Hunderte Kilometer durch Wüsten

Extremläufer Rafael Fuchsgruber im Interview

RUNNER’S-WORLD-Redakteur sprach mit Rafael Fuchsgruber. Der Extremläufer ist spezialisiert auf mehrere Hunderte Kilometer lange Rennen durch Wüstengebiete.

Extremläufer Rafael Fuchsgruber im Interview

Seine Leidenschaft führt Rafael Fuchsgruber in spannende Regionen überall auf der Welt und zu den unterschiedlichsten Menschen.

Bild: PR

Im März 2014 hattest Du für RUNNER’S WORLD letzten März über das lange Nonstop-Rennen in der Sahara berichtet. Ruhe ist ja bei Dir danach nicht eingekehrt, Knieoperation überstanden, Buch geschrieben, Start eines neuen Rennens über 520 km in Australien ist in Planung. Es war ganz schön viel los bei Dir in letzter Zeit!

Rafael Fuchsgruber:
Stimmt – es gab aber eine andere Planung. Die Knieoperation war seit Anfang 2014 absehbar. Ich wollte aber unbedingt noch das Oceanfloorrace mit seinen 260km machen, da mich diese Aufgabenstellung extrem gereizt hat und alles bisher Dagewesene getoppt hat. So war es auch. Diese Riesenentfernung nonstop bei gemessenen Tagestemperaturen von 50,4° in der Spitze – das war definitiv ein Highlight.

Da es dem Knie danach immer noch nicht besser ging (grins) war die Operation fällig. Als mein Chirurg Dr. Ritz im Knie drin war, musste er leider doch ein wenig mehr wegnehmen als nur den Innenmeniskus. Er hat das gut gemacht, aber der Eingriff war doch ein wenig massiver und so dauerte es sieben Monate bis ich wieder laufen konnte. Zwischendurch sah es für mich auch mal so aus, dass es mit dem Laufen der Ultras vorbei sein könnte. Aber Krankheitsgeschichten sind nur für die Lebensabschnittsbetroffenen, sprich Familie und den „Künstler“ selber interessant. Es war ne lange, teilweise nachdenkliche Zeit und wir! haben sie besser hinbekommen, als alle befürchtet hatten.

Das Buch "Running wild" von Rafael Fuchsgruber und Ralf Kerkeling.

Bild: Delius Klasing

War das der Grund für das Buch „Running wild“?

Rafael Fuchsgruber:
Gar nicht mal. Es war für mich immer klar, dass ich an Silvester 2014 das Buch abgeben werde – mit oder ohne Knie. Da das Buch sich verhältnismäßig einfach schreiben ließ, war das eh kein Problem. Ich meine damit: es ist eine Autobiografie. Es geht erstaunlicherweise um mich und da kenn’ ich mich aus.

Was sind die zentralen Inhalte im Buch?

Rafael Fuchsgruber:
Die Geschichten handeln natürlich von über zehn großen Ultrarennen in den Wüsten dieser Welt oder auch mal im Dschungel. Es geht um Kindheit, Liebe, Gewalt, die Zeit als DJ, meine Konzerte mit Künstlern wie Ed Sheeran, um meine Alkoholprobleme, den Verdacht auf Herzinfarkt mit Anfang 40 und den daraus resultierenden kompletten Neustart. Alkohol und Kippen kamen auf den Müll – Laufschuhe dafür an die Füße. Es ist die Geschichte von einem, der sich gründlich die Flossen verbrannt, aber dennoch die Kurve gekriegt hat. Der klassische Underdog.

Und Du warst Silvester tatsächlich fertig?

Rafael Fuchsgruber:
An Silvester war ich fertig. Die Zeit des Schreibens war eine Gute und als ich auf die Taste ‚Senden‘ gedrückt habe, war das mit dem Gedanken: So jetzt raus mit dir. Wie ein Kind, das erwachsen geworden ist und nun seinen Weg finden wird. „Running wild“ schlägt sich gut da draußen in den Buchcharts. Papa ist sehr überrascht und hätte dem „Baby“ gar nicht so viel zugetraut. Zuletzt war ich sogar auf Platz 1 in den Amazon Charts in der Kategorie Running. Das Feedback von Menschen, die das Buch gelesen haben und sehr genau auf Parallelen zu ihrer eigene Lebensgeschichte eingehen, ist wirklich unerwartet und manchmal sehr emotional. Es ist mein erstes Buch und sowas ist für mich noch Neuland. Kriegen wir aber hin.

Das nehm ich auf: Wie kriegt man das alles hin?

Rafael Fuchsgruber:
Ich habe das Glück fast nur Dinge zu tun, die mir sehr viel Spaß bringen. Das macht alles sehr vieI leichter. Ich habe seit über zwanzig Jahren meine Agentur für Konzerte und Künstlermanagement. Musik war immer meine große Leidenschaft. Die Firma ist bei uns auf einem ehemaligen kleinen Bauernhof. Sprich Leben und Familie, Arbeiten und Training finden am gleichen Ort statt. Durch die Rückendeckung meiner Mitarbeiter bin ich relativ flexibel. Konzerte machen sehr viel Arbeit, aber ich finde Lücken, die ich sofort mit Familie oder Training ausleben kann. Das blöde am Bauernhof ist nur, dass er so alt ist und immer was kaputt ist. Keine Zeit und handwerkliche Fähigkeiten unter Mittelmaß sind da natürlich ein Handicap. Ab und an tropft ne Dachrinne schon mal vier Wochen lang. In der Familie sind wir auf derselben Spur unterwegs. Meine Frau Ute läuft ebenfalls im Ultrabereich und somit bleiben uns Unstimmigkeiten zum Thema Laufen „…und wo bleib ich Schatz?“ erspart. Das geht Hand in Hand und auch morgens um 5.30 Uhr. Wie bei anderen Sportlern auch. Unter uns: Im Wald Rehe erschrecken um 5.30? Das bin immer ich. Dinge wie Fernsehen, Kneipe oder intensives soziales Netzwerken fallen aus und manchmal bin ich abends so müde, da gehe ich sogar vor unserem Hund ins Bett.

Du willst für RUNNER’S WORLD über das 520-km-Rennen in Australien berichten: The Track.

Rafael Fuchsgruber:
Oh ja! Das hat was schwer Symbolisches, da der Start auf den Tag zwölf Monate nach der Knie-OP ist. Das musste einfach sein, zumal es auch der einzige Kontinent ist, auf dem ich noch keinen Extremlauf gemacht habe. Da ich kein Rennen zwei Mal mache, wird die Auswahl immer enger zum Thema Wüsten. Der Lauf ist wahrscheinlich ein wenig heftig für mich und ich werde nicht rechtzeitig so fit sein, wie ich es gerne hätte. Die Pause von sieben Monaten braucht eine längere Aufbauphase, als wir gedacht hatten. Physio und Doc meinen, dass hätte evtl. was mit meinem Alter von 53 Jahren zu tun. Ich hab ihnen dann nochmal erklärt, dass das totaler Unsinn ist. Frank Schmähling und Christian Bils sind die Besten. Klar dauert es länger – will aber keiner wissen.

Uluru

Bild: PR

Der Uluru ist das Ziel nach 520 Kilometern durch Australien.

Was ist das für ein Rennen in Australien?

Rafael Fuchsgruber:
The Track ist der Hammer: 520 km von Alice Springs zum Uluru (Ayer’s Rock) durch das Australische Outback. Das Ganze in neun Etappen in Selbstverpflegung. Wir haben alles im Rucksack dabei und der Veranstalter stellt nur Wasser und Zelte im täglichen Camp. Es werden 24 Teilnehmer starten. Je spezieller die Rennen werden, desto kleiner das Feld. Ich mag das, da man wirklich allein im Outback unterwegs sein wird. Zudem kenne ich viele der Teilnehmer bereits aus anderen Rennen. Über die Jahre sind wir immer in Kontakt. Allerdings durch die Welt: vom Libanon bis nach Mexiko oder Korea nach irgendwo. Man trifft sich in der Wüste Gobi, im Dschungel Costa Ricas oder in Kamerun. Richtig prachtvoll wird es am Schluss des Rennens. Nachdem wir schon 400 km gelaufen sind, steht die Königsetappe mit 127 km auf dem Plan. Ich kann das jetzt schon spüren und es macht mich wieder unruhig. Rennpferd bleibt Rennpferd – auch wenn ich gerade noch mehr Ackergaul bin.

Du sprichst auf Deinen Trainingsstand an?

Rafael Fuchsgruber:
Mehr Training dafür wäre schön gewesen. Ich stehe gerne an der Startlinie mit gemachten Hausaufgaben. Ansonsten ist die Entfernung schon eine neue Dimension in Sachen Herausforderungen. Wenn wir sonst während einer knappen Woche 250km in der Wüste laufen, sind wir am Ende platt und froh im Ziel zu sein. Hier geht das Rennen in real erst bei Kilometer 300 los und die Hälfte der Strecke haben wir vielleicht bei der Marke 380 km erreicht. Verlierst du normalerweise in einer Woche Wüste 2-5 Kg Körpergewicht, stellt sich hier die Frage: Wie viel Gewicht willst Du hier verlieren und wie viel hast du dabei. Gehe ich sonst mit 70kg an den Start werde ich darauf achten, dass es in Australien mehr ist.

Es stellen sich also ungewohnte, auch für Dich neue Herausforderungen bei dem Rennen?

Rafael Fuchsgruber:
Dazu kommt ja noch ein blödes Thema: Im Outback leben einige der giftigsten Schlangen und Spinnen. Normalerweise sind Schlangen in den Wüsten längst weg, bevor du kommst. In Australien gibt es aber Exemplare, die ihr Territorium verteidigen und Dich vom Boden oder aus den Büschen angreifen. Da finde ich es gerade wieder gut, dass ich noch nicht ganz fit bin. Es besteht keine Gefahr, dass ich ganz vorne laufe. Da ist es gefährlicher mit dem Viehzeug. Anyway – das wird ein Riesenspaß und ich bin heilfroh, dass ich nach einem Jahr endlich wieder laufen kann.

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