-Amerikaner Ryan Hall könnte den Marathonläufern aus Kenia und Äthiopien gefährlich werden. Er ist ein heißer Medaillenkandidat bei den Olympischen Spielen in London 2012.

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Ryan Hall ist für eine Überraschung gut.

Bild: photorun.net

Ryan Hall ist der schnellste nicht-afrikanische Marathonläufer aller Zeiten. Beim Boston-Marathon 2011 lief er als Vierter 2:04:58 Stunden. Da die Strecke jedoch aufgrund des Punkt-zu-Punkt-Kurses die Voraussetzungen für die Anerkennung von Rekorden nicht erfüllt, konnte Ryan Halls Zeit nicht als US-Rekord anerkannt werden. So bleibt der aus Marokko stammende Khalid Khannouchi mit 2:05:38 Stunden der Rekordhalter.

Das große Talent des aus Big Bear Lake (Kalifornien) stammenden Ryan Hall wurde in der Oberschule offensichtlich. Über 1.500 m lief er in der High School bereits 3:42,70 Minuten. Während seiner Zeit an der Universität Stanford lief Ryan Hall dann mehr Langstrecken, besonders die 5.000 m, und Crossrennen.

Nachdem er über 5.000 m eine Bestzeit von 13:16,03 Minuten erreicht hatte, konzentrierte sich Ryan Hall ab 2006 stärker auf die Straßenrennen. Dort hatte er schnell Erfolg: Bei den Straßenlauf-Weltmeisterschaften 2006 belegte er über 20 km einen elften Rang und stellte mit 57:54 Minuten einen US-Rekord auf. Wenige Monate später durchbrach er in Houston im Januar 2007 als erster Amerikaner die Stunden-Barriere im Halbmarathon: Ryan Hall lief 59:43 Minuten. Anschließend überzeugte er auch bei seinem Marathondebüt. In London erreichte er als Siebenter 2:08:24 – kein Amerikaner war in seinem ersten Marathon bisher schneller. Nach einem überlegenen Sieg bei den US-Olympia-Trials im November 2007 steigerte er sich beim London-Marathon 2008 als Fünfter auf 2:06:17. Schon bei Olympia in Peking 2008 traute man ihm eine Überraschung zu. In dem Rennen, das der 2011 tödlich verunglückte Kenianer Sammy Wanjiru überraschend dominierte, belegte Ryan Hall schließlich einen guten zehnten Platz. Die Medaillenränge waren an diesem Tag außer Reichweite. Nach einem dritten Platz in Boston 2009, einem vierten in New York 2009 sowie einem vierten in Boston 2010 trennte sich Ryan Hall vom Team Running USA, mit dem er in Mammoth Lakes (Kalifornien) trainiert hatte. Seitdem coacht er sich selbst. Mit seiner Frau Sara – ebenfalls eine sehr gute Langstrecklerin, die 2006 zum Beispiel Rang 26 bei den hochkarätigen Crosslauf-Weltmeisterschaften belegte – zog er nach Flagstaff, wo er in der Höhe trainiert.

Die Veränderungen schienen sich beim Boston-Marathon 2011 auszuzahlen, wo Ryan Hall jene sensationelle Zeit von 2:04:58 erreichte. Doch ein halbes Jahr später kam er dann in Chicago als Fünfter nicht über 2:08:04 hinaus. In Houston qualifizierte er sich nur gut drei Monate später im Januar 2012 als Zweiter der Trials für Olympia. Der Londoner Olympia-Marathon wird ihm alleine schon aufgrund der klimatischen Verhältnisse mehr liegen als das Rennen in Peking vor vier Jahren. Man darf gespannt sein, welche Leistung er am 12. August zeigen kann.

Das Wichtigste in Kürze

Nation: USA
Alter: 29 Jahre
Bestzeit: 2:04:58 Stunden (2011)

Größte Erfolge:
10. Olympische Spiele 2008
3. Boston-Marathon 2009, Vierter 2010 und 2011
4. New York-Marathon 2009
5. Chicago-Marathon 2011
5. London-Marathon 2008 und Siebter 2007

Olympia-Einschätzung:
Wenn es jemanden gibt, der die favorisierten Läufer aus Kenia und Äthiopien überraschen kann, dann am ehesten er: Ryan Hall. In einem olympischen Marathon ist vieles möglich, das hat man in der Vergangenheit immer wieder gesehen. Der US-Amerikaner hat das Zeug, in einem solchen Rennen in die Medaillenränge zu laufen. Dass er Schritt halten kann mit den Afrikanern hat Ryan Hall schon mehrmals bewiesen. Nicht zuletzt durch seine Tempoarbeit gab es beim Boston-Marathon 2011 die schnellsten je gelaufenen Zeiten. Allerdings tendiert Ryan Hall dazu, selbst zu viel Initiative zu ergreifen und dadurch Kraft zu verlieren – ähnlich wie viele Afrikaner. Läuft er taktisch klug, hat Ryan Hall in London eine Chance.

Olympische Spiele 2012 in London:

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