Interview mit der Olympiasiegerin

Ein Lauf mit Heike Drechsler

Heike Drechsler, zweifache Olympiasiegerin im Weitsprung, läuft seit ihrem Karriere-Ende regelmäßig im Wildpark in Karlsruhe. Irgendwann will sie auch Marathon laufen.

Heike Drechsler

Fit wie eh und je: Heike Drechsler ist oft auf der Laufstrecke unterwegs und streut Tempoläufe und Kraftübungen an den Trimm-Dich-Pfad-Stationen ein.

Bild: Britta Ost

Trainingstagebuch
Strecke: Trimm-dich-Pfad im Wildpark
Wetter: nieselig bis sonnig, 18 Grad
Distanz: 7,3 km
Zeit: 44 Minuten (plus Stationen)
Tempo: 6:02 min/km

Ist das Ihre Hausrunde im Wildpark?

Heike Drechsler:
Ja, hier laufe ich oft mit meinem Sohn und Kommilitonen von ihm. Oder im Oberwald. Sonst laufe ich auch mal beim Betriebssport mit. Ich mache aber auch alleine mein Programm, wobei es natürlich nicht so schön ist, nur mit seiner Uhr zu laufen. Ich versuche immer, dreimal die Woche zu laufen. Hier kann man auch schön Intervallläufe machen.

Dann machen Sie hier auch Intervalltraining? Und nicht auf der Bahn.

Heike Drechsler:
Nein, lieber hier. Das ist doch schöner im Wald oder einer schönen Umgebung. Intervalltraining ist für mich das beste Training, weil da die Pumpe richtig arbeiten muss. Ich mag den unterschiedlichen Rhythmus, da merk ich, dass das richtig was bringt. ich, dass ich richtig was davon habe. Zum Beispiel 10 x 100 Meter, immer im 30-Sekunden-Rhythmus. Oder 20 Sekunden schnell, 20 Sekunden traben, da komm ich richtig gut ins Schwitzen und merk das auch schnell bei der Ausdauer.

Was sind Ihre läuferischen Ziele?

Heike Drechsler:
Irgendwann will ich mal einen Marathon laufen. Aber ich muss gucken, wie ich das zeitlich und terminlich für mich organisieren kann. Zurzeit gehen Strecken bis zehn Kilometer ganz gut und daher fange ich lieber erst mal klein an, das ist ja auch ein anderes Gefühl, wenn man an einem Lauf teilnimmt. Also lieber erstmal ein 10-km-Lauf und das dann später steigern.

Welches ist Ihr Traum-Marathon?

Heike Drechsler:
Berlin fände ich cool. Oder auch Frankfurt. Ich hatte sogar schon einmal eine Einladung nach New York – hab mir die ganze Zeit einen Kopf gemacht, weil man dafür ja richtig fit sein muss. Aber leider hatte es sich damals doch verschoben. Das ist ja schon der Traum jedes Läufers. Und wenn ich das mal mache, dann will auch richtig bereit dafür sein. Wir haben eine Laufgruppe im Betriebssport, viele Vorstände laufen da mit. Aber die Marathonläufer sind mir noch zu schnell.

Und in der Leichtathletik?

Heike Drechsler:
Das mach ich nur noch privat. Wenn ich im Stadion bin und keiner schaut, spring ich auch noch mal. Das ist immer schön im Stadion, eine schöne Atmosphäre. Aber wenn man 27 Jahre Leistungssport gemacht hat, braucht man diesen Druck einfach nicht mehr. Das Sportabzeichen mach ich immer noch gerne. Aber Seniorensport oder Wettkämpfe – neee!

Das Sportabzeichen ist ja für Sie sicher easy.

Heike Drechsler:
Ja, die Anforderungen schaff ich immer gut.

Für mich war das Werfen immer am schwierigsten.

Heike Drechsler:
Ach, das konnte ich immer ganz gut. Letztes Jahr hab ich beim Kugelstoßen noch 11,30 gestoßen, mit der Vierer (Anm. d. Red. 6,25 reichte für Gold). Die Kraft ist noch gut da. Beim Hochsprung reicht auch schon 1,10 für das Goldene.

Aber da machen Sie doch sicher Weitsprung.

Heike Drechsler:
Na klar, 3,50 muss man nur schaffen für Gold.

Und die Übungen hier auf dem Trimm-Dich-Pfad können Sie ja auch alle.

Heike Drechsler:
Es soll ja nicht langweilig werden. Beim Laufen bau ich immer gern alles Mögliche mit ein. In der Sportschule hatten wir nicht nur alle leichtathletischen Disziplinen, sondern auch Turnen, wie hier auf dem Balken. Meine Füße waren damals eigentlich zu groß dafür. Aber das mussten alle machen, das gehörte zur Grundausbildung. Ich fand das schon klasse, weil man ganz viele Bewegungsmuster bekommen hat. Denn neben der Muskelkraft sind auch die Beweglichkeit und Koordination sehr wichtig für die Technik und die Umsetzung der Bewegungen.

Wann sind Sie in die Sportschule gekommen?

Heike Drechsler:
Es gab mit 12 Jahren eine Vorüberprüfung, das war ein Dreikampf, Sprinten, Weitwurf mit dem Medizinball und ein 3000-Meter-Lauf. Und dann kam anschließend der Brief nach Hause! Da bin ich sofort zu meiner Freundin gelaufen: „Hey, hast Du auch so nen Brief gekriegt?“ Wir durften dann beide aufs Sportinternat und waren beide sowas von stolz. Es gab einen sehr strengen Tagesablauf, Schule von sieben bis halb elf, danach Training. Von halb zwei bis vier wieder Unterricht und um halb fünf wieder Training. Aber das Training hab ich immer gerne gemacht. Bis auf manchmal die Ausdauer – das war nicht so meine Stärke. Aber mittlerweile macht mir das richtig Spaß. Meine Freundin war damals immer besser als ich im Weitsprung. Mit 15 ist sie dann aber nicht mehr weiter gewachsen und ihre Leistungen stagnierten, nach der 10. Klasse musste sie von der Sportschule gehen. Das war natürlich bitter und es flossen Tränen.

Wie sah denn das Ausdauertraining in der Sportschule aus?

Heike Drechsler:
5 Kilometer sind wir gelaufen, als klassischen Dauerlauf oder Waldlauf. Aber auch im restlichen Training haben wir viel für die Ausdauer gemacht: Sprungkraftausdauer, Kraftausdauer, Schnelligkeitsausdauer. Wenn wir statt Einlaufen Fußball auf kleine Kästen gespielt haben, haben wir das geliebt.

Und wann kam die Begeisterung fürs ausdauernde Laufen?

Heike Drechsler:
Am Ende meiner Karriere, ein bisschen vorher vielleicht. Ich bin dann einmal einen Halbmarathon gelaufen in Kanada. Vorher hatte ich erstmal im Stadion probiert, wie lang denn 10 Kilometer überhaupt sind, das war schon ziemlich langweilig. Die Woche drauf bin ich dann 14, 15 km im Stadion gelaufen. Runde, Runde, Runde, nur um erstmal das Gefühl für die Zeiteinteilung zu bekommen. Während des Leistungstrainings hatten wir Maximalstrecken von 6, 7 km. Seit 2004 lauf ich auch längere Strecken. Das ist immer ein tolles Gefühl danach! Inzwischen ist es für mich eine schöne Sportart, die man ja überall machen kann. Einfach raus nach der Arbeit. Nach dem Bürojob ist das für mich einfach ein Stück Lebensqualität.

Trainieren Sie noch etwas anderes?

Heike Drechsler:
Einmal in der Woche geh ich noch ins Fitnessstudio, oder ich mache Ganzkörperübungen mit dem eigenen Körpergewicht, Halteübungen, da gibt’s ja Tausend Übungen, ohne dass man einen Kraftraum geht. Aber ich finde es auch wichtig, ab und zu mal an die Hanteln zu gehen. Ich merk das immer, wenn ich Krafttraining gemacht hab, bin ich beim Laufen auch stabiler. Das Laufen geht dann einfacher. Sollen wir noch ne Runde laufen?

Aber klar!

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