Marvin Running

Fit durch Schlafen

Marvin erfährt am eigenen Leib, dass auch 'bewusstes Schlafen' verdammt anstrengend sein kann.

Buddha

Yogis sollen ja zu erstaunlichen Dingen in der Lage sein. Herrchen will auch.

Bild: MeridianSpa

Yoga Nidra nimmt sich der Läuferleistung dort an, wo sie entsteht: Im Unterbewussten. Geht das?

Das Sportspaß-Smörgåsbord eines luxuriösen Fitness-Tempels ist gefährlich. Für Typen wie Herrchen, die alles ausprobieren müssen, ist es Gift. Fighten, Zumba, Trommeltänze, Functional Training, Stehpaddeln, unglaublich, was ich schon alles hinter mir habe. Und als wir heute den MeridianSpa Wandsbek betreten, ist Yoga Nidra dran.

„Nidra?“, frage ich.

„Das bedeutet ‚bewusster Schlaf‘“, meint er.

„Du meinst… Fitness durch Schlafen?“

„Bewusstes Schlafen, ja.“

Das wäre ja zu schön, um wahr zu sein! Und tatsächlich: In dem Yogaraum liegen einladende Matten, Decken und Kissen ausgebreitet. Meine Hoffnung, dass das hier eine gemütliche Veranstaltung wird, überlebt deren Beginn um etwa 20 Minuten. Dann haben wir die anfänglichen Entspannungsübungen hinter uns. Und das eigentliche Nidra geht los.

Pseudowissenschaftlich gesprochen soll man dabei einen „Alphawellenzustand“ erreichen. Das Hirn „schwingt“ dabei auf halber Kraft zwischen Wachsein und Traumschlaf. Also nicht Headbanging, aber eine Art Brainbanging für Schöngeister.

Ich finde es schwer, diesen Zustand zu halten. Man stelle sich ein Streichholz vor im Augenblick zwischen Anreißen und Entflammen. So nah ist man dem Wegdämmern. Und darf nicht. Yogis meinen, dieser Grenzgang zwischen Traum und Wirklichkeit sei wesentlich entspannender als Schlaf. Angeblich legen Shaolin-Mönche durch ähnliche Techniken (und nur vier Stunden Schlaf am Tag) die Basis für körperliche und geistige Höchstleistungen.

Kursleiterin Ambika beschwört Bilder, auf denen wir durch Alphawellen surfen: Wir werden schwer, wir schweben, wir stellen uns Gegenstände vor. Und dann wäre da noch „Sankalpa“: Ein Vorsatz, etwas, was wir erreichen wollen. Durch Nidra soll er im Unterbewusstsein wirksam werden. Ich zweifle. Das Unterbewusste ist ja mein Metier. Aber irgendwie bin ich hier außen vor.

Weil Herrchen gerade Zahnschmerzen hat, sankalpatert er sich, diese durch Selbstheilung zu lindern. So ein Quatsch.

Nach der Yogastunde ist er müde, gähnt dauernd und ist sportlich nicht ausgelastet. Der Zahnschmerz pocht.

Diese Nacht schlafen wir sehr tief. Am nächsten Morgen klingelt der Wecker um 4:15 Uhr. Herrchen fühlt sich ausgeschlafen, obwohl wir gestern Abend noch aus waren. Weil Mittwoch ist, laufen wir vier Alsterrunden vor der Arbeit. Leicht und entspannt. Die Zahnschmerzen sind immer noch da. Aber sie scheinen abzuklingen.

Eine Präsentation am Nachmittag verläuft phantastisch. Am nächsten Tag ist der Zahnschmerz deutlich geringer, fast weg.

„Alles Zufall!“, meine ich.

„Wer weiß?“, antwortet er. „Was sankalpatern wir als nächstes?“

Au weia. Jetzt wird sogar noch das Faul-Auf-Der-Haut-Liegen zweckentfremdet. Ich habe es wirklich nicht leicht.

Mehr von Marvin im Buchhandel - auch als Ebook für Kindle und iPad.

Bekenntnisse eines Schweinehunds:

Weihnachtslauf

Abnehmen

Beim Schlafen Kalorien verbrennen?

Schlafende Läuferin
Es heißt, wer Muskeln hat, verbrennt auch Kalorien im Schlaf. Aber... mehr