Lange Läufe sind wie Meditation

Ein Lauf mit Ken Duken

Sieben Monaten, nachdem er aufgehört hatte zu rauchen, lief Schauspieler Ken Duken seinen ersten Marathon. Die langen Läufe sind für ihn wie Meditation.

Trainingstagebuch
Strecke: Schlachtensee, Krumme Lanke
Ort: Berlin
Wetter: Warm, sonnig
Distanz: ca. 8,3 Kilometer
Zeit: 42 Minuten
Tempo: 5:00 Min./km

Sie sind Ihren ersten Marathon gleich in 3:24 Stunden gelaufen. Woher kam Ihre Motivation?

Viele laufen ja einfach drauflos. Aber ich mache eigentlich alles sehr akribisch und habe mich auch mit dem Laufen sehr stark befasst. Vor meinem ersten Marathon habe ich viel die langen Strecken trainiert, bis zu 120 Kilometer in der Woche. Sonst wäre ich von vier Schachteln Zigaretten am Tag auch nicht auf die Zeit gekommen.
War der Anfang schwer?

Der Anfang war hart, da bin ich drei Mal die Woche im Raucherlungen-Modus gelaufen. Wir waren für die Dreharbeiten für den Film „Krieg und Frieden“ in Litauen. Da hat mich mein Schauspielkollege Benjamin Sadler motiviert. Aber ich habe schnell gemerkt, dass Laufen mir guttut. Und als ich zurück in Berlin war, hat mich mein Kumpel René Hiepen trainiert und für den Marathon motiviert.

Sie sind mit nur ein paar Monaten Training gleich Marathon gelaufen?

Ja, nach sieben Monaten. Aber der härteste Lauf war für mich nicht der Marathon. Viel anstrengender fand ich den Halbmarathon, den bin ich in 1:31 h gelaufen. Aber das war echt ein Stück harte Arbeit.

Welchen Sport haben Sie denn zuvor betrieben?

Ich habe alles Mögliche an Sportarten gemacht. Ich bin in den Bergen groß geworden, da gehörten Eishockey und Snowboarden schon Mal dazu. Und irgendwann habe ich durch die Schauspielerei gemerkt, dass mich das Körperliche reizt.

Passt Laufen denn in Ihren Alltag?

Ich kann doch zu allen Drehs meine Laufschuhe mitnehmen! So bin ich in jeder Stadt, egal wo, erstmal gelaufen, meistens an den Flüssen entlang, die man ja überall findet.

Wie ehrgeizig sind Sie beim Laufen?

Ich habe Lust am Laufen gefunden und zwar schnell gemerkt, dass sehr viel mehr ging, als ich gedacht habe. Aber ich bin nie gegen andere gelaufen oder für Zeiten. Die langen Läufe sind für mich eher wie Meditation.

Viele Ihrer Kollegen halten sich ja auch sehr fit. Wie etwa Brad Pitt, mit dem Sie Inglorious Basterds gedreht haben. Tauscht man beim Dreh auch mal Fitnessprogramme aus?

Bei dem Dreh nicht. Denn in der Zeit bin ich nur gelaufen. Da war Laufen für mich über eine lange Zeit die beste Entspannung – und das beste Mittel, um die Reize zwischen Sympathikus und Parasympathikus gleichmäßig zu verteilen.

Laufen andere Schauspieler-Kollegen mal mit?

Ja, hier und da mal. Aber oft ist es auch so, dass man sich morgens noch verabredet und am Ende vom Drehtag doch alleine da steht. Aber ich laufe dann trotzdem.

Sie spielen ja viele schweißtreibende Rollen, hilft Ihnen da die Kondition? Oder werden die Szenen gestellt?

Ohne Kondition ginge da gar nix. Ich habe im Sommer ja Northmen-A Viking Saga gedreht, eine Wikinger-Saga. Eine schweißtreibendere Produktion kann ich mir gar nicht vorstellen. Die Drehtage waren extrem anstrengend. Ich bin teilweise morgens um vier Uhr aufgestanden und habe zwei Stunden schwere Gewichte gestemmt, damit ich für die Rolle fit war und die entsprechende Muskulatur zu halten, die ich im Vorfeld aufgebaut habe. Dann haben wir den ganzen Tag gedreht. Abends hatten wir noch Stunt-Rehearsal. Und so ging das zehn Wochen. Also wenn man da keine Kondition hat, dann hält man das nicht durch.

Sie sehen heute deutlich kräftiger, muskulöser aus: Folge des Trainings für den Film?

Ja, für diese Wikinger-Rolle musste ich einfach viel mehr Muskulatur aufbauen. Da waren viele Stunts dabei, viele Kampfszenen mit Blut, Schweiß und Dreck – großartig! Das liebe ich so an meinem Job: Dass ich immer wieder neue Rollen habe, neue Herausforderungen! Und direkt nachdem ich von dem Dreh zurückkam, da wurde ich gewaschen, rasiert, gestylt. Das war fast schon Nötigung. Und dann stand ich für eine schwule Liebeszene nackt unter der Dusche.

Aber als wandelnder Wikinger fällt Ihnen das Laufen jetzt vermutlich etwas schwerer?

Naja, ich wiege jetzt über 10 Kilo mehr, habe gefühlt 14 bis 15 Kilo Muskelmasse mehr – das tut bei den langen Läufern schon richtig weh. Selbst, wenn ich das Mehrgewicht durch eine Wampe hätte, wäre das Laufen leichter – aber ich habe ja nur Muskulatur zugelegt, die will natürlich auch mit Sauerstoff versorgt werden. Aber andererseits liebe ich diese Reize. Mein Körper sucht automatisch nach Veränderung.

Sie hatten aber sogar schon eine Rolle, wo sie einen Triathleten gespielt haben, in „Das Wunder von Kärnten“. Waren Sie da läuferisch vorbereitet?

Ja, vor allem hat es mir geholfen, mein Gewicht zu kontrollieren: Ich hatte mich vor dem Film ein bisschen gehen lassen. Und zu Beginn der Dreharbeiten hatte ich um einiges mehr auf der Waage als ich eigentlich haben wollte. Und dann hat mir die Lauf-Erfahrung geholfen, dass ich das Gewicht sehr schnell verlieren konnte. Aber sehr viel Kondition habe ich auch bei den Dreharbeiten für „Willkommen zuhause“ gebraucht, wo ich mich zum Glück in der Marathonvorbereitung befand. Da habe ich einen Soldaten gespielt, der aus Afghanistan zurückkommt und dann psychisch durchdreht. Er hat ein posttraumatisches Belastungssyndrom. Wir hatten zwar alles perfekt getimed bei den Dreharbeiten: Aber alle Laufszenen waren an den ersten beiden Drehtagen. Ich musste immer wieder Strecken von 200 bis 600 Meter Länge laufen, und zwar in einer Art Sprint, damit das im Film gut rüberkommt und dynamisch ausschaut. Und dann musste ich natürlich so sprinten, dass es nach lockerem Joggen ausschaut. Das waren gefühlte zwölf Stunden Kameradreh lang ein 400-Meter-Sprint nach dem anderen, ohne warmlaufen. Alles aus der kalten Hose. Das ging 12 Stunden lang. Ich glaube, wenn ich nicht so fit gewesen wäre, wie ich es da war, dann wäre ich echt zusammengeklappt. Da hat mich meine Fitness gerettet.

Im Film “Gran Paradiso“ haben Sie einen Rollstuhlfahrer gespielt. Wie haben Sie das trainiert?

Ja, das stimmt. In der Vorbereitung habe ich über sechs Wochen mehr oder weniger im Rollstuhl gelebt. Eine spannende Erfahrung. Da habe ich viel darüber gelernt, wie die Menschen damit umgehen. Und das hat interessanterweise auch wieder viel mit Sport zu tun. Viele Menschen, denen das passiert, dass sie im Rollstuhl landen, schalten erstmal komplett ab und denken: Mein Leben ist vorbei. Aber es gibt eben auch die, die sagen: Nein! Ich gebe nicht auf! Natürlich durchlaufen auch die einen Entwicklungsprozess: Aber dabei schöpfen sie eine neue Energie, weil sie merken, was sie alles erreichen können. Und das habe ich auch erlebt. Hätte ich nicht gewusst, dass Rollstuhlfahrer mit einer tiefen Querschnittslähmung sogar auch Treppenstufen erklimmen können, hätte ich das nie ausprobiert. Aber dann habe ich so lange probiert, bis es geklappt hat. Mit einer Hebeltechnik kommst Du tatsächlich alleine mit dem Rollstuhl eine Treppe hoch. Das war eine Erfahrung! Wo am Anfang ein noch so kleiner Bordstein ein unüberwindbarer Berg war! Und später fliegst Du darüber. Aber ich glaube , da geht jeder unterschiedlich mit um – das muss man natürlich respektieren.

Ihre Rollen als Schauspieler können unterschiedlicher nicht sein: Mal spritzt das Blut, mal Fließen die Tränen. Ist das nicht unglaublich anstrengend?

Ja, größere Kontraste gibt es nicht. Und genau das macht meinen Beruf für mich aus! Und das liebe ich daran: Diesen Wandel. Immer wieder etwas Neues suchen. Ich brauche diese Veränderungen. Bei mir ist es so: Wenn ich über längere Zeit immer wieder den gleichen Ablauf habe, gibt eine Sache mir nicht mehr das, was sie mir vorher gegeben hat; das gilt für meine Rollen und für meinen Sport. Und deshalb such ich einfach die Veränderung, die verschiedenen Reize. Ich bin nicht der Mensch, der dazu gemacht ist, eine Stagnation anzunehmen, zu akzeptieren. Ich glaube, das ist auch der Grund, warum ich auch beim Laufen immer wieder Veränderungen brauche, dass ich mal mehr intensive Einheiten trainiere, bis hin zum Sprinten. Dann aber wieder trainiere ich die langen Distanzen. Und wenn ich spüre, dass ich irgendwie hängenbleibe, sucht mein Körper automatisch nach Veränderung. Und das ist beim Schauspielen genauso. Dabei kann man scheitern, aber diese Gefahr, auf die Fresse zu fliegen, suche ich, weil es mich irgendwie reizt. Ich glaube, wir haben alle schon mal den Satz gehört: „Hinzufallen ist nicht schlimm. Nicht wieder aufzustehen, das ist schlimm.“

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