Interview

Ein Lauf mit Moderator Jörg Thadeusz

Moderator Jörg Thadeusz kann kann sich sein Leben ohne Laufen nicht mehr vorstellen, das Laufen gehört einfach dazu.

Trainingstagebuch
Strecke: Berlin, Schlachtensee/Krumme Lanke
Wetter: Nieselregen
Distanz: 8 km
Zeit: 52 min
Tempo: 6:30 min/km

Auf der Website Ihres Haussenders RBB werden Sie mit den Worten vorgestellt: „Er hat eine Neigung zum Übergewicht, aber er ist schnell.“ Wie passt das zusammen?

Die Neigung zum Übergewicht ist wohl eine familiäre Veranlagung. Trotzdem versuche ich immer, mich zu beschleunigen. Je älter ich werde, desto schwieriger wird das natürlich. Am Ende wird wohl eine gewisse Massivität bleiben – ich nenne es lieber „Stabilität“, ein aus der Mode gekommener, aber positiver Begriff.

Ihren BMI von 26,5 würden Ärzte als „präadipös“ bezeichnen. Trotzdem sind Sie bereits sieben Marathons gelaufen in beachtlichen Zeiten! Wie schaffen Sie das?

Ich war bei den Marathonläufen unterschiedlich schwer. Bei dem ersten, 1998 in Köln, wog ich zehn Kilo weniger. Da ist mir auch meine Bestzeit von 3:43 Stunden gelungen. Bei meinem schwersten Marathon habe ich 4:28 Stunden gebraucht. Ich weiß genau, wie sich dieser Unterschied zwischen leicht und schwer anfühlt. Andererseits: Ich habe sehr viele noch dickere Menschen im Marathonfeld gesehen, die mit versonnenem Gesicht die 42 Kilometer runtergespult haben.

Wann folgt Ihr achter Marathon?

Am 7. April in Zürich, wieder zusammen mit meinem Bruder Frank. Wir sind dort vor ein paar Jahren schon mal gemeinsam nach 3:50 Stunden ins Ziel gelaufen. Das war fantastisch – ich fühlte mich nämlich gar nicht so fit, und dachte schon bei Kilometer Vier: Was mache ich hier eigentlich? Grundsätzlich stelle ich mir aber schon die Frage: Wie gesund ist Marathonlaufen eigentlich? Die Ärzte, mit denen ich gesprochen habe, meinen, es sei ungesünder als das Übergewicht, das ich mit mir rumschleppe.

Naja, für den Wettkampf gilt das wahrscheinlich, aber das Training dafür ist gesund.

Das sehe ich auch so – wobei das Training auch zerknirschend sein kann. Deshalb bewundere ich jeden Marathonläufer, wenn ich zum Beispiel für den rbb in Berlin von der Strecke berichte. Ich weiß, welchen Aufwand jeder von denen auf sich genommen hat, wie die sich diszipliniert haben, wie sie sich haben veräppeln lassen von den Kumpels, wenn sie nicht mitgetrunken haben und so weiter.

Was ist für Sie das Faszinierendste am Marathon?

Die Stille ab Kilometer 33. Ich mag nichts, was Richtung Funevent geht. Auch die ganze Animation vor dem Start ist mir ein Graus. Ich suche die Kontemplation – und die setzt bei mir bei Kilometer 33 ein. Da passiert etwas, womit man normalerweise im Leben nicht so häufig konfrontiert wird: Man kommt an Grenzen.

Sie haben in Ihren Büchern viele persönliche Erfahrungen verarbeitet – Ihre Vergangenheit als Rettungssanitäter („Rette mich ein bisschen“), die Überwindung Ihrer Flugangst („Alles schön“), die TV-Szene („Die Sopranistin“). Wird es von Ihnen mal ein Buch über das Laufen geben?

Nein, Laufen ist ein Sport und ich möchte das nicht überhöhen. Als ich geboxt habe, kamen auch alle möglichen Leute mit Literaturempfehlungen an. Keine Zeitung schreibt mehr vernünftig über das Boxen, alle meinen, sich als Blutliteraten profilieren zu müssen. Alles Unsinn – Boxen und Laufen sind Sportarten und keine Literatur.

Wie sind Sie zum Laufen gekommen?

Das war schon mit 17. Laufen fand ich cool und bei allen anderen Sportarten war ich durchgefallen. Ich wäre gerne Fußballprofi geworden, aber daraus wurde wegen meiner erschütternd geringen Begabung nichts. Dann kam auch noch Liebeskummer dazu – und so habe ich mich beim Laufen durch Dortmund als einsamer Wolf stilisiert. Nach einer Zeit habe ich festgestellt: Das ist ja irre!

Und ich hatte gedacht, Sie laufen, um Ihr Gewicht zu halten. Sie sind ja ein richtiger Bewegungstyp!

Nee, eigentlich bin ich ein Rumliegetyp. Mittlerweile gehört das Laufen für mich aber einfach dazu. Das Gewicht bekomme ich damit nicht in den Griff, aber ich stabilisiere es auf einem gewissen Niveau. Wenn ich 14 Tage mal nicht laufe, kann ich hier mit der Hand reingreifen …

Sie sind zu unserem Treffpunkt mit Kopfhörern gekommen. Was haben Sie da gerade gehört?

Das war Lady Gaga. Beim Laufen bin ich jung und dumm und höre junge, dumme Musik. Techno, Madonna, Karnevalslieder, wenn ich ausgelassen bin, oder schmierige Liebeslieder auf abendlichen Läufen. Und beim Barfußlaufen am Strand von Florida, was ich am allerallerliebsten tue, höre ich Harry Belafonte.

Sie pflegen eine unter Läufern eher seltene Gewohnheit: Sie rauchen. Es waren mal zwölf pro Tag – wie viele sind es jetzt?

Inzwischen rauche ich nur noch abends, so zwischen zwei und sieben Zigaretten, das hat sich nach meinen vielen USA-Aufenthalten so ergeben – da darf man ja praktisch nirgendwo rauchen. Aber ganz aufhören werde ich nicht, denn ich habe keine Lust, bei dieser Hysterie mitzumachen.

Es gibt wahrscheinlich kaum einen deutschen Prominenten, den Sie nicht schon mal in Ihren Talksendungen interviewt haben. Wer ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Ich bin für immer und ewig in Iris Berben verliebt. Ich finde sie großartig und genieße jede Minute in ihrer Gegenwart. Mit Dominique Horwitz war es sicher am witzigsten, wir haben seinen Heiratsantrag im Studio nachgespielt. Dann Ulrich Tukur – was für ein fantastischer Mann, Wolfgang Schäuble – verschlossen, aber irre weise, Jutta Limbach – was für eine beeindruckende Persönlichkeit, Andrea Sawatzki – diese wunderbare Fee, Barbara Sukowa – diese Art, wie sie sitzt und spricht … Sie sehen, ich habe viele schöne Momente abgespeichert.

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