Laufen mit dem Radio-Moderator

Ein Lauf mit John Ment

"Ich bin in meinem Leben ganz viel für andere da. Deshalb bedeutet mir das Laufen auch so viel: Das mache ich nur für mich!"

Ein Lauf mit John Ment

"Ich habe gerade mehr Energie denn je." John Ment denkt gar nicht ans Aufhören - als Moderator und als Läufer.

Bild: Jörg Modrow

Welchen Einfluss hatte die Digitalisierung aufs Radio?

Die größte Konkurrenz, die wir derzeit haben, sind die ganzen Internetanbieter wie Spotify. Aber: Das Internet spricht nicht mit dir, das kann nur Radio. Nur das Radio kann dich zu Hause abholen, kann dir Straßen nennen, die du kennst, und Orte die du liebst, dir deine Heimat erklären. Deswegen wird es auch Radio immer weiter geben, auch wenn es seit der Erfindung der Musikkassette immer wieder totgesagt wurde.

Gibt es noch einen John Ment, den die Hörer nicht kennen?

Ich muss schon zugeben, dass sehr viel Privates von mir im Radio preisgegeben ist. Manche Sachen sind davon sicherlich zu privat. Wo ich immer sehr vorsichtig bin, ist bei unserem Sohn, weil ich weiß, dass viele an seiner Schule auch Radio Hamburg hören. Wenn ich dann irgendwas über ihn erzähle, bekommt er das unter Umständen als Bumerang zurück.

Ist er mal nach Hause gekommen und hat gesagt, dass ihn die Mitschüler wegen eines Kommentars seines Vaters aufgezogen haben?

Nein, das ist noch nie passiert. Es gibt aber eine lustige Geschichte mit meinem Sohn. Er hatte noch Sommerferien. Schüler kennen diesen Morgen, den ersten nach den Sommerferien, an dem es wieder zur Schule geht. Für eine Geschichte haben wir diesen Tag für unseren Sohn vorgezogen und ihn am letzten Ferientag morgens um halb vier geweckt und so getan, als müsste er zur Schule. Das ganze Schauspiel haben wir aufgezeichnet. „Halt’s Maul, Digga“, war die Reaktion auf unseren Weckversuch. Das Ganze haben wir dann gesendet – und die Leute haben sich totgelacht.

Was ist der Vorteil des Radios gegenüber dem Fernsehen?

Beim Radio kannst du Kino im Kopf erzeugen, jede Show ist live und Radio ist schneller. Du kannst bei Vorkommnissen auf der Welt die Musik unterbrechen und sofort reagieren. Radio ist relevant für den Augenblick, in dem du einschaltest. Du erfährst, wie das Wetter wird, was man anziehen muss, wo man gleich im Stau steht. Und all das kann das Fernsehen nicht oder weniger bieten, weil es viel punktueller und im Produktionszyklus aufwendiger und langwieriger ist.

Wie sehr schmeichelt es dir, wenn dich Leute erkennen? Wie eitel muss ein Radio-Moderator sein?

Guck mich an – sehe ich etwa eitel aus? Es ist toll und eine Bestätigung meiner Arbeit und ein Zeichen der Anerkennung, wenn die Hörer dir nicht gleich auf die Fresse hauen, wenn sie dich sehen.

Nimmst du Sprachunterricht?

Einmal im Monat setzen wir uns mit unserer Sprach-Expertin Anna-Lena Schmidt zusammen und hören uns Sendungen an. Sie stellt dann mit ihrer Professionalität fest, wo sich Fehler einschleichen. An mir musste viel gearbeitet werden. Anna-Lena Schmidt sagte immer, meine Stimme klingt wie die von Mickey Maus.

Hast du einen typischen Sprech-Fehler für uns?

Viele Moderatoren heben gerne Präpositionen hervor. Das klingt dann sehr werblich, aber nicht authentisch. Und Authentizität ist gerade das, was wir beim Radio erzeugen wollen. Atmung ist auch ein Thema beim Sprechen. Ich übe das Sprechen oft mit einem Korken im Mund. Man spricht dadurch langsamer und ruhiger. Daraus entwickelt sich ein Sprechtempo, das beim Zuhören als sehr angenehm empfunden wird.

Wie fühlt es sich an, selbst interviewt zu werden? Sonst bist du ja derjenige, der die Fragen stellt.

Ich liebe diese Situation total, weil man bei jeder Frage, die man beantwortet, etwas über sich selbst lernt. Und man wird gezwungen, mal über sich selber nachzudenken. Ich stelle fest, ich bin in meinem Leben ganz viel für andere da: für meine Frau, für meinen Sohn und für die Hörer. Deshalb bedeutet mir das Laufen auch so viel: Das mache ich nur für mich!

Wem wirst du länger treu bleiben: Der Morning-Show oder dem Laufen?

Solange beides läuft (lacht). Wenn man mich weitermachen lässt, werde ich irgendwann im Radio-Studio tot umfallen – wenn ich nicht schon vorher beim Laufen umfalle. Aber ich habe gerade mehr Energie denn je. Ans Aufhören ist gerade nicht zu denken.

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