Interview mit dem Hoteldirektor des "Vier Jahreszeiten"

Ein Lauf mit Ingo C. Peters

Tauscht den Anzug gerne mal gegen Laufbekleidung: Ingo C. Peters, Generaldirektor des Hotels „Vier Jahreszeiten“ in Hamburg, ist passionierter Läufer.

Ein Lauf mit Ingo C. Peters

Im Hotel zu Hause: Ingo C. Peters wohnt mit seiner Frau Christiane in einem Apartment im dritten Stock des „Vier Jahreszeiten“.

Bild: Marcus Vogel

Trainingstagebuch
Strecke: Alsterrunde, Start und Ziel: Hotel „Vier Jahreszeiten“
Ort: Hamburg
Wetter: sonnig, 3 Grad
Distanz: 8,7 Kilometer
Zeit: 50:45 Minuten
Tempo: 5:50 Min./km

Wie wird man Hoteldirektor im „Vier Jahreszeiten“? Es heißt ja immer, sie hätten schon als Page hier im Hotel den Traum gehabt.

Das stimmt nicht, das hat man mir so angedichtet. Ich hätte mir nie angemaßt und niemals damit gerechnet, dass ich diese Position mal kriege. Ich habe nach dem Abitur hier im Hotel gelernt. Dann war ich lange im Ausland, erst in London, dann sieben Jahre in den USA. Es hat mir sehr gut dort gefallen. Aber ich wollte auch noch nach Asien, weil es da viele Neuerungen und andere Service-Aspekte gibt. Fünf Jahre war ich dort. Danach wollte ich eigentlich zurück in die USA. Ich hatte eine Green Card und auch schon mündlich die Zusage meines damaligen Arbeitgebers, ein Hotel in Chicago zu leiten, das damals neu eröffnen sollte. Aber dann kam ein paar Monate später ein Anruf aus Singapur von Raffles, denen damals das „Vier Jahreszeiten“ gehörte. Die haben mich natürlich ausgesucht, weil sie wussten: Ich komme aus Hamburg, habe hier gelernt, habe die Wurzeln hier. Damit waren all die Zukunftspläne, die ich für die USA hatte, über den Haufen geworfen. Aber so ist das Schicksal. Und acht Wochen später war ich wieder hier in Hamburg. Das war überhaupt nicht auf meinem Plan, das war reiner Zufall.

Das „Vier Jahreszeiten“ ist ja ein sehr feines Hotel mit einem vornehmen Publikum. Wird man in Laufklamotten überhaupt hereingelassen?

Wir haben viele Gäste, die morgens laufen gehen. Die durchqueren natürlich in Laufkleidung die Rezeption. Aber die würden sich nicht hier in die Wohnhalle setzen, vor allem, wenn sie vom Laufen kommen. Das würde ich auch nicht erlauben. Es gibt bestimmte Spielregeln. Das hat mit dem Dresscode zu tun, mit der Einrichtung. Wenn Sie sich hier ins Sofa lümmeln und die Füße auf den Tisch legen oder wenn Sie bei uns in Shorts zum Essen kommen, dann würden wir sagen: Das funktioniert nicht.

Wie sportlich ist Ihre Kundschaft? Hat sich das in den letzten Jahren verändert?

Als ich 1997 anfing, mit meinem Bruder um die Alster zu laufen, konnte man die Läufer an einer Hand abzählen, vor allem, wenn man morgens früh gelaufen ist. Wenn ich mir das jetzt ansehe, hat sich das schon extrem gewandelt. Ich gehe schon gar nicht mehr am Samstag oder Sonntag zu normalen Zeiten laufen. Das bringt ja keinen Spaß. Und auch unser Publikum ist viel sportlicher geworden. Wir stellen sogar morgens und abends eine Jogging-Station auf. Die wird immer morgens rausgestellt, so um 6:30 Uhr, und um 9 bauen wir sie ab, denn dann laufen die Leute nicht mehr. Und abends ab 17 Uhr steht sie wieder da. Das wird sehr gut angenommen. Da gibt’s diese kleinen weißen Waschlappen, dass man sich mal den Schweiß abwischen kann, wenn’s im Sommer heiß ist. Man kann Wasser mitnehmen und eine Jogging-Karte mit Binnenalster und Außenalster, auf der habe ich die Distanzen eingezeichnet, wie viele Kilometer man machen kann. Die haben wir auch oben in den Zimmern.

Seit wann laufen Sie?

So richtig zum Laufen gekommen bin ich in den USA. Das war ja eine ganz andere Kultur, da ging ja jeder joggen, ins Fitness-Center und so. Auf meiner letzten Station, in Kalifornien, hatte ich ein Town House, das war ungefähr sechs, sieben Kilometer vom Hotel entfernt, durch einen Golfplatz getrennt. Da bin ich immer morgens zur Arbeit gelaufen, das war wunderschön. Ich hatte so einen Hüftbeutel, wie man sie beim Skifahren hat. Da waren meine Manschettenknöpfe drin, meine Uhr, ein Paar Socken, Unterwäsche. Im Fitness-Center im Hotel konnte ich mich umziehen, da hatte ich im Spint einen extra Anzug. In Asien habe ich das natürlich fortgesetzt. In Thailand konnte man auch draußen laufen, aber bedingt durch das subtropische Klima war es schon sehr, sehr heiß. In Indonesien, in Djakarta, war die Luft so verpestet, dass man nur drinnen laufen konnte. Ich hab es mal probiert, aber da gibt es Schlaglöcher in den Gehwegen, und auf einmal hört der Gehweg auf, dann ist nur noch Straße. Das ist richtig gefährlich. Also bin ich eben drinnen gelaufen. Aber als ich nach Hamburg kam, war das natürlich eine wunderbare Sache, um die Alster zu laufen.

Nehmen Sie auch an Wettbewerben teil?

Nicht mehr, aber früher. Den ersten Marathon bin ich Ende der 90er-Jahre aufgrund einer Wette gelaufen. Mein Bruder Dirk, der neun Jahre jünger als ich ist, war immer der Sport-Crack in der Familie. Aber gelaufen war er noch nie. Und nun verkündete er auf einmal: Ich lauf jetzt einen Marathon. Da sagte mein Stellvertreter zu mir: Das finde ich ja toll, das würdest du ja nie schaffen. Ich dachte: Wenn ich trainiere, schaffe ich das auch. Und so haben wir gewettet. Er schlug vor: um 100 Mark. Das waren noch D-Mark-Zeiten. Da sagte ich: Für 100 Mark mache ich doch nicht so ein Training mit. 1.000 Mark! Dann geht’s los. Nächstes Jahr laufe ich den Hamburg-Marathon mit. Nun bin ich ja sehr ehrgeizig. Ich hatte das Buch von Herbert Steffny gelesen und dachte mir, den rufst du einfach mal an, bietest ihm eine gute Rate an, dann kann der hier wohnen. Und dann sind wir zusammen gelaufen: 3:30:32 Stunden, und das im ersten Marathon! Und das Beste daran: Ich war schneller als mein Bruder. Nicht viel: zwei Minuten, aber immerhin. Vom Wettgewinn waren wir dann zusammen in New York und sind im November 2000 den Millenium-Marathon mitgelaufen. Dreimal sind wir in New York gelaufen. Dann haben wir Frankfurt und Berlin gemacht. Insgesamt bin ich ungefähr 15 Marathons gelaufen, den letzten glaube ich 2005, dann wurde mir die Belastung zu groß. Und ich mag keinen Marathon mitlaufen, wenn ich nicht gut trainiert bin. Das ist eine Qual.

Wie oft laufen Sie?

Ich laufe zwei- bis viermal in der Woche um die Alster, und wenn ich ein bisschen mehr Zeit habe, mache ich die Binnenalster noch mit, eine Acht sozusagen, das sind genau zehn Kilometer. Die andere Strecke sind 8,7. Und am Wochenende laufen wir manchmal von hier zum Stadtpark, um den Stadtpark rum und auf der Westseite an der Alster zurück. Das ist ein knapper Halbmarathon, so 19 bis 20 Kilometer.

Reizt es Sie nicht, doch noch mal einen Marathon zu laufen?

Vielleicht laufe ich noch mal einen, aber das Gute ist ja: Das kann man auch noch mit 60 machen.

Ein Lauf mit ...:

Ein Lauf mit Markus Ertelt

Laufen mit dem Schauspieler

Ein Lauf mit Tim Koller

Tim Koller
"Mehr laufen und weniger rauchen", lautet Tim Kollers Motto. Und siehe... mehr

Laufen mit der Burlesque-Performerin

Ein Lauf mit Eve Champagne

Eve Champagne tritt regelmäßig im Show Club von Olivia Jones in... mehr

Laufen mit dem Radio-Moderator

Ein Lauf mit John Ment

Ein Lauf mit John Ment
Seit über 25 Jahren ist John Ment Radio-Moderator. Erst seit diesem... mehr

Interview mit dem Schauspieler

Ein Lauf mit Markus Ertelt

Markus Ertelt
Schauspieler Markus Ertelt ist im letzten Jahr mit ­seiner Mannschaft... mehr