Der ehemalige Fußball-Weltmeister im Interview

Ein Lauf mit Stefan Reuter

Der Manager des FC Augsburg und ehemalige Fußball-Weltmeister Stefan Reuter genießt die ruhigen Momente beim Laufen und fühlt sich danach ausgeglichener.

Trainingstagebuch
Strecke: Siebentischwald
Ort: Augsburg
Wetter: sonnig, ­20 Grad
Distanz:6 Kilometer
Zeit:30 Minuten
Tempo: 5:00 Min./km

Herr Reuter, wie gefällt Ihnen eigentlich Ihr Spitzname „Turbo“?

Naja, es gibt schlimmere (lacht). Den Namen bekam ich wegen meiner Schnelligkeit, durch die ich viele Zweikämpfe gewinnen konnte. Sicherlich gab es viele Spieler, die technisch versierter waren, aber nur wenige, die so schnell und ausdauernd waren wie ich.

Ihre Bestzeit über 100 Meter beträgt angeblich 10,8 Sekunden…

Die genaue Zeit weiß ich nicht mehr, aber ich bin tatsächlich unter 11 Sekunden gelaufen. Meine Leichtathletiktrainer meinten damals, wenn ich intensiv weiter trainieren würde, könnte ich es in den deutschen 100-m-Endlauf schaffen.

Sie waren als Jugendlicher also auch ein guter Leichtathlet, unter anderem waren Sie Bayerischer Cross-Meister. Wieso entschieden Sie sich für die Fußballkarriere?

Als Kind machten mir beide Sportarten viel Spaß. Doch irgendwann überschnitten sich meine Leichtathletik-Wettkämpfe zu häufig mit Fußballspielen und ich musste eine Entscheidung fällen. Diese fiel dann für den Fußball aus, weil ich es liebte, mit meinen Freunden zusammen zu sein. Beim Laufen hatte ich dieses Gefühl nicht, obwohl ich später extrem von meiner leichtathletischen Grundausbildung profitiert habe. Meine Schnelligkeit und Ausdauer kamen mir beim Fußball sehr zu Gute.

Und wie oft finden Sie heute als Manager eines Bundesligisten noch Zeit fürs Laufen?

Aktuell versuche ich dreimal in der Woche zu laufen. Es gibt Wochen mit vier oder fünf Läufen und dann gibt es Wochen, in denen ich es nur einmal schaffe. Das hängt natürlich auch mit meiner Arbeit zusammen, die sehr zeitaufwendig ist. Ich gehe aber ohnehin nur laufen, um etwas für mein Wohlbefinden zu tun und den Kopf frei zu bekommen. Wenn dann mal eine Trainingseinheit ausfallen muss, ist das auch kein Weltuntergang.

Was bedeutet Ihnen das Laufen tatsächlich?

Es ist definitiv wichtig für mich. Man fühlt sich nach dem Laufen einfach frischer und ausgeglichener. Hin und wieder laufe ich am Morgen des Spieltages und genieße diese ruhigen Momente. Wenn ich mit der Mannschaft unterwegs bin oder dienstlich irgendwohin verreise, habe ich immer meine Laufschuhe dabei und versuche mir ein wenig Zeit für den Sport zu nehmen.

Machen Sie abgesehen vom Laufen noch andere Sportarten?

Natürlich. Golf zum Beispiel spiele ich ganz gerne. Das ist auch ein toller Ausgleich, aber einfach extrem zeitintensiv. Der große Vorteil beim Laufen ist, dass man es überall machen kann und nicht viel mehr als ein Paar Schuhe braucht. Dann fahre ich noch wahnsinnig gerne Ski. Auch vom Yoga halte ich sehr viel. Und im Sommer gibt es nichts Schöneres, als an der Wertach entlang oder im Siebentischwald mit dem Fahrrad zu fahren. Jeder schwärmt so vom Englischen Garten in München, aber wir haben in Augsburg ein mindestens genauso schönes Naherholungsgebiet.

Das sind ja eine Menge Sportarten. Aber in der Aufzählung fehlt doch das Fußballspielen, oder?

Eigentlich nicht. Ich reduziere es auf ein Minimum. Es ist ja auch eine ganz andere Form von Belastung. Die schnellkräftige Muskulatur geht am schnellsten verloren, aber im Kopf weiß man immer noch wie man sich bewegen sollte, wohin der nächste Pass muss etc. Nur kann man es nicht mehr so abrufen wie noch zu aktiven Zeiten. Und am Tag nach dem Fußballspielen hab ich oft leichte Probleme mit meinem Körper. Heute spiele ich lediglich mit Freunden oder meinem Sohn im Garten.

Haben Sie schon einmal an einen Marathonstart gedacht?

Ich hab mir das schon einmal überlegt, aber ich bin noch nie so lange am Stück gelaufen und weiß nicht, ob ich das meinen Gelenken, die durchs Fußballspielen ziemlich in Mitleidenschaft gezogen wurden, zumuten sollte. Und selbst wenn nichts dagegen spräche, hätte ich bestimmt den Ehrgeiz, eine bestimmte Zeit zu laufen. Und dafür fehlt mir leider die Zeit.

Bei Ihrem Karriereende 2004 im Alter von fast 38 Jahren waren Sie der letzte verbliebene Weltmeister von 1990. Wie kam es, dass Sie so lange spielen konnten?

Zum einen hängt es wohl mit der Genetik zusammen. Manche Körper sind einfach resistenter gegen Verletzungen als andere. Und zum anderen gehört auch eine gewisse Professionalität dazu. Man muss sehr bewusst mit seinem Körper umgehen, zum Beispiel indem man verletzungsprophylaktisch trainiert. Auch der Ehrgeiz spielt eine Rolle. Selbst wenn man über 30 ist, will man es allen noch einmal zeigen und auch nach einer schweren Verletzung zurückkommen. Viele Spieler beenden ihre Karriere schon Anfang 30, weil es ihnen unter anderem schwer fällt, sich nach Verletzungen zurückzukämpfen. Ich hab da wieder ungemein von der Leichtathletik profitiert, weil es mir leicht fiel, alleine zu trainieren und ich auch gerne lief. Ich kenne viele Fußballer, denen du erst einen Ball hinwerfen musst, damit sie sich bewegen (lacht).

Wie haben Sie das Finale der WM im letzten Jahr erlebt?
Ich habe das Spiel gegen Argentinien bei Freunden verfolgt und fand es grandios. Es hat richtig Spaß gemacht zuzusehen, die ganze WM über. Die meisten Spieler kenne ich ja persönlich und mit Hansi Flick habe ich drei Jahre bei den Bayern gespielt. Und wenn man so einen Bezug zu den Akteuren hat, fiebert man ganz anders mit. Ich habe mich riesig für die Spieler gefreut.

Spieler wie Bastian Schweinsteiger oder Manuel Neuer haben eine fast genauso große Titelsammlung wie Sie. Nur der Europameister-Pokal fehlt noch. Trauen Sie Ihnen das zu, auch wenn Sie schon fast am Ende Ihrer Karriere sind?

Ja, absolut. Für diese Spieler war es immens wichtig, auch einen Titel mit der Nationalmannschaft zu gewinnen. Man spricht immer von der goldenen Generation, aber wenn man das nicht mit einem Titel krönen kann, dann zählt das auch nichts. Ich wünsche ihnen, dass sie bei der Europameisterschaft noch nachlegen.

Ein Lauf mit ...:

Ein Lauf mit Cajus Heinzmann

Interview

Ein Lauf mit Matthias Killing

Matthias Killing ist TV-Moderator beim Sat1 Frühstücksfernsehen. Er... mehr

Interview

Ein Lauf mit Christian Jürgens

Christian Jürgens ist Sterne-Koch im Restaurant Seehotel Überfahrt in... mehr

Interview mit der Olympiasiegerin

Ein Lauf mit Heike Drechsler

Heike Drechsler
Heike Drechsler, zweifache Olympiasiegerin im Weitsprung, läuft seit... mehr

Herausgeber der Huffington Post

Ein Lauf mit Cherno Jobatey

Für Cherno Jabatey, den Herausgeber der Huffington Post, ist das... mehr

Die Fernsehmoderatorin im Interview

Ein Lauf mit Nina Moghaddam

Moderatorin Nina Moghaddam ist viel unterwegs und hat auf ihren Reisen... mehr