Früh unterwegs

Ein Lauf mit Vorstandschef Torsten Oletzky

Laufschuhe schnüren ist die erste Entscheidung des Tages für Ergo-Vorstandschef Torsten Oletzky.

Trainingstagebuch:
Strecke: Decksteiner Weiher, Köln
Distanz: 11 km
Zeit: 1 h
Wetter: 20 Grad, sonnig

Wie schaffen Sie es, zu dieser frühen Stunde zu laufen? Ich finde das sehr gewöhnungsbedürftig!

Abends zu laufen lässt mein Kalender an Werktagen nicht zu. Deshalb laufe ich seit über zehn Jahren morgens zwischen Viertel nach sechs und halb sieben los. Für mich fühlt sich das ganz normal an.

Sie sind beim Düsseldorf-Marathon 2012 die zweite Hälfte mit 1:55 Stunden genau so schnell wie die erste gelaufen. Sind Sie exakt einer Marschtabelle gefolgt?

Nein, das war auch für mich überraschend. Normalerweise laufe ich die zweite Hälfte drei bis fünf Minuten langsamer als die erste. In Düsseldorf war es aber so, dass ich mit einem Abteilungsleiter von Ergo gelaufen bin, der am Schluss noch richtig fit war und gezogen hat. Und so sind wir die letzten zweieinhalb Kilometer in einem Tempo von unter 4:30 gelaufen. Dadurch habe ich zwei, drei Minuten gewonnen.

Ergo war in Düsseldorf mit zehn Staffeln und rund einem Dutzend Einzelläufern – also mit über 50 Mitarbeitern – am Start. Hatten Sie im Vorfeld an alle Mitarbeiter eine Rundmail geschickt: Marathon ist eine tolle Sache, da will ich alle Führungskräfte sehen?

Nein, so läuft das nicht. Wir haben in Düsseldorf – wie übrigens auch in Hamburg und Köln, unseren anderen großen Standorten – eine sehr rege Betriebssportgemeinschaft und der Leiter der Laufsparte hat kräftig dafür getrommelt. Das Vorstandsteam hat aus privater Tasche jedem Starter ein Trikot gesponsert, damit wir alle einheitlich auftreten konnten. Aber auch wenn wir zum Düsseldorf- und Hamburg-Marathon als Unternehmen ein bisschen was auf die Beine stellen – es bleibt eine Freizeitveranstaltung für die Mitarbeiter.

Sie sehen aber durchaus die positiven Effekte eines regelmäßigen sportlichen Trainings für die Arbeit?

Also für mich sehe ich das durchaus. Die gute Grundfitness, die ich mir in den gut 13 Jahren erworben habe, in denen in laufe, hilft mir sehr bei meinem langen Arbeitstag und bei den vielen Reisen.

Sie laufen, seit Ihre Frau zu Ihnen sagte: „Du wirst zu dick, mach‘ Sport!“ Richtig?

Ja, das war Ende der neunziger Jahre. Da hieß Sport für mich aber erst mal Inlineskates. 1999 bin ich dann den Köln-Marathon auf Skates gelaufen. Als wir kurz danach nach Hamburg umgezogen sind, habe ich keine gute Strecke mehr gefunden. Und so kam ich zum Laufen ohne Skates.

Ihre Frau hat allen Grund, mit Ihrer Figur jetzt zufrieden zu sein. Wie viel haben Sie abgenommen?

In der Spitze wog ich 92 Kilo, jetzt komme ich auf 85 bis 90. Es ist also nicht viel, aber es verteilt sich alles anders.

Inzwischen sind Sie 14 Marathons in elf Städten gelaufen. Welcher war der schönste?

Die sind schwer zu vergleichen. Wenn ich neutral empfehlen sollte, würde ich wohl London wählen. Es ist eine wunderschöne Stadt, der Marathon perfekt organisiert, eine Strecke mit vielen Highlights und ein dankbares, zahlreiches Publikum. Das ist fast noch ein bisschen besser als New York.

Und Ihr schnellster?

St. Petersburg: 3:48. Unsere russische Tochtergesellschaft war damals Hauptsponsor des Marathons – und die haben mir die Startnummer 1 gegeben. Und wenn Sie die 1 vor der Brust tragen, können Sie einfach nicht langsam laufen.

Haben Sie noch sportliche Ziele?

Wenn ich beim Marathon antrete, ist es normalerweise mein Ziel, unter vier Stunden zu bleiben. Wenn die Strecke etwas schwieriger ist – wie zuletzt von Marathon nach Athen auf der Originalstrecke – darf es auch mal ein bisschen länger dauern. Aber um die vier Stunden, das möchte ich so lange wie möglich schaffen können. Einen weiteren Ehrgeiz habe ich beim Laufen nicht.

Warum sieht man in Deutschland Ergo nicht als Hauptsponsor eines großen Laufs?

Unser Sponsoring-Konzept besagt, dass wir Spitzen- und Breitensport gemeinsam fördern wollen. Beim Spitzensport konzentrieren wir uns auf Mannschaftsballsportarten, die ansonsten nicht so viel Aufmerksamkeit aus der Wirtschaft bekommen – etwa die Volleyball- und die Hockey-Nationalmannschaft. Im Breitensport unterstützen wir Sportarten, die unsere Mitarbeiter an unseren Standorten machen – da hat die Förderung also andere Schwerpunkte. Unsere Tochter DKV engagiert sich beim Kölner Brückenlauf und beim Mannschaftslauf, in Hamburg unterstützen wir beim Marathon die Stiftung phönikks für krebskranke Kinder.

Es gab Zeiten, so konnte man in einem Interview lesen, da haben Sie einen Moment gezögert, Ihr Ergo-Laufshirt anzuziehen. Heute haben Sie es auch nicht an.

Ich bin stolz auf Ergo – ich bin damals mit dem Ergo-Shirt gelaufen und würde es heute auch tun, wenn es nicht in der Wäsche wäre.

Interview: Frank Hofmann

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