Düsseldorf-Marathon

Erfolgreiches Marathondebüt für Anna Hahner

Anna Hahners erfolgreiches Marathondebüt beim Düsseldorf-Marathon weckt Hoffnungen für die Zukunft.

Düsseldorf-Marathon 2012 Bilder
Anna Hahner

Anna Hahner im Ziel beim Düsseldorf-Marathon 2012.

Bild: Norbert Wilhelmi

Keiner der deutschen Männer, die sich Hoffnungen auf Olympia machten, sondern Anna Hahner stand am Sonntag im Mittelpunkt des nationalen Interesses. Die 22-Jährige lief ein gelungenes Debüt beim Metro Group Marathon Düsseldorf. Zwar verpasste Anna Hahner (Run2Sky.com) als Sechste in 2:30:14 Stunden die deutsche Olympianorm um 14 Sekunden, doch vielleicht bekommt sie trotzdem die Chance, am 5. August in London zu starten.

Während es bei den Frauen nun auch für die Zukunft Hoffnung gibt, steckt der deutsche Männer-Marathon weiter in der Krise. Erneut wird am 12. August in London ein olympisches Rennen ohne deutsche Beteiligung gestartet. Aus unterschiedlichen Gründen scheiterten die vier Kandidaten – André Pollmächer (Rhein Marathon Düsseldorf), Jan Fitschen (TV Wattenscheid), Falk Cierpinski (SG Spergau), Martin Beckmann (LG Leinfelden-Echterdingen) – an der Qualifikation. 2:12:00 Stunden, eine international nicht einmal mehr zweitklassige Zeit, waren gefragt. Seit zwölf Jahren hat sie kein deutscher Läufer mehr erreicht.

Ist bei den Männern kein Ende der Misere abzusehen, sieht es bei den Frauen wie seit vielen Jahren besser aus. Neu ist dabei, dass sich auch für die Zukunft etwas abzeichnet: Denn Anna Hahners Marathondebüt lässt hoffen – und das gleich in doppelter Hinsicht, denn Annas Zwillingsschwester Lisa plant ebenfalls ein Marathondebüt. Beide bewegten sich bisher stets auf einem fast identischen Leistungsniveau.

Für Lisa und Anna Hahner (rechts) liegt die Zukunft auf der Marathondistanz.

Bild: photorun.net

Vielleicht können die Hahner-Zwillinge in der Zukunft auch international eine Rolle spielen über die klassische Distanz und damit anknüpfen an sehr erfolgreiche Jahrzehnte des deutschen Frauen-Marathons. Läuferinnen wie Christa Vahlensieck, Charlotte Teske, Uta Pippig, Katrin Dörre-Heinig, Sonja Oberem, Luminita Zaituc oder aktuell Irina Mikitenko zeigten über Jahre hinweg hochklassige Leistungen. Während die zweifache World Marathon Majors-Siegerin Irina Mikitenko (SC Gelnhausen) in diesem Jahr noch 40 wird, ist die zweite deutsche Olympia-Starterin, Susanne Hahn (SV schlau.com Saarbrücken) auch schon 34. Sabrina Mockenhaupt (LG Sieg/31) konnte ihr vielversprechendes Potenzial bisher im Marathon noch nicht richtig umsetzen und will deswegen bei Olympia über 10.000 m starten.

Insofern bringt Anna Hahners Marathondebüt zur richtigen Zeit Bewegung in die deutsche Frauen-Marathonszene. Es wäre überraschend, wenn der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) sie nicht zumindest beim Deutschen Olympischen Sport-Bund (DOSB) für eine London-Nominierung vorschlagen würde. Der DOSB ist in der Regel streng bei den Nominierungen, doch ihr Alter und das solide Marathon-Debüt könnten die Funktionäre überzeugen.

„Ich bin sehr zufrieden mit meinem Debüt. Aber ich weiß nicht genau, wo die 14 Sekunden geblieben sind, die zur Norm fehlen“, erklärte Anna Hahner. „Ich habe die Hoffnung auf eine Nominierung noch nicht ganz aufgegeben. In London bei Olympia zu starten, das ist ein Traum.“

So lange träumt Anna Hahner aber noch gar nicht von Erfolgen im Laufsport. Denn erst relativ spät, mit 17 Jahren, kam sie zum Laufen. Das war damals ein Zufall. Denn sie ging mit ihrer Schwester zu einem Vortrag des Musikers und Freizeit-Ausdauersportlers Joey Kelly in Fulda, der nächstgrößeren Stadt in der Umgebung ihres Heimatortes Rimmels. Es ging unter anderem um das Thema Motivation, und dabei spielte das Laufen eine Rolle. „Das hat uns damals derartig motiviert, dass wir mit dem Laufen anfingen. Zunächst rannten wir dreimal in der Woche für rund 30 Minuten“, erzählt Anna Hahner. „Dann entdeckten wir, dass es Volksläufe gibt. Wir gingen an den Start – oft waren es 10-km-Rennen – und gewannen die Frauenwertung. Manchmal liefen wir auch Hand in Hand ins Ziel.“

Sport hatten Anna und Lisa Hahner schon als Kinder betrieben, allerdings keinen Ausdauersport. Mit Tischtennis begannen sie als 8-Jährige. Für den TTC Mittelaschenbach spielten sie dabei in der höchsten Jugend-Liga – im Einzel als auch im Doppel. Mit elf Jahren begannen die Geschwister mit Jujutsu und brachten es dann in der Kampfsportart bis zum Braunen Gurt, der zweithöchsten Kategorie. Dann kam der Laufsport.

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Foto: Heinz Schier

Nach einem Halbmarathon in Bad Hersfeld, bei dem sie als 17-Jährige 1:29 Stunden rannten, wurden sie von einem Trainer angesprochen und schlossen sich schließlich Grün-Weiß Kassel an. Als 2008 die Deutschen Jugendmeisterschaften als Testwettkampf für die WM 2009 im Berliner Olympiastadion stattfanden, wurde Anna Hahner über 3.000 m Zweite. „Lisa konnte damals nicht starten, aber sie war dabei. Es war faszinierend in dem Stadion zu rennen.“ Dieses Erlebnis war ein Knackpunkt für die damals 18-Jährigen und eine große Motivation für die weitere Entwicklung. In Trainingslagern des hessischen Verbandes lernten sie dann Wolfgang Heinig kennen. Der erfahrene Marathoncoach, der früher unter anderen seine Frau Katrin zu großen internationalen Erfolgen geführt hatte und auch als Bundestrainer tätig war, ist seit 2012 ihr Trainer.

„Wir wussten zunächst einmal nichts von dem Hintergrund von Wolfgang Heinig, aber das haben wir dann schnell herausgefunden“, erzählt Anna Hahner und fügt hinzu. „Marathon hat mich schon immer fasziniert. Durch den Trainerwechsel zu Wolfgang Heinig bin ich da etwas eher hingekommen als ursprünglich gedacht.“ Entsprechend gut vorbereitet war Anna Hahner auf das Rennen in Düsseldorf. „Der vielzitierte ,Mann mit dem Hammer‘ kam bei mir nicht vorbei“, sagt die 22-Jährige, die sich in der Zukunft deutliche Steigerungen zutraut. „Aber ich setze mir generell keine bestimmten Grenzen.“ Zu dieser Aussage passt auch das Vorbild, das Anna Hahner nennt: Mary Keitany. Die kenianische Weltrekordlerin im Halbmarathon und über 25 km, die vor acht Tagen den London-Marathon gewann und die olympische Gold-Favoritin ist, hat sie während eines Trainingslagers in Kenia kennen gelernt. „Ich habe mit Mary zusammen Athletik-Training gemacht und war sehr beeindruckt von ihr.“

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