Interview

Ein Lauf mit Mateo Jaschik

Mateo Jaschik ist Sänger in der Band Culcha Candela und als Produzent und DJ unterwegs. Im Herbst will er in seiner Heimatstadt Berlin seinen ersten Marathon laufen.

Trainingstagebuch
Strecke: Berlin, Spreebogenpark, Tiergarten
Wetter: heiter
Distanz: 4,7 Kilometer
Zeit: 28:23 Minuten
Tempo: 6:05 min/km


Es scheint, als würden Sie sich in dieser Berliner Gegend nicht gut auskennen. Ist das hier nicht Ihre normale Laufrunde?

Mateo Jaschik: Nein, nicht wirklich. Ich wohne hier nicht und laufe auch eher auf dem Laufband oder in der freien Natur. So mitten in der Stadt zu laufen finde ich nicht so toll.

Das heißt, Ihre Trainingsvorbereitung für den Berlin-Marathon im September absolvieren Sie auf dem Laufband?

Mateo Jaschik: Ja, und das geht auch ganz gut. Ich stelle mir eine 1,5 Steigung ein, damit das ungefähr die Straße simuliert und dann läuft sich das ganz gut.

Haben Sie einen Trainingsplan, an den Sie sich genau halten, oder überlassen Sie das einem Personal Trainer?

Mateo Jaschik: Für die Gesamt-Fitness ­trainiere ich gemeinsam mit meinem Freund und Trainer.

Und der hat Ihnen dieses Jahr Marathontraining verordnet?

Mateo Jaschik: Nein, so nun nicht. Ich laufe ja keinen Marathon, weil ich ­abnehmen will, oder wegen der Publicity, sondern weil ich für mich die Herausforderung ­suche. Einmal im Leben sollte man einen Marathon gelaufen sein. Und wenn es mir gefällt, laufe ich danach vielleicht noch einen. Die letzten 25-Kilometer-Läufe haben mir auf jeden Fall schon mal gefallen.

Sport zu machen wurde Ihnen also in die Wiege gelegt?

Mateo Jaschik: Sport ist einfach eine tolle Sache, ich habe zwölf Jahre lang Basketball gespielt und war deswegen schon immer an Sport interessiert. Und nachdem es beim Basketball nicht weiter ging, bzw. der Traum NBA unmöglich schien, habe ich nach anderen Herausforderungen gesucht. Fitness, Kickboxen, Laufen, alles zusammen mit meinem Trainer – der ist super fit!

Wie oft trainieren Sie in der Woche?

Mateo Jaschik: Fast jeden Tag. Im Moment drei Läufe in der Woche über 60, 85 und 90 Minuten bei verschiedenen Pulsbereichen. Natürlich mache ich Intervallläufe, also kürzere schnellere Läufe und Fitnesstraining drei- bis viermal die Woche zusammen mit meinem Trainer.

Das sieht man Ihnen an. Aber sportlich und fit muss man im Showbiz wahrscheinlich auch sein, oder?

Mateo Jaschik: Ach, das weiß ich gar nicht. Ich weiß nicht, wie andere das machen, aber für mich selbst ist das der richtige Weg. Bevor man sich in irgendwelchen Partys oder im Alkohol verflüchtigt, mache ich lieber Sport. Weil ich es aber auch gewohnt bin.

Welchen persönlichen Nutzen ziehen Sie aus dem Sport, speziell aus dem Laufen?

Mateo Jaschik: Sporttreiben ist für mich Entspannung, und es gibt mir mentale Stärke. Kopf und Körper ergeben im besten Fall eine Einheit, und das ist für mich wichtig. Ohne Sport fühle ich mich unwohl. Ein Marathon ist nichts für Freaks oder Hungerhaken, sondern ideal für sol­che normalen Typen wie mich.

Welche Zielzeit streben Sie an?

Mateo Jaschik: Erst mal will ich es einfach nur schaffen. Ich habe gar keine Ahnung, welche Zeit ich laufen soll. Bei den 25-Kilometer-Läufen bin ich es relativ schnell angegangen und habe sie auch gut mit einer Zeit von 1:56 Stunden durchgezogen. Beim Marathon werde ich langsam loslegen und dann am Ende mal schauen, wie schnell ich noch sein kann.

Unser Lauf heute ist um zwölf Uhr am Mittag und Sie machten kein Geheimnis daraus, dass es ja auch ganz schön früh sei. Welche Tageszeit bevorzugen Sie beim Sport?

Mateo Jaschik: Ich muss ganz ehrlich sagen, mir fällt es schon schwer früh morgens aufzustehen. Normalerweise stehe ich, wenn keine Reisen oder so anstehen, um 9 oder 10 Uhr auf, aber dann geht’s auch direkt zum Sport. Laufen gehe ich eher abends.

Sie reisen viel. Fällt es Ihnen da schwer, auf die richtige ­Ernährung zu achten?

Mateo Jaschik: Das fällt einem nur schwer, wenn man sich gehen lassen will. Wenn wir etwa mit Culcha Candela auf Tour sind, dann nehmen wir unsere eigenen Köche mit. Die kochen nur gesunde Sachen, überwiegend bio. Natürlich sind die Küchen-Feen auch kleine Teufel und stellen mal Schokolade und andere leckere Sachen hin. Aber da muss man eben diszipliniert bleiben, wenn einem die kleinen Sünden vorgehalten werden.

Und da greifen Sie nie zu?

Mateo Jaschik: Na ja, ich achte schon sehr darauf, was ich esse. Ich ernähre mich generell fettarm, esse keine Nudeln und Reis. Ich mache mir morgens Rührei mit Gemüse, vielleicht noch ein Stückchen Fleisch. Ich esse viel Gemüse, Obst, gern Fisch, manchmal ein Steak.

Sie sind also eher der Low-Carb Esser?

Mateo Jaschik: Genau. Seit ich eiweißbasiert esse, habe viel an Muskeln zugelegt. Das ist auch das Interessante beim Sport, zu beobachten, wie sich der Körper verändert.

Sie haben Ihre Karriere wie aus dem Nichts aufgebaut, schon viel erreicht und wollen auch noch viel machen. Kann Sie irgendwas umhauen?

Mateo Jaschik: Na vielleicht ein Punch! Aber da ich beim Kickboxen Kopfschutz trage, wird der abgefedert. Karriere aus dem Nichts würde ich nicht sagen. Ich weiß ja, wo ich herkomme und was ich gemacht habe. Das bewahrt einen davor abzuheben. Ich habe alles selbst aufgebaut. Mit sechs Jungs in meiner Band, hätte das nicht elf Jahre gehalten, wenn wir von null auf hundert von Anfang an Erfolg gehabt hätten. Wir hatten dazwischen immer wieder Zeit, zu arbeiten und Zeit, über unseren Erfolg nachzudenken. Wir haben in den ersten Jahren sehr viele Konzerte gespielt, 160, 180 im Jahr. Wir haben aber nie so viele Platten verkauft oder Hits gehabt. Mit dem dritten Album, zu einem Zeitpunkt, an dem eigentlich viele Bands schon von Ihren Plattenfirmen fallen gelassen werden oder die Band sich längst aufgelöst hat, war bei uns der große Hit da, das hat uns dann aber eigentlich auch gar nicht mehr so gejuckt. Klar haben wir uns gefreut, aber das war eben unser Erfolg.

Culcha Candela hat für 2013 eine Pause eingelegt, vermissen Sie die Jungs ein bisschen?

Mateo Jaschik: Mein bester Kumpel Chino ist auch in der Band. Wir kennen uns aus der Schule, laufen auch den Marathon zusammen, trainieren gemeinsam und machen auch sonst viel zusammen. Die anderen sehe ich auch ab und zu oder wir schreiben uns eine SMS zum Geburtstag, aber wir machen schon auch Pause voneinander. Vor allem, weil die letzten drei, vier Jahre auch wirklich erfolgreich waren, alles ging Schlag auf Schlag, im Radio liefen die Songs rauf und runter, viele Konzerte und so. Jetzt wollen wir uns erst mal ein bisschen rar machen.

Aber trotzdem sieht man ja viel von Ihnen?

Mateo Jaschik: Ja, sorry, klappt nicht so mit dem Rarmachen, stimmt!

Hat Ihnen die Rolle bei DSDS Spaß gemacht?

Mateo Jaschik: Lustig, dass Sie Rolle sagen. Klar, das war ein Job und den habe ich auch ernst genommen und versucht nach besten Gewissen zu erfüllen, aber ich nehme mich meistens selbst nicht so ernst. Ich kann gut über mich selbst lachen und wollte schon immer mal was im Fernsehen machen und hoffe, das war ein guter Einstieg. Ich hätte auf jeden Fall Lust weiterzumachen.

Was wäre die perfekte Rolle für Sie?

Mateo Jaschik: Eine Rolle in einem Film, das wäre natürlich noch mal was anderes. Ich würde schon gerne mal was Extremes spielen, also bloß keinen Musiker, irgendetwas, das man nicht erwartet, Frauenkleider tragen oder so was. Bei dem, was ich bei DSDS gemacht habe, musste ich mich nicht verstellen, ob die Leute das mögen oder nicht, es muss halt mir gefallen. Mein kleines Team schreibt gerade an ein paar Konzepten und vielleicht wird irgendwas ja davon fortgesetzt.

Sehen Sie sich als Vorbild für junge Leute? Und gilt das auch für Ihre erste Marathon-Teilnahme hier in Berlin?

Mateo Jaschik: Ja, klar. Gut, ich laufe nicht rum und sage: „Hey, Leute, ich bin der Geilste. Wenn ihr so seid wie ich, dann seid ihr perfekt.“ Nobody is perfect, und auch ich habe meine Fehler, aber ich versuche daran zu ­arbeiten. Sport ist eine gute Sache, und wenn hinterher mehr Leute Sport machen, dann ist das doch super.

Es ist wichtig, gerade weil viele junge Leute bei DSDS auftreten, dass dort jemand wie Sie sitzt, der einfach nach außen hin einen gesunden Lebensstil ausstrahlt und vielleicht dann für den einen oder anderen eine Vorbild-Funktion hat. Was meinen Sie?

Mateo Jaschik: Das freut mich natürlich, wenn genau das rüberkommt. Also, ich glaube, dass ich eher ein Typ bin, der polarisiert, aber das ist mir ganz recht, weil ich aber auch gute Sachen mache. Sport macht natürlich auch selbstbewusst, tritt man dann auch so auf, gefällt das aber auch nicht jedem. Aber ich ecke lieber an und bin so wie ich bin, als dass ich es jedem recht mache. Die Stimme des Volkes will ich gar nicht sein.

Gibt es schon Pläne, ob Ihre Zukunft bei DSDS 2014 weitergehen wird?

Mateo Jaschik: Ich habe keine Ahnung. Also, wenn die denken, ich habe einen guten Job gemacht und fragen noch mal, dann würde ich es mir definitiv überlegen. Man darf nicht vergessen, und so sehe ich das, es geht natürlich in erster Linie um den Gesang und das beurteile ich, genauso wie die Gesamt-Performance und die Performer-Qualitäten. Und das tue ich ganz ehrlich, auch wenn es manchmal weh tut. Aber die Leute zu Hause, die achten nicht so sehr auf den Gesang, da geht es vielmehr um Sympathien, was ich auch verstehen kann, aber im Endeffekt driftet das oft sehr auseinander.

Und heute geht’s noch weiter mit Intervalltraining auf dem Laufband? Ist Ihnen das nicht zu monoton?

Mateo Jaschik: Nein, dort gibt’s einen Bildschirm und ich höre Musik dabei.

Hören Sie eigene Songs beim Laufen?

Mateo Jaschik: Ich höre mit Bluetooth-Kopfhörern, drücke auf Shuffle und lasse den Zufall entscheiden. Eigene Songs? Bloß nicht! Das ist immer so eine komische Peinlichkeit, als wäre man mit den eigenen Eltern oder mit den Kindern unterwegs. Man ist stolz drauf, aber irgendwie auch ein bisschen peinlich berührt. Wenn wir die Songs fertig haben, dann höre ich mir die auch nicht noch mal an, weil wir sie sowieso noch hundertmal performen und bei den Proben 50-mal am Tag hören, das reicht mir dann. Natürlich freue ich mich darüber, wie die letzten Jahre gelaufen sind, aber es geht immer weiter. Und 2014 wollen wir uns auch wieder zusammensetzen und dann wird’s „fresh“!

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