Marvin Running

Funktioniert Funktionstraining?

Ein Trainingskonzept, das alle drei Bewegungsebenen involviert: So etwas hieß mal Turnen, heute nennt man das Functional Training 3D. Ob’s das bringt?

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Drei Geräte, unendliche Qualen.

Bild: MeridianSpa

„Normalerweise reizt mich so ein modernes Gedöns ja gar nicht“, meint Herrchen, der in Sport- und Ernährungsfragen eher der Stein- als der Neuzeit vertraut. Aber weil das Ganze in der Wellnessoase seines Vertrauens angeboten wird, testet er das Hightech-Turnen doch mal an.

„Klingt jedenfalls bedrohlich“, zittere ich.

„Eigentlich eine clevere Geschäftsidee:“, findet er. „Man nimmt einen alten Sport und pimpt ihn mit neuen Elementen.“ Schon denkt er über Rollator-Rodeln, Jodel-Joga und Vibrator-Voltigieren nach.

MeridianSpa-Trainer Marcel führt uns in die Geheimnisse des Functional Trainings ein und verspricht „enorme Effekte“. Muss was dran sein: Sein Bizeps ist muskulöser als Herrchen Wade (nicht, dass die ein guter Maßstab wäre). „Ich kenne nichts“, meint Marcel, „was Kraft, Koordination, Körperhaltung und Balance ähnlich effektiv verbessert.“

Im Prinzip kämen diese Verbesserungen Herrchens Läuferkörper – physiologisch eher eine Mischung aus Beef Jerky und Stressfrakturen – sehr gelegen. Und die Geräte dazu sehen ja noch interessanter aus als das, was man bei Boris B. unterm Bett vermutet: Schlingen, Karabiner und viel Gummi. Als Otto Normaltrimmradschwitzer kennt man das höchstens aus diesen gruseligen TV-Shopping-Sendungen à la: ‚Ich weiß, womit du letzten Sommer trainiert hast.‘

Da wäre zum Beispiel ein Schlaufenseil namens ‚aeroSling‘. Damit macht Marcel aus Liegenstützen eine aeroDynamische Bauchmuskel-Marter.

Auch schön: Der ‚Bosu Ball‘. Ob der Erfinder diesem Ball seinen Namen gab? Im angelsächsischen Raum wäre das wohl eher peinlich: Denn Bosu Balls bläst man auf und hopst kräftig darauf herum.

Außerdem benutzt Marcel den ‚Gymstick‘ als Waffe bei diesem dreidimensionalen Schiffeversenken für muskuläre Dysbalancen.

Alle Geräte haben zwei Dinge gemeinsam: Sie trainieren erstens ganze Bewegungsketten statt isolierter Muskeln und sie zeigen uns zweitens leider, wieviel Körperbeherrschung wir nicht haben.

„Vielleicht ist da ja was dran an dieser Methode“, stöhnt Herrchen am Ende. „Kann sein, dass man sich ab und zu in den Hintern treten muss, etwas Neues zu probieren.“

„Mir reicht‘s“, keuche ich. „Aber wenn du’s brauchst: Den Tritt würde ich noch schaffen.“

Bekenntnisse eines Schweinehunds:

Wieviel Trendsport darf sein?