Interview

Ein Lauf mit Matthias Killing

Matthias Killing ist TV-Moderator beim Sat1 Frühstücksfernsehen. Er läuft, um fit zu bleiben, für den zweiten Satz beim Tennis.

Ein Lauf mit Matthias Killing

Matthias Killing gesteht, dass ihn - trotz regelmäßigem Training und Wettkämpfe - die Laufsucht nicht gepackt hat.

Bild: Dirk Mathesius

Trainingstagebuch
Strecke: Treptower Park, Berlin
Wetter: Nebel, 1 Grad
Distanz: 9,8 km
Zeit: 58 min.
Tempo: 6:00 min./km

Sie sehen nicht nur braun gebrannt, sondern vor allem so schlank aus?

Die Bräune habe ich aus dem letzten Urlaub mitgebracht, aber mein neues Gewicht habe ich mir im letzten halben Jahr hart erarbeitet. Ich habe von Juni bis September zehn Kilogramm abgenommen. Als die Waage im Sommer 92 Kilogramm zeigte, beschloss ich von heute auf morgen etwas zu ändern. Mit gezieltem Sport, einmal pro Woche Elektrostimulationstraining und gesunder Ernährung habe ich das geschafft.

Die Ernährung ist sicherlich eine Herausforderung bei Ihrem Schlafrhythmus, oder?

Wenn ich für das Sat. 1-Frühstücksfernsehen gegen 3:00 Uhr aufstehe, trinke ich erst mal einen halben Liter Wasser. Das tut mir gut und hilft meinem Körper, in Schwung zu kommen. Während der Sendung esse ich dann vielleicht eine Scheibe Brot, oder mal ein Müsli und trinke natürlich Kaffee. Nach der Arbeit esse ich dann ein richtiges Mittagessen. Ich mache nicht „no carb“ aber „low carb“, und wenn eine Sporteinheit am Nachmittag ansteht, gönne ich mir schon mal eine Portion Nudeln. Bei aller Disziplin, auch mir fällt es manchmal schwer, an Pommes und Curry Wurst oder im Kino an den Natchos vorbei zu gehen.

Gehörte Sport schon immer zu ihrem Leben?

Ich habe ambitioniert Tennis gespielt bis ich 13 Jahre alt war und dann zum Basketball gewechselt, was ich auch sehr leistungsorientiert betrieben habe. Mit 20 fing ich aber an, mich vor allem auf meine berufliche Karriere zu konzentrieren und habe eigentlich keinen Sport mehr gemacht. Vor zwei Jahren bekam ich wieder große Lust auf Tennis und das trainiere ich seitdem drei- bis viermal pro Woche. Ich habe einen Trainer und einige Spielpartner hier in Berlin. Wenn ich reise, ist immer meine Sporttasche dabei, wo neben Tennissachen auch Laufsachen drin sind.

Ist das Laufen Mittel zum Zweck oder auch eine Leidenschaft wie Tennis?

Ganz ehrlich? Süchtig bin ich nicht nach dem Laufen. Ich frage mich immer, wie die Leute es schaffen, sich die Glücksgefühle zu erlaufen. Ich bin schon Halbmarathons gelaufen und war auch mit Ehrgeiz bei der Sache, um unter zwei Stunden zu bleiben, aber in erster Linie laufe ich, um beim Tennis nach zwei Sätzen nicht völlig fertig zu sein. Sport gehört zu meinem täglichen Berufsleben, um darüber zu berichten. und privat, um fit zu sein.

Eine starke Leistung war Ihr Lauf im letzten Jahr zum nördlichen Polarkreis!

Ja, zusammen mit Kickboxerin Christine Theiss habe ich als Team an der Fulda Challenge teilgenommen. Eine Etappe war ein Distanzlauf über gut 19 Kilometer auf einem Highway in Nordkanada mit dem nördlichen Polarkreis als Ziellinie. Wir sind losgelaufen und bei mir ging es in erster Linie darum, diesen Lauf zu überleben und glücklich anzukommen. Es war so anstrengend bei dieser Kälte zu laufen und meine Muskulatur war richtig angegriffen. Aber das war eine tolle Erfahrung, die ich nie wieder vergessen werde. Dank Chrissies starker Leistung haben wir sogar richtig gut abgeschnitten und vor allem das RTL-Team hinter uns gelassen.

Beim Frühstücksfernsehen ist ihr Spektrum ja sehr breit, aber mir scheint, Ihr Herz schlägt vor allem für die sportlichen Themen.

Absolut! Obwohl ich Veranstaltungen aller Art moderiere, interessiert mich der Sport ganz besonders. Im Saarland kommentiere ich zum Beispiel immer einen großen Firmenlauf und bin dann ehrlich gesagt froh, dass ich der Mann mit der großen Klappe sein darf und nicht so angestrengt mit den Massen rennen muss. Mir macht das Spaß, mich im Vorfeld über Athleten und deren Training zu informieren. Nur wer selbst Sport liebt und lebt, kann über diesen auch authentisch berichten.

Und Sie wirken in der Tat sehr authentisch.

Ach, es wäre so schön, wenn noch mehr Sport im Fernsehen laufen würde. Und damit meine ich nicht noch mehr Fußball. Aber das Problem ist wie immer die Quote. Wenn die Menschen lieber die achte Wiederholung einer amerikanischen Serie einschalten, als Tennis, Basketball oder Leichtathletik, dann haben wir keine Chance, unseren Sport auf den Bildschirm zu bekommen. Wir brauchen in Deutschland einen Helden, bis eine bestimmte Sportart Massen vor den Fernseher zieht. Das ist leider so!

Aber der Nachwuchs tut sich offenbar schwer mit neuen Helden.

Scheint so. Ich bin ja selbst so ein Fall und habe als junger Mann meinen Leistungssport nicht durchgezogen, sondern erst mit 30 Jahren erkannt, wie gut der Sport dem eigenen Körper wirklich tut. Das hätte ich früher nicht für möglich gehalten, was man durch Bewegung erreicht und was man mit Adrenalin für ein tolles Körpergefühl entwickelt. Mittlerweile stecke ich mir sogar Ziele: Bei der nächsten Fulda Challenge im November 2014 möchte ich noch fitter sein, als beim letzten Mal!