Laufen mit dem Radio-Moderator

Ein Lauf mit John Ment

"Geil, ein neuer Rekord! Das finde ich grandios und will dieses Gefühl nicht mehr missen."

Ein Lauf mit John Ment

Rund eine am Stunde am Tag widmet John Ment dem Laufen - manchmal mehr, manchmal weniger.

Bild: Jörg Modrow

Und wie geht’s danach weiter: Radio oder Fernsehen?

Ich bin ein großer Serien-Fan! Ich liebe Walking Dead und Mad Men. Im Moment verschlinge ich Banshee – eine brutale Serie mit einem Typen namens Lucas Hood, der Sheriff wird, obwohl er eigentlich gar keiner ist und fortan für seine alte Liebe und gegen das Verbrechen, teils recht blutverschmiert, kämpft.

Ganz schön duster – ist das der Ausgleich zum Feuerwerk der guten Laune, das du jeden Morgen abfeuerst?

Kann sein – aber vielleicht ist es auch jedes Mal wieder eine Mutprobe. Ich liebe Herausforderungen und bei manchen Serien reizen mich die brutalen, kreativen Überraschungsmomente. Und das wiederum macht die Serien unterhaltsam.

Zurück zum Laufen: Gibt es neben dem Gewichtsverlust noch einen weiteren Grund, warum du läufst?

Ich laufe, um abzuschalten. Außerdem hat man jeden Tag ein Erfolgserlebnis. Man überwindet den inneren Schweinehund, und womöglich schafft man jeden Tag ein bisschen mehr oder ist ein bisschen schneller. Ich bin süchtig nach dem Gefühl, die App ab- und festzustellen: Geil, ein neuer Rekord! Das finde ich grandios und will dieses Gefühl nicht mehr missen. Ich bin zwar Fußballtrainer der Jugendmannschaft vom SC Poppenbüttel in Hamburg. Aber mit meinen damaligen 107 Kilo als fetter Trainer am Spielfeldrand zu stehen, ist nicht sehr glaubwürdig. Es macht schon einen Unterschied, ob der Trainer mitmacht oder nur zuguckt. Also habe ich auch abgenommen, um bei den Jungs zu punkten. Und natürlich auch als Ehemann. Das findet die Frau ja auch nicht schön, wenn man einen Ballon vor sich herträgt.

Spielst du oder hast du selbst mal Fußball gespielt?

Nein, gar nicht. Was ich sportlich mal gemacht habe, war ab und zu mit dem Fahrrad zu fahren oder gerne mal ein bisschen spazieren zu gehen. Aber das kann man, glaube ich, nicht richtig als Sport bezeichnen. So wie meine Golf-Episode. Das habe ich damals sehr gerne gemacht und mich sogar bis Handicap acht runtergespielt. Doch das ist schon ziemlich lange her.

Was ist deine aufregendste Laufgeschichte?

Ich hatte eine Aktion mit Radio Hamburg und musste dafür am Wochenende an einem Samstag um sieben Uhr morgens im Sender sein. Daher bin ich extra schon um fünf Uhr aufgestanden, weil ich vor dem Duschen noch laufen wollte. Ich bin dann wie immer im Duvenstedter Brook gelaufen. Und so lief ich in Gedanken verloren durch den Wald. Doch plötzlich hörte ich Grunz-Geräusche und mir dämmerte: Ich bin schön in eine Horde Wildschweine reingelaufen. Ich bekam es gehörig mit der Angst. Langsam schlich ich zurück und konnte entkommen. Offenbar wollten die nichts von mir, weil keine Frischlinge dabei waren. Das war ganz schön aufregend.

Wie viel Zeit investierst du in der Woche ins Laufen?

Ich denke, dass ich im Schnitt täglich eine Stunde laufe, manchmal auch ein bisschen mehr. Es kommt immer ganz extrem auf den Tag an: Es gibt Tage, da merke ich, dass jeder Kilometer eine Herausforderung ist, und dann gibt es Tage, da habe ich das Gefühl, fliegen zu können. Dann könnte ich stundenlang laufen. Meine Gedanken segeln dann irgendwo hin.

Hörst du beim Laufen Musik?

Wenn ich mit meinem Nachbar Marcus laufe, dann natürlich nicht. Ansonsten höre ich grad sehr gerne 9 Inch Nails beim Laufen: bisschen rockig, bisschen Elektro. Das pusht! Was ich noch gerne höre: 80er Mucke wie New Order oder Blue Monday. Letztens bin ich sogar mal das komplette Paolo-Conte-Album durchgelaufen.

Nervt dich die Musik nicht, wenn sich bei deiner Arbeit schon vieles um Musik dreht?

Ich kann eigentlich gar nicht genug Musik kriegen! Denn ich bin ja mit Musik groß geworden. Mein Vater war Musiker und 40 Jahre in einer NDR-Band aktiv und zusätzlich 20 Jahre mit James Last unterwegs. Eigentlich wollte ich auch Musiker werden, aber mein Vater hatte mir dringend davon abgeraten, weil man heutzutage nirgendwo mehr fest angestellt wird.

Wie wurdest du dann Radio-Moderator?

Ich habe in der Schule unheimlich gerne Theater gespielt und war großer Musikfan. Wenn man das kombiniert, wird man eben Radio-Moderator.

Wie viel Zuhörer habt ihr in der Morning-Show?

Die größte Zahl an Zuschauern haben wir in der 7-Uhr-Stunde. Da sind es 300.000 Hörer – ungefähr sechsmal das Volkspark-Stadion gefüllt. Am Tag kommen wir auf gut eine Million Zuhörer.

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