Laufen als Energiequelle

Ein Lauf mit Markus Merk

Wolfgang Schillings sprach mit dem Zahnarzt und ehemaligen Bundesliga- und FIFA-Schiedsrichter.

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Mit 339 Einsätzen hält Markus Merk den Bundesliga-Rekord, daben wurde er mehrfach Weltschiedsrichter des Jahres.

Bild: Reto Stauffer / wikipedia

Trainingstagebuch
Laufstrecke: Hamburg, Aussenalsterrunde
Distanz: 7,5 km
Zeit: 45 min
Wetter: Bedeckt, 9° C
Tempo: 6:00 min./km
Herzfrequenz (ø/max): 122/131

Wann haben Sie mit dem Laufen angefangen?
Ich kann mich nicht erinnern, dass ich irgendwann in meinem Leben nicht gelaufen wäre. Schon als Kind habe ich mit meinem Onkel an Volkswanderungen teilgenommen, bei ­denen wir allerdings gelaufen sind – dafür waren wir in der Region berühmt-berüchtigt. Meinen ersten Mara­thon habe ich mit 15 gefinisht.

Und wie viele Marathons sind bis heute zusammengekommen?
Ich bin kein Sammler oder Statistiker, sondern absoluter Spaßläufer. Meine Marathonbestzeit liegt bei 2:38 Stunden. Meine Kollegen haben immer gesagt, es sei schade, dass ich mich nie speziell auf einen Wettkampf vorbereitet hätte. Auch zu 100-Kilometer-Läufen, zum Triathlon und Skimarathon bin ich einfach hingefahren und losgelaufen. Zeiten und Weiten sind für mich sekundär, mir geht es eher um das Abenteuer und die Verbundenheit mit der Natur. Laufen ist für mich neben meinem Glauben und meiner Familie eine Energiequelle.

Welche Eigenschaften neben der nötigen Fitness muss ein guter Schiedsrichter noch mitbringen?
Schiedsrichter sollten eine starke Persönlichkeit haben und Mut, gerade bei Entscheidungen in der Grauzone Verantwortung zu übernehmen und dem Druck der Massen stand­zuhalten. Man muss es schaffen, ­seine Kompetenz punktgenau ein­zusetzen und sich dann aber auch wieder herauszunehmen.

Warum haben Sie 2008 Ihre Karriere als Schiedsrichter beendet?
Als ich 1988 mein erstes Bundesliga­spiel gepfiffen habe, ging für mich ein Kindheitstraum in Erfüllung. Als ich dann 20 Jahre später zum dritten Mal zum Weltfußballschiedsrichter gewählt wurde, hatte ich das Gefühl, dass der richtige Zeitpunkt gekommen war. Ich hatte alles gesehen und erreicht. Es war einfach eine runde Sache.

Sie haben vor dem Interview gesagt, dass Sie noch nicht ganz rund laufen. Woran liegt das?
Eine meiner großen Leidenschaften ist das Bergsteigen. Im Sommer habe ich mir bei einer Sechstausender-Expedition in Bolivien das Sprunggelenk gebrochen. Nach der Operation konnte ich mich sechs Wochen nur auf Krücken bewegen. Mein Fuß ist zwar noch nicht hundertprozentig belastbar, aber ich war schon sehr glück­lich, als ich zum ersten Mal ­wieder fünf Kilo­meter laufen konnte. Auf diese Weise lernt man, sich auch über das Erreichen kleinerer Ziele zu freuen.

Was macht ein Weltfußball­schiedsrichter ohne Pfeife?
Seit ich im Jahr 2005 meine Zahnarztpraxis verkauft habe, bin ich als Referent tätig. Ich werde von den unter­schiedlichsten Unternehmen zu Vorträgen gebucht. Einerseits geht es natürlich viel um Themen aus der Fußballwelt, um Fairplay und Entscheidungsprozesse, aber auch um Projektmanagement und Entwicklungsarbeit in der dritten Welt. Mein Motto: Ich möchte mich und nach Möglichkeit auch andere bewegen.

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