Das große Interview

Falk Cierpinski läuft New-York-Marathon

Falk Cierpinski, in 2:17:25 Stunden bester Deutscher beim Berlin-Marathon, startet nur fünf Wochen später auch noch beim New-York-Marathon am 2. November. Das große Interview.

Falk Cierpinski

Falk Cierpinski läuft am 2. November den New-York-Marathon.

Bild: Privat

RUNNER’S WORLD: Jetzt also noch der New-York-Marathon? Nur fünf Wochen nach Berlin. Was hat Dich dazu bewogen?

Falk Cierpinski: Ich wollte eigentlich schon immer einmal den New York-Marathon laufen. Ein Kindheitstraum sozusagen. Und wenn ich schon nicht live dabei war, war der entsprechende Novembertermin jährlich geblockt, um vorm Fernseher bei Kaffee und Kuchen das Rennen mitzuverfolgen.

Außerdem reizt es mich, mal etwas Anderes zu machen. Und da dieses Jahr für mich ein „Zwischenjahr“ ist, bot es sich einfach an, da mal anzufragen. Wäre ich bei den Europameisterschaften im Sommer in Zürich gestartet, wäre das nicht möglich gewesen, da aber unser EM-Team geplatzt ist, war der Herbst für Neues frei.

RW: Also stand es schon vor dem Berlin-Marathon fest, dass Du auch in New York startest?

Cierpinski: Ich bin erst relativ spät in die Marathonvorbereitung für Berlin eingestiegen, Fußprobleme hatten mir keine andere Wahl gelassen, von daher wusste ich zunächst nicht ob so ein Doppelstart realistisch wäre. Aber als ich merkte, dass die Leistung sich entwickelte, habe ich über den Berliner Race director Mark Milde in New York anfragen lassen, ob auch dort ein Start im Elitefeld möglich wäre. Und da von dort das Okay kam, wollte und will ich dieses Angebot natürlich jetzt nutzen.

RW: Also startest Du in New York mit den Stars aus der ersten Reihe?

Cierpinski: Darum ging es mir. Einfach nur so in New York mitlaufen, das kann ich auch mit 50 Jahren noch. Aber die Chance zu haben, beim spektakulärsten Marathon der Welt im Elitefeld mitzulaufen, da geht ein Traum in Erfüllung. Ich mache das ja auch nicht, um da Geld zu kassieren, nein, ich bekomme da gar nichts, zahle sogar meine Flüge selbst, es geht mir einfach um die tolle Atmosphäre, das einzigartige Erlebnis.

RW: Es drängt sich natürlich trotzdem die Frage auf, was ist in New York aus sportlicher Sicht möglich? Zu verlieren hast Du nichts.

Cierpinski: Aus sportlicher Sicht ist es zuerst einmal ein Wagnis. In fünf Wochen zwei Marathons auf Topleistung zu laufen, ist ja nicht die Normalität. Aber ich bin auch schonmal zwei Marathons innerhalb von nur zwei Wochen gerannt, 2007 erst Berlin, dann München, und das ist auch gut gegangen. Man darf sich halt nach dem ersten Marathon nicht gehen lassen, sondern sehr bewusst die Regeneration gestalten. Nach dem Berliner Rennen bin ich sofort aufs Rad gestiegen und auch die Tage danach in Bewegung geblieben, habe „Eiskuren“ gemacht, eben alles, was man tun muss, um nach zwei Wochen wieder fit zu sein. Und das hat funktioniert. Ich traue mir also eine ähnliche Leistung wie in Berlin zu. Was das umgerechnet in eine entsprechende Endzeit bedeutet, weiß ich nicht. Die New Yorker Strecke ist doch schwerer als die Berliner Strecke. Es gibt ja Topathleten, wie den Japaner Kawauchi, die Monat für Monat Weltklasseleistungen abliefern, also menschenmöglich ist das allemal.

RW: Hast Du zwischen den beiden Marathons nur regenerativ trainiert, oder belastest Du Dich im Training auch?

Cierpinski: Vier bis fünf Tage bin ich gar nicht gelaufen, habe Rad gefahren und geschwommen, dann mit lockeren Dauerläufen begonnen, zunächst nur einmal pro Tag, dann auch wieder zweimal täglich. Ab und zu habe ich weiterhin die zweite Laufeinheit auf dem Rad ersetzt. In den Wochen drei und zwei vor New York – also jetzt – habe ich die Belastung nochmal hochgefahren. Aber die intensiven Laufreize sind nicht übertrieben, ich versuche nicht schneller als vor Berlin zu laufen. Um es auf den Punkt zu bringen: das Berliner Niveau wird in New York da sein.

Am 2. November werden beim New-York-Marathon wieder mehr als 45.000 Läufer starten.

Bild: Norbert Wilhelmi

RW: Und in Berlin musstest Du ja zwischendurch auch einmal auf Toilette, das hat etwa eine Minute Zeit gekostet, also wären statt 2:17 eigentlich 2:16 Stunden möglich gewesen? Läufst Du in dem Zeitbereich in New York bist Du zwischen Platz zehn bis 15 dabei. Das wäre ein Achtungserfolg, oder?

Cierpinski: Ich habe mich mit der Konkurrenz noch gar nicht auseinandergesetzt. Im Elitefeld sind über vierzig Männer gesetzt, das sagt ja schon einiges über die Qualität des Rennens aus.

RW: Die beste deutsche Platzierung in New York erzielte Herbert Steffny 1984 als Dritter, bei Hitze. Damals eine Riesenüberraschung. Steffny reiste mit einer Bestzeit von 2:14 Stunden an. Vielleicht bist Du ja auch für eine Überraschung gut?

Cierpinski: Die Zeiten sind heute andere. Der New York-Marathon gehört zu den World Marathon Majors, von daher ist die Dichte des Elitefeldes extrem hoch, das war Mitte der achtziger Jahre noch anders. Dass ein Deutscher nochmal Dritter in New York wird, ist doch sehr unwahrscheinlich. New York soll mir aber auch mehr bieten, als die reine Jagd nach Bestzeiten, ich will vor allem in einem internationalen Elitefeld weitere Erfahrungen sammeln!

RW: Was kommt nach New York? Wie geht’s 2015 weiter?

Cierpinski: Das weiß ich auch noch nicht genau ... Ob ich einen Frühjahrsmarathon renne oder nicht, steht noch nicht fest. Auch die Unterstützungen von Verbandsseite ist nicht gesichert, aber eines ist gewiss: Ich setze weiter auf die Karte Leistungssport. Und ich will im kommenden Jahr auch nochmal meine Bestzeit angreifen (2:13:30 h, Anm. d. Redaktion).

RW: Und wovon hängt ab, ob Du einen Frühjahrsmarathon läufst, oder nicht?

Cierpinski: Ich will erst einmal abwarten, wie New York läuft und wie ich danach wieder ins Training komme. Erst danach entscheide ich, ob ich mich im Frühjahr vielleicht erst einmal nur auf die zehn Kilometer und den Halbmarathon konzentriere, oder das auch noch in einen Frühjahrsmarathon gipfeln kann.

RW: Aber noch einmal gefragt: Deine Profikarriere ist für 2015 gesichert?

Cierpinski: Ja. Egal, was passiert, in New York zum Beispiel, und unabhängig von einer Kaderzugehörigkeit, ich mache weiter! Ich will und werde nochmal angreifen…

RW: Viel Erfolg in New York!

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