Fitter als die Nationalspieler

Ein Lauf mit Michael Horeni

Michael Horeni, Buchautor und F.A.Z.-Experte für die Fußball-Nationalmannschaft im Interview mit Frank Hofmann.

Trainingstagebuch
Strecke: Ostpark, Frankfurt
Distanz: 7,5 Kilometer
Zeit: 45 Minuten
Tempo: 6:00 Minuten/Kilometer
Herzfrequenz (ø/max): 155/170

Sie haben es geschafft, nach einem Jahr Training mit den Fitnesscoachs der deutschen Fussball-Nationalmannschaft fitter zu sein als die Spieler. Wie viel davon haben Sie in den sechs Monaten, die seitdem vergangen sind, wieder verloren?
Ich habe seit meinem Abschlusstest kurz vor der Europameisterschaft 2008 keinen weiteren mehr gemacht. Aber das Programm habe ich beibe­halten. Vom Gefühl her würde ich sagen, es fehlen maximal zehn Prozent.

Immer noch erstaunlich! Heißt das eigentlich, dass Sie in einem Jahr so viel aufgeholt haben oder dass unsere Spieler gar nicht so fit sind?
Das heißt ganz eindeutig, dass ich so viel aufgeholt habe. Ich habe das beim Fußballspielen gemerkt, als ich Leuten weglaufen konnte, die 10 bis 15 Jahre jünger waren als ich. Und auch wenn ich bei dem Test einen Punkt besser abgeschnitten habe als die Nationalspieler, ist zu bedenken, dass dieses Fitnessprogramm für die Spieler ja nur ein Kriterium war. Außerdem wollten die Coachs Oliver Schmidtlein und Shad Forsythe, dass die Spieler sich gemeinsam körperlich weiterentwickeln. Der ein oder andere hätte sonst sicher noch mehr Punkte schaffen können als ich.

Welche Rolle spielt das Laufen in dem Programm der beiden?
Am Anfang stand das Krafttraining. Erst musste ich Muskulatur aufbauen, um überhaupt richtig trainieren und laufen zu können. Danach war Laufen ein wichtiger Bestandteil, der etwa ein Drittel ausmachte.

Laufen mochten Sie anfangs gar nicht. Wie sehen Sie das jetzt?
In der freien Natur länger als 45 Minuten zu laufen finde ich immer noch langweilig. Mir machen die Einheiten auf dem Laufband mehr Spaß, zumal die pulsgesteuerten Programme, die Shad für mich zusammengestellt hat, sehr abwechslungsreich sind. Außerdem ist angenehm, dass man auf dem Laufband nicht überholt werden kann.

Wie viel haben Sie bei Ihrem Programm abgenommen?
79 Kilo waren vor dem Programm mein Maximum. Zum Zeitpunkt
des Tests wog ich zirka 71. Und das wiege ich auch heute noch.

Wie hat denn Ihre Frau auf Ihre ­Metamorphose reagiert?
Einerseits fand sie den sichtbaren Unter­schied gut. Andererseits fühlte sie sich dadurch unter Druck gesetzt, selbst etwas zu tun. Inzwischen laufen wir aber auch gern mal zusammen.

Haben Sie in Ihren euphorischen Laufmomenten auch mal an einen Wettkampf gedacht?
Ja, aber das Höchste, was ich mir vorstellen kann, ist ein Halbmarathon. Das ist ein überschaubares Ziel, das man erreichen kann, ohne die ­ganze Alltagsplanung über den Haufen schmeißen zu müssen.

Hat das Programm auch Ihr Lebensgefühl verändert?
Ich habe mich danach einfach besser gefühlt. Ich gehe motivierter und mit mehr Energie in den Tag.

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