Stephen Kiprotich

Gefeierter Marathon-Olympiasieger bleibt kritisch

Stephan Kiprotich überraschte in London mit dem Olympiasieg im Marathon und wurde in Uganda ehrenvoll gefeiert und belohnt. Dennoch übt er Kritik am heimischen Sportsystem.

Stephen Kiprotich

Stephen Kiprotich bei der Siegerehrung des olympischen Marathons, die im Rahmen der Abschlussfeier der Spiele stattfand.

Bild: photorun.net

Begeisterte Menschenmassen und Regierungsvertreter empfingen gemeinsam mit seiner Familie den Marathon-Olympiasieger Stephen Kiprotich bei der Rückkehr nach Uganda auf dem Flughafen der Hauptstadt Kampala. Der 23-Jährige hatte sensationell die Goldmedaille bei den Spielen in London gewonnen. Vom Flughafen aus ging es für Stephen Kiprotich zu einem Empfang beim Staatsoberhaupt von Uganda, Yoweri Museveni.

Wie Medien in Uganda berichteten, erhielt Stephen Kiprotich vom Präsidenten Museveni einen Geldbetrag von umgerechnet 80.000 US-Dollar für den Olympiasieg. Yoweri Museveni soll persönlich angeordnet haben, dass der Läufer noch während des Empfanges die Summe als Bar-Scheck erhielt. Außerdem sorgte das Staatsoberhaupt dafür, dass Stephen Kiprotich, der als Gefängniswärter angestellt ist, befördert wurde. Die meiste Zeit ist der Marathonläufer allerdings ohnehin für das Training freigestellt.

„Ich ging vor dem Start davon aus, dass entweder ein Kenianer oder eine Äthiopier gewinnen würde“, erklärte Stephen Kiprotich. „Erst als ich über die Ziellinie lief, habe ich wirklich geglaubt, dass ich der Sieger bin.“

Stephen Kiprotich war trotz des Trubels um ihn auch kritisch gegenüber den Funktionären und Politikern seines Landes. „Ich will die Gelegenheit nutzen und dem Leichtathletik-Verband von Uganda sowie dem Sportminister eine Botschaft zukommen zu lassen: Das Problem, das wir haben, ist, dass es keine Sportstätten gibt. Es wurde immer wieder versprochen, welche zu erreichen – aber das ist nie passiert. Aufgrund dieses Problems war ich gezwungen, nach Kenia zu gehen“, sagte Stephen Kiprotich, der aus dem Ort Kapchorwa in der Nähe der kenianischen Grenze stammt. Der Olympiasieger lebt und trainiert im kenianischen Kaptagat in der Nähe von Eldoret. Sein Manager ist der Holländer Jos Hermens, dessen Athleten Trainingspartner von Stephen Kiprotich sind. Zu ihnen zählen zum Beispiel Emmanuel Mutai (Kenia), der 2011 den London-Marathon gewonnen hatte, bei Olympia jedoch nicht über Rang 17 hinausgekommen war, und der 5.000-m-Weltklasseläufer Eliud Kipchoge. „Ich verbringe die meiste Zeit in Kenia. Wenn ich nach Hause komme, dann eigentlich nur, um meine Familie zu besuchen“, sagte Stephen Kiprotich.

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