Der Politikberater

Ein Lauf mit Thomas Steg

Die Regierung hat Steg nach wie vor im Blick – jetzt allerdings aus der Beobachter-Perspektive.

Trainingstagebuch:
Strecke: Berlin, Spreeufer
Wetter: 20 Grad, wechselnd bewölkt
Distanz: 14 Kilometer
Zeit: 1:14 Stunden
Tempo: 5:17 min./km

RUNNER'S-WORLD: "Ich muss mir mein Leben wieder neu aneignen", sagten Sie, als Sie sich im Oktober 2009 nach sieben Jahren vom Amt des stellvertreten­den Regierungssprechers zurück­zogen. Wie ist Ihnen das gelungen?
Thomas Steg: Aus heutiger Sicht ist mir das sogar gut gelungen. Es war eine große Herausforderung, wieder auf eigenen Beinen zu stehen, zu definieren, ­welche Erfahrungen man noch ­machen möchte, sich beruflich neu zu orientieren und organisieren. Ich berate nun Unternehmen, Verbände, Stiftungen oder Einzelpersonen,
wie sie im Umgang mit der Öffent­lichkeit erfolgreicher sein können.

Haben Sie seitdem auch mehr Zeit fürs Laufen gefunden?
Nicht unbedingt mehr Zeit, aber es fällt mir jetzt leichter, die Trainingseinheiten zu planen. Es kann nicht mehr so viel dazwischenkommen. Früher musste ich mir entweder sehr früh morgens oder spät abends dafür Inseln schaffen.

Dann gehen Sie dieses Jahr in ­Berlin besser vorbereitet an den Start als bei Ihren Teil­nahmen 2003 bis 2009?
Ich habe im Moment das Gefühl, dass ich sehr gut vorbereitet an den Start gehen kann. Hoffen wir, dass die Bedingungen auch während des Laufs gut sind und es nicht so regnet wie im letzten Jahr. Dann freue ich mich wahnsinnig auf diesen Lauf.

Wackelt Ihre Bestzeit von 2004, die bei 3:41 Stunden liegt?
Das hoffe ich sehr! Es ist mein großes Ziel, einmal offiziell unter 3:40 Stunden zu laufen. Ohne Startnummer ist mir das beim Hannover-Marathon schon mal geglückt. Das muss jetzt aber auch langsam gelingen …

Es wird mit dem Alter ja nicht unbedingt einfacher.
Eben! Einen Teil kann man durch Moti­vation wettmachen. Nachdem der letzte Berlin-Marathon für mich 2009 so enttäuschend geendet hat, weil ich verletzungsbedingt aufgeben musste, ist meine Motivation diesmal fast so hoch wie beim ersten Mal.

Sie hatten eine Knochenhaut­entzündung unter der Achillessehne.
Ja, und die Heilung zog sich über Monate hin, zumal ich nur konservative Behandlungsmethoden ausprobierte.

Sie sind bis jetzt in Berlin, Hannover und Hamburg gelaufen. Reizt Sie nicht mal ein Marathon in einer großen internationalen Metropole?
Ja, sogar sehr. Aber wenn ich da laufe, möchte ich einen reinen Genussmarathon erleben – mit Freun­den zusammen laufen, vielleicht sogar mit einer besonderen Botschaft. Jetzt bin ich aber noch einmal unter dem Leistungs­aspekt hoch motiviert, und für eine persönliche Bestzeit fährt man nicht nach New York. Da sucht man optimale Bedingun­gen: eine bekannte Strecke, keine Hotel­übernachtung, kurze Wege.

Können Sie sich eine Rückkehr in die Politik vorstellen, wenn die SPD bald wieder eine größere Rolle spielt?
Sie werden verstehen, dass ich mir darüber vor einem so großen Marathon noch keine Gedanken machen kann. Der Sport geht vor!

Das Interview führte Frank Hofmann.

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