Dieter Baumann

Einmal Frankfurt-Marathon im Cabrio

Beim Frankfurt-Marathon legte Dieter Baumann 42 Kilometer im Cabrio zurück – sein ganz spezieller "Lauf der Woche".

Dieter Baumann in Frankfurt

Dieter Baumann im Cabrio in Frankfurt.

Bild: Norbert Wilhelmi

Lauf der Woche
Sonntag, 31. Oktober 2010
Frankfurt
2:05 Stunden Fahrt im Cabrio


Tadesse Tola aus Äthiopien liest keine RUNNER'S WORLD. Ansonsten hätte er die Wettkampftipps von Martin Grüning besser beachtet.
1. Fühlst du dich bei Halbmarathon toll: warten!
2. Fühlst du dich bei 30 Kilometer toll: warten!
3. Fühlst du dich bei 35 Kilometer toll: marschieren!

Die Spitzengruppe beim Frankfurt Marathon am vergangenen Sonntag war noch dicht beisammen. Ein Tempomacher verrichtete treu und wie ein Schweizer Uhrwerk seine Dienste. Sechs Mann waren dicht beisammen, das Tempo unglaublich hoch (rund um drei Minuten auf den Kilometer) und sie waren kurz vor Kilometer 30.

Plötzlich zog Tola an. Es war keine unmerkliche Tempoverschärfung – langsam und zäh – nein, es war ein Zwischenspurt. Sofort ließen alle den Mann aus Äthiopien ziehen. Alle bis auf Wilson Kipsang aus Kenia, der lief völlig ungerührt hinter Tola her. Doch der Zwischenspurt dauerte nicht lange, nach nur 200 Meter war alles vorbei. Das Tempo verringerte sich, die zurück gefallende Gruppe lief wieder zu den zwei Führenden auf und der Tempomacher ging abermals an die Spitze des Feldes. Schließlich sollte er die Spitzengruppe bis Kilometer 32 bringen.

Doch schon nach wenigen hundert Metern kam der zweite Antritt von Tola – wieder hängte sich Kipsangs ungerührte an seine Fersen und wieder lies der Rest die zwei Kontrahenten ziehen. Zweihundert Meter später nahm Tola wieder den Gang raus. Doch diesmal kehrte der Tempomacher nicht mehr an die Spitze zurück – er war ausgestiegen und von diesem Moment begann der eigentliche Wettkampf. Nach wenigen Minuten waren alle wieder beisammen, ja ich hatte den Eindruck Tola hatte nur darauf gewartet, dann folgte der dritte Zwischenspurt. Tola testet im wahrsten Sinne des Wortes die Mitläufer und bekam immer die gleiche Antwort, auch beim dritten Angriff: Wilson Kipsang war bereit. Alle fielen zurück, nur der Kenianer nicht. Und nach diesem dritten Zwischenspurt war auch Tadesse Tolas Spiel zu Ende.

Offensichtlich liest Kipsang RUNNERS WORLD. Denn bei Kilometer 33 erhöhte der Kenianer das Tempo, ohne Zwischenspurt und Firlefanz. Unmerklich und zäh! Tadesse Tola konnte nicht mehr folgen und heraus kam eine Weltklassezeit für Wilson Kipsang beim Frankfurt Marathon von 2:04:57 Stunden. Einfach sagenhaft.

Mit viel Geduld gelaufen – lange gewartet und dann vollendet. Ich war unmittelbar dabei, im Fernsehcabrio des hessischen Rundfunks. Zur Rennentscheidung waren wir mit unseren Kameras nur 10 Meter von den zwei Protagonisten entfernt. Deshalb ganz klar – 42 Kilometer Cabriofahrt – mein Lauf der Woche.

Dieter Baumann: Lauf der Woche:

Fahrtspiel im heißen Herbst

Sensationelle Siegerzeiten

Frankfurt besser als Berlin

Wilson Kipsang
Sensationelle Siegerzeiten bei Männern und Frauen machen den... mehr

Frankfurt-Marathon 2010

Kipsang und Kilel mit Kursrekorden

Caroline Kilel gewann den Frankfurt-Marathon 2010 in 2:23:25
Kipsang katapultiert Frankfurt mit 2:04:57 in die Weltelite der... mehr