Lauf der Woche

Feigheit vor dem Feind

Bei der Tübinger OB-Wahl stellte die CDU keinen eigenen Kandidaten. Beim Dauermaislaufen gibt ihr Dieter Baumann den Tipp: Wenn man nicht trainiert, dann kommt auch keine gute Leistung zustande.

Boris Palmer

Der alte und neue Oberbürgermeister von Tübingen Boris Palmer auf seinem E-Bike.

Bild: Gudrun de Maddalena

Lauf der Woche
Montag 20.10.2014
Tübingen
Therapiestundenwahlmaislauf


Ich melde mich vom Dauermaislaufen mit Radbegleitung. Nein, es geht noch nichts. Kein Laufschritt – halt doch: in Bad Münder, vergangenen Sonntag. Aber, jetzt brauche ich eine Woche Pause. Deshalb: Radfahren. Viele haben mir geschrieben, ob ich denn jetzt nur noch im Maisfass bade. Oder: Ob das auch Training sei. Die Antwort: Nein! Es ist kein Training sondern Therapie – also das Maistreten. Radfahren ist dann Training.

Beides, die Therapie und das Radfahren, bringt mich zum (Wettkampf) Wahlkampf der Woche. Hier in Tübingen hatten wir nämlich am letzten Sonntag OB-Wahltag. Und der immer noch recht junge Spund, Boris Palmer, hat gewonnen. Unser alter OB ist also wieder der neue OB. Mit Radfahren hat das deshalb zu tun, weil der Kerl jede Dienstfahrt mit dem Rad absolviert. Neulich hetzte ich mit dem Rennrad den Nordring hoch, um mich für meinen Laufeinstieg 2015 fit zu halten – und ja, liebe Freunde der Laufkunst, ich bin fit! Ich werde wiederkommen! – also ich hetzte da hoch und wer überholt mich? OB Palmer beim Wahlkampf. Gut, er fährt auch E-Bike.

Am Anfang hielten das viele für einen Skandal. Ein OB ohne Auto. Jetzt ist er wiedergewählt. Und wie! Im französischen Viertel, das der Spiegel einmal als „grüne Hölle von Tübingen“ bezeichnete, holte er 83 % der Stimmen.

Der Kreisvorsitzende der CDU diktierte daraufhin in den Presseblock: „Mir bleibt die Stimme weg“ und er wurde vom Tübinger Tagblatt als „sichtlich erschüttert“ beschrieben. Ganz ehrlich, ich habe das nicht verstanden. Wie kann man sichtlich erschüttert sein und das ohne Stimme, nur weil Palmer gewonnen hat?

Die CDU hat doch gar nicht mitgemacht! Ok, das mit der „Stimme wegbleiben“ kann schon passieren, wenn man bei Wettkämpfen nur Zuschauer ist und rumschreit. Die einen schrien für die parteilose Herausforderin Beatrice Soltys, die anderen fanden den Palmer („auch wenn ich dafür aus der Partei ausgeschlossen werde“) ganz gut. Die allermeisten versteckten sich aber vor lauter Angst im Schlossgraben. Ja liebe Freunde der CDU aus Baden Württemberg, was in Tübingen ablief, war Feigheit vor dem Feind. Kurzum: die CDU hatten Angst vor einer (Wahl-)Niederlage und eventuellen Auswirkungen auf die Landespolitik. Und ich frage mich, was passieren würde, wenn bei einem Lauf jeder der Athleten zur Ein- und Ansicht kommen würde: „Gegen Mo Farah habe ich eh keine Chance und nehme nicht teil.“ Würde Mo Farah dann allein laufen? Wie auch immer, von Wettkampf keine Spur mehr.

Und noch etwas aus dem Sport: wenn man nicht übt, wenn man nicht trainiert, dann kommt auch keine gute Leistung zustande. Wahlkampf (Wettkampf) muss man üben, auch die CDU. Das tut sie hier im Ländle schon lange nicht mehr.

Für diese Therapiestunde liebe CDU, darf ich doch eine Rechnung schreiben, oder?

Bild: privat

Dieter Baumann, die Götter und Olympia - Termine 2014

• 23. Oktober 2014 Hannover / Herbstevent KKH
• 24. Oktober 2014 Staufenberg
• 8. November 2014 Grünkraut / Kulturforum
• 21. November 2014 Stuttgart-Degerloch / Kickers-Clubrestaurant
• 22. November 2014 Schleiden / Kursaal
• 26. November 2014 Delmenhorst / Divarena

Dieter Baumann: Lauf der Woche:

Nur die ganz großen Deppen verlet...