Dieter Baumann

Ein Loblied auf die "old school" des Dauerlaufens

Dieter Baumann testet neue Laufkonzepte und kehrt zurück zur "old school", dem Dauerlauf althergebrachter Art.

Dieter Baumanns Lauf der Woche

Bild: Privat

Lauf der Woche
Mittwoch 02.05.2012
Ort: Tübingen
eine Stunde Dauerlauf – old school


Ich melde mich vom Dauerlaufen, old school, sage ich nur. Dauerlaufen! Ein Wort aus Turnvater Jahn Zeiten. Aber damit ist jetzt auch Schluss. Das Magazin „Focus“ hat in einer seiner letzten Ausgaben „das neue Laufen“ ausgerufen. Was ist am Laufen neu, frage ich mich? Kurz zusammengefasst funktioniert es so: Linkes Bein vor das rechte Bein, dabei kurze Flugphase, den Schwung ausnützend rechtes Bein vor das linke Bein, Flugphase, Schwung, linkes Bein…usw, usw.

Ich weiß, anspruchsvoll! Aber ich bin sicher: Wir schaffen das!

Am vergangenen Mittwoch lief ich nach neuem Rezept. Ich versuchte das linke Bein vor das rechte zu setzten, nahm den Schwung mit – stemmte mich nicht wie gewohnt mit ganzer Kraft gegen die Laufrichtung - zu meiner Überraschung gelang dies fast schon auf ganz natürliche Art und Weise (wahrscheinlich afrikanisch), und wie von Geisterhand gezogen, hob sich nun mein rechter Fuß vom Boden ab, ja und der Schwung (der afrikanische) katapultierte mein rechtes Bein geradezu nach vorne. Mir war ein Laufschritt gelungen! Danke Focus!

Ich lief gemeinsam mit Tom S., meinem regelmäßigen Trainingspartner. Tom S. kommt wie ich aus einer längst vergangenen Zeit. Aus einer Zeit, in der auch in Deutschland in gewissen Wäldern noch richtige Läufer anzutreffen waren. Nein, eine Laufbewegung in dem Sinne war es nicht. Wir waren Menschen, die sich im Wald die Lungen aus dem Leib rannten. Einfach so. Es ging nicht so sehr darum, via GPS (gab es noch nicht) und Blogeinträge („neulich erlitt ich einen kleinen Schlaganfall, aber das Training danach ging wieder“) zu glänzen, sondern es ging hauptsächlich darum, in einer Gruppe gegeneinander anzutreten, um den Tagessieger zu ermitteln. Später dann machten wir Wettkämpfe. Viele Wettkämpfe. Old school eben.

Und am vergangenen Mittwoch erzählte ich Tom S. davon und wie ich neulich erst Tempo gebolzt hätte. „Wie damals“, sagte ich zu ihm. Über Tom S. Gesicht huschte ein verschmitztes Lächeln, denn er kennt mich sehr gut. Ja, ich gebe zu, es war fast wie damals. Mein Kopf war noch voll dabei. Ich fing an wie immer - gedanklich immer noch auf der höchsten Leistungsfähigkeit - doch schon nach 200 Metern (!) holten mich meine Beine in die Echtzeit zurück. Deshalb vielleicht ist neues Laufen angesagt.

Ich erzählte Tom S. auch von meinem Plan. „Ich bin im Aufbau“, sagte ich „Am Sonntag bei der Marathonstaffel in Hannover werde ich die 10 Kilometer in 37:00 Minuten laufen“. „Da brauchst Du ja nur den Kopf dazu“, meinte Tom mit einem Lächeln. „37 Minuten läuft man mit dem Kopf.“ „Dann in Ludwigsburg, beim Ciylauf im Juli, nehme ich mir eine 35 vor. Das ist mein Sommerplan.“

„35 Minuten? Da brauchst Du schon wieder die Beine dazu,“ sagte Tom S. Kopf? Beine? Ach zu kompliziert. Ich laufe mir wie immer die Lunge aus dem Leib. Old school.

Dieter Baumann: Lauf der Woche:

Bergab geht immer!