Sängerin und Asien-Fan

Ein Lauf mit Jamie-Lee Kriewitz

Jamie-Lee Kriewitz kennt man eher in schrillen Outfits auf der Bühne des Eurovision Song Contests. Beim Sport mag sie's eher lässig. Wir sprachen mit ihr beim Laufen.

Ein Lauf mit Jamie-Lee Kriewitz

Jamie-Lee Kriewitz gewann die ­Castingshow „The Voice of Germany“ und vertrat Deutschland beim ESC. Neben ihrer Stimme begeisterte sie mit Manga- und Anime-Outfits.

Bild: Marcus Vogel

Trainingstagebuch
Strecke: Maschpark
Ort: Hannover
Wetter: sonnig, 28 Grad
Distanz: 3 Kilometer
Zeit: 20 Minuten
Tempo: 6:40 Min./km

Ein Pflaster am Knie – was ist passiert?
Jamie-Lee Kriewitz: Das war auf meinem 18. Geburtstag. Wir hatten eine Hüpfburg, ich wollte mit der Freundin hinrennen und bin gefallen. Halb so schlimm.

Läufst du wirklich in Chucks?
Ja. Ich komme gar nicht so oft zum Laufen, als dass es sich lohnen würde, richtige und teure Laufschuhe zu besorgen. Wenn ich ­laufe, dann immer in Chucks.

Wie oft läufst du denn?
Ich versuche, wenigstens einmal die Woche zu laufen. Früher habe ich viel mehr Sport gemacht, auch Fußball gespielt, aber seitdem ich weniger Zeit habe, muss ich das ­leider etwas nach hinten stellen.

Und du läufst im ganz schlichten Outfit. Man kennt dich ja eher im Manga-Style.
Mit Manga-Klamotten wäre es zu kompliziert zu laufen – mit den ganzen Spangen und Armreifen. Das ist ja beim Laufen nicht Sinn der Sache. Daher trage ich lieber ganz normale Sportklamotten.

Seit wann kleidest du dich denn im Manga-Stil?
Seit etwa drei Jahren. Damals hatte ich das in einer Zeitschrift entdeckt und fand das mega. Das ist ein Kleidungsstil aus Japan. In Tokio tragen das ganz viele Jugendliche.

Hattest du dich vorher schon mit Manga-Comics beschäftigt?
Ja. Ich hatte Manga-Comics und hab im Internet viele Animes geschaut. Für Japan hab ich mich immer schon interessiert.

Und wo bekommt man solche Klamotten?
Die besorge ich mir hauptsächlich im Internet, entweder auf Ebay oder Amazon, aber es gibt auch asiatische Shops, wo man solche Klamotten sehr billig findet. Es dauert nur immer ein bisschen, bis sie ankommen. Aber das Warten lohnt sich.

Zu welchen Anlässen trägst du Manga-Sachen?
Manchmal in der Schule, aber mehr auf Manga- und Anime-Conventions. Dort trifft man auch Cos­player, die sich als Animes verkleiden. Es gibt da riesige Festivals.

Cosplayer?
Cosplay heißt Costume Play, das ist eine Art Rollenspiel. Einige verkleiden sich nicht nur, sondern verhalten sich auch so wie die Figuren, machen bei Wettbewerben mit, wo man zum Beispiel Theaterstücke aufführt. Mir geht’s aber nur um die Kleidung.

Machst du das mit Freunden gemeinsam?
Ich habe viele Freunde, die das auch machen. Die meisten cosplayen, aber zwei, drei sind auch Decorakas.

Decorakas?
Das bedeutet, dass sie sich Schicht über Schicht kleiden, Overknees plus Rock plus T-Shirt, Jacke drüber und dann ganz viel Schmuck übereinander.

Bist du über diese Szene auch zur Musik gekommen?
Nein, das Singen habe ich schon mit elf im Gospelchor in Hannover richtig gelernt. Die Faszination für Japan und Korea kam erst später über Mangas und Animes. Ich lerne Koreanisch, kann koreanisch singen und will später in Korea leben.

Nach deinem Studium?
Genau. Ich will Koreanistik studieren. Es kommt ein bisschen darauf an, wie es mit der Musik weiterläuft. Aber es wär schon cool, wenn ich das daneben machen könnte.

Koreanisch ist vermutlich schwer zu lernen…
Ach es geht. Wenn man eine richtige Begeisterung dafür hat, dann fällt es einem leichter als wenn man es in der Schule lernen muss.

Warst du schon mal in Korea?
Ich war vor kurzem in Südkorea um das Musikvideo für meine nächste Single Wild One zu drehen.

Du singst ja nicht nur, sondern tanzt auch.
Ja, ich tanze aber nur zu Hause für mich, nicht im Verein. Ich lerne Choreos auswendig von meinen ­koreanischen Lieblingsgruppen.

Welche sind das?
Block B zum Beispiel. Das ist eine siebenköpfige Jungsgruppe. Dazu tanze ich total gerne.

Wo machst du das dann?
Das mach ich bei mir im Zimmer. Meine Mutter hat mir zur Geburtstag einen großen Spiegel geschenkt, davor tanz ich dann.

Trainierst du damit für deine Auftritte?
Ja, schon. Ich mach bei Auftritten gern mal ein paar kleine Tanzmoves, die ich mir selbst beigebracht hab, das feiern die Fans immer sehr.

Und stellst du deine Outfits für die Auftritte auch selbst zusammen?
Ja, fast alles sind meine eigenen Ideen. Ich habe aber auch eine Stylistin, die auch oft tolle Sachen mitbringt.

Aber beim Laufen bleibt’s einfach.
Ja, lieber sportlich. Ist mir so schon anstrengend genug.

Aber auch keine Funktionsklamotten?
Ne, eher entspannt. Ich laufe ja zu selten, um das voll krass zu machen mit krassen Schuhen und Klamotten. Ich lauf einfach entspannt, so wie ich gerade kann.

Läufst du bei Stress auch?
Ja, am liebsten mit Musik auf den Ohren: K-Pop, koreanische Musik.

Läufst du allein?
Meistens schon, manchmal auch mit meinem Hund. Meine Große, ein Schäferhund-Husky-Mischling, ist schon zu alt. Ich laufe mit dem Kleinen, das ist ein Terrier-Mischling, mit dem geht das sehr gut.

Schaust du auch aufs Tempo?
Nein, ich laufe, wie es mir gefällt. Manchmal hab ich Phasen, da kann ich auch lange schnell laufen, manchmal bin ich aber auch total schnell außer Atem und kann nicht mehr.

Wie lange bist du bei einem Lauf normalerweise unterwegs?
So ein bis zwei Stunden. Und wenn’s mir zwischendurch zu anstrengend ist, mache ich einfach Gehpausen.

Was gibt dir das Laufen?
Selbstbewusstsein auf jeden Fall. Man sieht Ergebnisse, dass man sportlicher und schlanker aussieht. Außerdem kriegt man stressige ­Situationen besser auf die Reihe.

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