Laufen mit dem Radio-Moderator

Ein Lauf mit John Ment

"Ich habe das große Glück, ziemlich oft ziemlich gut gelaunt zu sein, weil ich mich in einem tollen Umfeld bewege."

Ein Lauf mit John Ment

Seit 1989 moderiert John Ment die Morning Show bei Radio Hamburg.

Bild: Jörg Modrow

Wie findet man jeden Tag wieder aufs Neue spannende Themen, mit denen man die Hörer fesselt?

Das ist gar nicht so schwer. Oft entwickeln wir Geschichten, die passieren. Das sind die Geschichten, die die Leute interessieren. Und Geschichten, die einen selbst Neugierig machen. Denn der Hörer hört am liebsten etwas, das jemandem passiert ist. Darin findet er sich am besten wieder. Radio-Moderator ist wirklich ein Traumjob: Du kannst dir verrückte Sachen ausdenken und die sofort umsetzen. Dabei folgen wir dem Leitfaden: Aktualität, Relevanz und Regionalität. Aber letztlich bleibt auch ganz vieles Bauchgefühl. Heute habe ich zum Beispiel ganz stolz erzählt, dass wir uns zum Laufen treffen.

Nochmal meine Frage: Wie ergeben sich solche Geschichten? Braucht es nicht ein großes Team an Kreativen?

Die ergeben sich manchmal einfach von selbst. Ein Beispiel: Viele von uns sind von Baustellen genervt. Baustellen mag keiner. Und man fragt sich dann ganz oft, wenn man an einer Baustelle vorbeifährt: Arbeitet da überhaupt jemand? Diese Situation kennt der Radio-Moderator John Ment genauso wie der Hörer XY. Dann fragen wir uns: Wie können wir dem Thema Baustelle einen positiven Charakter geben. Dann kam uns die Idee zum „Bauarbeiter-Bingo“. Die Idee: Die Leute sollten raten, wie viel Bauarbeiter, zum Beispiel auf einer Baustelle auf der A7 um 7:30 Uhr, arbeiten. Ein Mitarbeiter von uns ist dann dort hin gefahren und hat nachgezählt. Der Hörer, der am nächsten dran war, hat dann 103,60 Euro gewonnen – passend zu unserer Frequenz von 103,6.

Wie kriegst du es jeden Morgen aufs Neue hin, gut gelaunt im Studio zu sitzen? Schließlich will niemand nach dem Aufstehen von einem Morgenmuffel geweckt werden.

Dazu muss man vorab sagen, dass sich die Einstellung in der Radiowelt in den letzten Jahren gewandelt hat. Niemand erwartet mehr von einem Radio-Moderator, dass er den immer gut gelaunten Pausenclown gibt. Was der Hörer heutzutage will, ist ein glaubwürdigen und authentischen Moderator. Nun habe ich das große Glück, ziemlich oft ziemlich gut gelaunt zu sein, weil ich mich in einem tollen Umfeld bewege. Ich arbeite in einem tollen Team: Wir kennen uns, wir mögen uns, wir treffen uns sogar privat. Dieses Team zieht einen mit, selbst, wenn man mal einen nicht so guten Tag hat. Und auch wenn das der Fall ist, kann man das heutzutage im Radio sagen. Zum Beispiel kann ich meinen Hörern sagen: Ich habe Kopfschmerzen und fragen: Hat jemand von euch eine Idee? Und schon fängt es beim Hörer an im Kopf zu arbeiten. Dagegen sind moderierende „Lachtrommeln“ eher nervig. In der Radio-Werbung kennt man dieses Phänomen übrigens auch. Die Werbeleute glauben immer noch, dass der Hörer angebrüllt werden will. Aber wer will schon gerne angebrüllt werden?

Wie lange moderierst du schon?

Ich habe 1986 bei Radio Hamburg angefangen. Dazwischen war ich mal kurz beim NDR, mache aber seit 1989 ausschließlich die Morning Show.

Wie hat sich das Radio in dieser Zeit gewandelt?

Wie gesagt: Die Leute wollen mittlerweile authentische Menschen, keine Kasper. Außerdem hat sich der Humoranspruch geändert. Man kann heute ganz andere Sachen machen, muss aber aufpassen, dass man nicht unfair wird. Denn der Hörer ist in seinem Hörverhalten eher konservativ. Früher hat man einfach gemacht, heute wird viel mehr über Institute getestet. Das gilt auch für die Musik. Deswegen steht hinter der Musikauswahl ein ganzes Berater-Team. Da ist man früher viel blauäugiger herangegangen, hat auch mal eine Platte von zu Hause mitgebracht, die man cool fand. Das geht heute nicht mehr, da ist man vorsichtiger geworden – auch, weil die Konkurrenz sehr groß ist.

Wo liegt für dich der Unterschied zwischen albern und lustig?

Ich gebe zu, dass das mitunter ein schmaler Grat ist. Witzig ist gut, albern muss zwar manchmal auch sein. Aber im Großen und Ganzen muss das Programm unterhaltsam sein. Wenn einem danach ist, muss man auch mal albern sein – manchmal muss man Radio auch ausschöpfen, sage ich gerne. Ich benutze dabei nicht nur meine Stimme, sondern auch Musik und Geräusche. Darin sehe ich die Aufgabe des Moderators, diese Elemente dramaturgisch zu verbinden. Dass da mal was Albernes bei rumkommt, ist normal, aber auch das kann lustig sein. Sollten wir mal über die Stränge schlagen, gibt es ein korrigierendes Element, die anschließenden Konferenzen mit dem Programm-Chef. Der sagte dann unter Umständen zu uns: „Das haben wir jetzt zweimal gehört – das erste und das letzte Mal!“

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