Toms Top Ten

Emotionen beim ersten Lauf

Draußen durch die Gegend zu traben stellen sich viele langweilig und anstrengend vor. Dass es noch viel schlimmer sein kann, zeigt dieser Gefühlscocktail eines Laufanfängers.

Emotionen

Laufanfänger: Laufen oder nicht Laufen, das ist hier die Frage.

Bild: Tom

10. Aufschieben: Langsamer als vor dem ersten Lauf hat man sich noch nie umgezogen. Ist man endlich fertig, checkt man noch schnell die Emails und ordnet die Schuhe im Regal neu. Als sich Gedanken an Keller aufräumen und Fenster putzen ankündigen, schleicht man seufzend aus der Haustür.

9. Zweifel: Wie langsam oder schnell soll man denn laufen? Alles fühlt sich falsch an. Angeblich hat jeder Mensch ein Wohlfühltempo. Aber was tun, wenn das lieber Cabrio fährt?

8. Peinlichkeit: Wie konnte man sich nur diese Rettungsbojenoptik-Wäsche andrehen lassen? Wenigstens passt die zur Gesichtsröte. Ganz blöde Idee, im eigenen Wohngebiet zu laufen. Wüste Gobi wäre besser gewesen, da sind weniger Leute.

7. Langweile: Purer Stumpfsinn lähmt das Empfinden. Alle dreißig Sekunden schaut man auf die Uhr. Die Zeit nervt. Man könnte sie totschlagen.

6. Beklemmung: Dieses Schlabbern in den Backen ist bestimmt nicht normal. Dabei zerrüttet das Bindegewebe ja schneller als Mettigel beim Bullenreiten. Aus dem Kragen der Laufjacke improvisiert man einen Gesichts-BH.

5. Auftrieb: Ja! Endlich jemanden überholt! War zwar nur ein Knirps auf dem Laufrad, doch verblasen ist verblasen. Die Beckerfaust hätte man sich vielleicht verkneifen sollen, aber die Freude war zu groß.

4. Entsetzen: Dieser Spurt hat unerwartet viel Kraft gekostet. Alles, was man von nun an als freundlichen Laufimpuls in die Beine sendet, schmeißen die mit Pflasterstein und Molotow zurück. Im Körper eskaliert der Ausnahmezustand. Es fühlt sich entsetzlich an.

3. Moralische Zerstörung: Da kommt ein Nachbar entgegen. Jetzt bloß dynamisch wirken. Trotzdem, der schaut gar nicht anerkennend, bloß mitleidig. Und dann überholt einen auch noch dieser Knirps auf seinem Laufrad und streckt dabei die Zunge raus.

2. Abscheu: Endlich zuhause! Keinen Schritt weiter! Der Atem kreischt wie ein Punk-Groupie. Das ist schrecklicher als Waterboarding. Nie wieder!

1. Mit der Erholung kommt die Wende: Oh, man ist ja sooo stolz! Es war ja eine sooo unglaubliche Erfahrung! Wie im Rausch redet, schreibt, postet und textet man darüber und arbeitet einen Fünf-Jahres-Trainingsplan aus.

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